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Brüllrohraffen und die SOKO Poser

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 25/2018/II), Folge 606: Die Sache mit dem Motorradlärm treibt nach wie vor viele Biker um. Auch wenn es Kollege Till Ferges von „Motorrad News“ nicht mehr hören mag und in seiner aktuellen Kolumne „Viel Lärm um Lärm“ in der Juli-Ausgabe...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...schreibt, dass ihn die Lärmdiskussion nerve. O-Ton Kommentar Ferges: „Man will mich weiter sensibilisieren. Nun auch das Institut für Zweiradsicherheit. Mit einem gar nicht so üblen Videoclip. Nur glaube ich nicht an irgendeine weitergehende Wirkung. Es ist doch alles gesagt, alles ausdiskutiert, alles liegt auf dem Tisch. Alle, die wollen, haben verstanden. Und wer es krachen lassen will, macht es weiterhin.“ Zum Schluss stellt der Syburger-Redakteur die provozierende Frage: „Hat sich irgendwer von euch Aufzündern und Harley-Blubberbären entschieden, den Serientopf wieder anzubauen, weil er sensibilisiert wurde?“

Über den unterschiedlichen Sensibilisierungsgrad der Motorradfahrer können wir an dieser Stelle trefflich streiten. Auf jeden Fall habe ich passend zur Thematik einen Leserbrief vorliegen von Kfz-Gewerbespezialist Frank Kröhnert: „Ich hatte bei meiner vorletzten Maschine (BMW K 1300 S) eine Penzl-Klappenanlage (mit Schalter) verbaut und hatte die zuletzt immer seltener scharf geschaltet, da es mir selbst als Fahrer zu laut und prollig war. Von den anderen Motorradfahrern vor/neben/um mich herum oder Passanten oder Anwohnern ganz zu schweigen (Achtung Wortspiel: oder besser zu brüllen). Es wurden und werden in meiner Wahrnehmung immer mehrBrüllrohre montiert.

Einmal waren wir im Kollegenkreis zu dritt unterwegs. Zwei Harleys, davon eine (noch) ohne Screamin-Eagle-Anlage, meine BMW natur, also noch ohne Penzl, und ein Harley-Davidson-Komplett-Umbau auf 1.600 cm³ Motor mit Klappensystem von Kesstech oder Jekill & Hyde in der vermutlich extremsten Ausprägung.

Bei einer Fahrt durch die fränkische Schweiz fiel mir dann als dritter im Bunde dieser Gruppe eine Frau auf, die aus dem Garten in Richtung Straße sprang und nicht den Heavy-Metall-Hard-Rock-Gruß, sondern den deutlich ausgestreckten Mittelfinger präsentierte.

Es gibt in der Zwischenzeit Anwohner im Bayrischen Wald, die (ohne Erfolg) versuchen, das frühere Erholungs-Wochenendhäuschen zu verkaufen. Wir kennen den Grund.

Seit damals achte ich viel mehr auf derartige Reaktionen, Artikel und Berichte. Das ist auch der Grund für meine Zeilen an dich. Wie du weißt, habe ich in der Kfz- und Zweiradszene meine Wurzeln und habe dank meiner heutigen Profession die Hand sehr nah am Puls. Und selbst bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten diskutiere ich gerne mit anderen gleichgesinnten Zweiradlern über Sinn und Unsinn derartiger Anlagen und der zum Teil extremen Geräuschentwicklung.

Denn wenn gefühlt und exemplarisch KEINE Harley-Davidson mehr ohne o.g. Anlagen unterwegs ist, hat der berühmte Spaß im wahrsten Sinne des Wortes ein Loch (und zwar im Auspuff). Warst Du schon einmal auf einem sog. denglischen Open House bei Harley-Davidson? Vermutlich und ggf. mit Ohrenstöpseln, wenn mehrere Motorräder zur gleichen Zeit losfahren.

Nun kurz zur vierrädrigen Fraktion und der dieses Thema erheblich mit befeuernden Klappen-/Turbolader-Wastegate-Krach-Fraktion: Ich lief kürzlich nach einem gemütlichen Abendessen aus der Nürnberger Innenstadt zu einem bewusst etwas weiter entfernten Parkplatz meines Autos. Ich habe mir nach wenigen Minuten und einer Uhrzeit jenseits von Mitternacht zunächst die Augen und dann die Ohren gerieben, was da rund um Bahnhof und in der Innenstadt und der Poser-Strecke zwischen Frauentorgraben und Oper los war.

Da kommen Golf GTI/ Mini Cooper Works, Audi S/RS 3, 4, 5, 6 und 7 sowie BMW M2/ M3/ M4 /M5 und M6 und X 1 bis 7 um die Ecken, Mercedes AMG jeder Baureihe und dann noch Konzerngeschwister von Seat (Leon Cupra) bis hin zu älteren Modellen von Opel Corsa, Astra OPC und der fahrerischen Zielgruppe diverser BMW samt offenen Scheiben – und leicht „orientalisch“ angehauchter (bitte zensieren) Musik – zusätzlich zum Klappenauspuff!

Wohlgemerkt nach Mitternacht in der Innenstadt und nicht auf einer Bundesstraße zwischen Nürnberg und dem Umland, so dass ich mir manchmal die SOKO Poser aus Hamburg auch hier bei uns im Frankenland wünsche.

Nochmals zur Sicherheit: Ich gehöre gewiss nicht zu den Umweltaktivisten oder der moralisierenden Zeigefingerfraktion der Bevölkerung. Ganz im Gegenteil: Ich bin wahrlich ein Motorsport-Freund, in dessen Adern Benzin fließt. Ich besuche mit meiner Tochter fast jedes Jahr auch DTM-/Porsche-Supercup/ Formel 3- oder Audi TT- und sogar Rally-Cross-Rennen, aber das findet z.B. auf dem Hockenheimring und nicht bei mir und ,uns' um die Ecke vor der Haustüre statt. Da ich weder Kläger noch Richter bin, hiermit meine Zeilen zur weiteren redaktionellen Nutzung durch Dich und Euch und bis bald bei der Zweiradausfahrt ,ab Würzburg' auf der »bike und business«-Motorradtour 2018. Mit herzlichem Zweiradler-Gruß nach Würzburg: Frank.“

Gut gebrüllt Frank – einer, der sich hat sensibilisieren lassen! Und schön, dass du uns auf unserer diesjährigen »bike und business«-Motorradtour wieder begleitest. Du wirst es nicht bereuen: Die Strecken in den Ardennen und der Eifel sind fantastisch, ebenso das Tourhotel in Aachen und das begleitende Businessprogramm ist wieder sehr lehrreich. Falls du in meiner Gruppe landen solltest, verspreche ich dir, meine Jekill & Hyde auf „grün“ zu stellen, leiser als das Original (ja, das können die Anlagen auch, wenn man es nur will).

Für alle noch Unentschlossenen habe ich den ultimativen Tipp. Hier klicken und sich auf der Landingpage des Events die letzten Argumente für eine Teilnahme holen. Wer noch nicht bei uns mitgefahren ist, weiß gar nicht, was er bis dato verpasst hat.

(ID:45354790)

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