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Concorso di Motociclette: Über 100 Jahre Motorradgeschichte

| Autor / Redakteur: sp-x/Ulf Böhringer / Maxim Braun

Im Rahmen des alljährlichen Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See wächst die Bedeutung der Zweiräder beständig. In diesem Jahr umfasste das Teilnehmerfeld wieder viele fantastisch erhaltene Oldtimer.

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Auch dieses Jahr wurden die edelsten Motorräder wieder prämiert.
Auch dieses Jahr wurden die edelsten Motorräder wieder prämiert.
(Foto: SP-X/fbn)

Es ist das fünfte Jahr, dass auch die Motorräder einen Platz im exklusiven Park der Villa Erba am Ufer des Comer Sees gefunden haben. Und bereits zum dritten Mal präsentiert BMW als Co-Veranstalter des stimmungsvollen Events hier ein Konzept-Bike: Nach der Concept Ninety 2013 und dem Concept Roadster im vergangenen Jahr haben die Bayern mit der Concept 101 nun einen luxuriösen Bagger vorgestellt. Doch das Hauptaugenmerk des Concorso di Motociclette liegt analog zur Präsentation der vierrädrigen Pretiosen auf historischen Fahrzeugen. Der Bogen reichte dieses Jahr von der Puch Type N aus dem Jahr 1912 bis zu den Drei- und Vierzylinder-Motorrädern aus Japan, die in den 1970er Jahren den Motorradmarkt revolutionierten.

Den historischen Überblick hatten die Veranstalter in fünf Gruppen gegliedert: In „The Establisment“ waren Motorräder vor 1930 zusammengefasst. Besonders gewürdigt wurden in dieser Klasse die Moto Guzzi C 2V mit Einzylindermotor von 1929 sowie die aus Deutschland stammende Victoria K.R.II, an der sich zahlreiche eindrucksvolle Details finden lassen. Den Gruppensieg trug aber der Slowene Petia Grom für seine Puch Type N von 1912 nach Hause. Das 453-cm³-Einzylinderbike ist nicht nur in bestem Zustand: Dem Besitzer gelang es sogar, eine Zündkerze aufzustöbern, die seinen Nachnamen trägt.

Concorso di Motociclette
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„Gentleman’s Ride“ lautete das Thema der zweiten Gruppe. Hier ragte die französische Motobécane S5C Gran Sport (493 cm³, Einzylindermotor) aus dem Jahr 1934 heraus; dieses perfekt erhaltene Fahrzeug war bisher so gut wie nie auf einer Oldtimer-Veranstaltung zu sehen gewesen. Der französische Besitzer Yves Compan freute sich sichtlich über die Auszeichnung der Jury.

Die Italienerin Silvia Favaro trug den Sieg in der Kategorie „Experiments in the Fifties“ davon; ihr Kleinmotorrad Motom 98T stammt aus dem Jahr 1955. Sowohl die Vorderradführung wie auch eine frühe Form des noch heute seltenen Kurvenlichts sind Merkmale dieses bis 1960 gebauten Modells.

„Connoisseur’s Choice“, also die „Wahl der Genießer“ hieß die vierte Gruppe von Fahrzeugen aus den 1970er Jahren; hier waren besonders exklusive, in geringen Stückzahlen gefertigte Motorräder zu sehen, für die schon seinerzeit hohe Preise verlangt wurden. Am überzeugendsten war für die Jury die von Friedel Münch gebaute Münch-4, die von einem Vierzylindermotor aus dem NSU Prinz TT befeuert wurde. Der Italiener Alessandro Altinier trug nicht nur den Klassensieg davon; sein Motorrad wurde außerdem zum „Best of the Show“ gekürt.

Den Motorradmarkt revolutionierten Anfang der 1970er Jahre insbesondere die Marken Honda, Kawasaki und Suzuki mit ihren leistungsstarken Modellen mit Drei- und Vierzylindermotoren und 750 bis 900 Kubikzentimetern Hubraum. BMW und Moto Guzzi versuchten mit Zweizylinder-Modellen dagegen zu halten, hatten aber leistungsmäßig das Nachsehen. Den Klassensieg errang die wunderschöne Honda CB 750 Four des Österreichers Josef Gunz.

Als Spezial-Klasse waren fünf Motorräder zu sehen, die das berühmte Rennen auf der Isle of Man gewonnen hatten: Der Bogen reichte von der BMW 500 Kompressor der Legende Schorsch Meier von 1939 über die Norton 500 (1954) mit fast nicht erkennbaren Zusatztanks, die NSU „Rennmax“ (1954) und die Honda 2RC164 (1964) bis zur BMW S 1000 RR.

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