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Corona: Dürfen Motorräder noch verkauft werden?

| Autor / Redakteur: Doris Pfaff und Stephan Maderner / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

In Bayern und anderswo scheint der stationäre Verkauf von Zweirädern unter bestimmten Bedingungen noch möglich zu sein. In NRW ist er komplett verboten.

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Der Fahrzeugverkauf „online“, also per Mail, WhatsApp oder mobile.de, kann weiterhin stattfinden. Allerdings variieren die Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern.
Der Fahrzeugverkauf „online“, also per Mail, WhatsApp oder mobile.de, kann weiterhin stattfinden. Allerdings variieren die Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern.
(Bild: JaymzArt auf Pixabay )

Diese Situation hatte die Auto- und Zweiradbranche befürchtet: Die bayerische Landesregierung hat seit Samstag Ausgangsbeschränkungen für den Freistaat verfügt. „Für die Kfz-Innungsbetriebe werden die Ausgangsbeschränkungen weitere Umsatzeinbußen bedeuten. Trotzdem stehen aufgrund der Allgemeinverfügung die systemrelevanten bayerischen Kfz-Innungsbetriebe weiter den Kunden offen, um die individuelle Mobilität sicherzustellen. Das bayerische Kfz-Gewerbe trägt die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung im Interesse der Eindämmung des Corona-Virus mit. Die Gesundheit aller Bürgerinnen und Bürger hat oberste Priorität", teilte der Landesverband Bayern unserer Schwesternzeitschrift "kfz-betrieb" mit.

Weil Ausgangsbeschränkungen bedeuten, dass nur noch in dringenden Fällen die Menschen ihr Zuhause verlassen dürfen, dürfte dies die Werkstätten im Prinzip auf ein Notfallgeschäft reduzieren. Um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, sind in den Schließungsanordnungen der Länder die Kfz-Werkstätten ausgenommen, um die individuelle Mobilität weiterhin zu sichern. Das heißt, die Kfz-Betriebe dürfen Autos reparieren und alles tun, um die Mobilität zu erhalten. Selbst ein Autoverkauf könnte möglich sein, sofern die Zulassung noch möglich ist. So legte zumindest die Kfz-Branche die Schließungsanordnungen der Länder bislang aus. Im Landkreis Nienburg (Niedersachsen) zum Beispiel könne man nach Angaben eines örtlichen Motorradhändlers derzeit nach Terminabsprache noch Fahrzeuge zulassen.

Inwieweit der Gesetzgeber hierbei zum Beispiel den Pkw-Kauf als systemrelevant einstuft und ihn bei Caravans und Motorrädern negiert, ist noch unklar. Hier herrscht tatsächlich eine Grauzone. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass es auch Endverbraucher gibt, die auf das Motorrad oder den Roller angewiesen sind, um zur Arbeit zu fahren.

Um eine eindeutige Aussage zu bekommen, hat der ZDK eine Anfrage ans Bundeswirtschaftsministerium gestellt. Diskussion in der Branche gibt es auch um die praktische Umsetzung eines möglichen Verkaufsverbots eines Mischbetriebs. Häufig sind die Verkaufsräume der Werkstätten zugleich der Wartebereich der Werkstattkunden.

Insgesamt ist die Stimmung in den Auto- und Motorradbetrieben doch sehr ernüchternd aber durchaus unterschiedlich. Einige halten die Auslegung möglicher Öffnungsszenarien für Kaffeesatzleserei. Schließlich gebe es jetzt schon eine starke Kaufzurückhaltung. In Zeiten von Corona-Krise mit drohender Ausgangssperre und Wirtschaftskrise mache sich kein Kunde mehr auf den Weg, ein Auto oder ein Motorrad zu kaufen. Zudem seien auch immer mehr Zulassungsstellen geschlossen, so dass das Offenhalten des reinen Fahrzeughandels keinen Sinn mache. Andere argumentieren dennoch, genügend Arbeit im Geschäft mit neuen und gebrauchten Fahrzeugen zu haben und die Kundenbetreuung auch per Mail organisieren zu können. Zudem würden Autos und Motorräder auf den Höfen und in den Lägern stehen, die teilweise schon bezahlt oder finanziert, aber noch nicht ausgeliefert sind. Hier arbeiten Finanzierer wie die Santander Consumer Bank und die Creditplusbank oder Hersteller wie Yamaha und KTM schon an Lösungen, um die Händlerpartner trotzdem liquide zu halten.

NRW untersagt reinen Autohandel

Dagegen hat Nordrhein-Westfalen den stationären Verkauf von Fahrzeugen im Handel generell verboten. Das zuständige Arbeitsministerium definierte am Donnerstag den Autohandel (Anm. d. Redaktion: und damit zwangsläufig wohl auch den Motorradhandel) als ein Verkaufsgeschäft, das nicht unter die Ausnahme falle und entsprechend verboten ist. „Reine Werkstatttätigkeiten seien anders zu bewerten. Der Landesverband NRW erläutert, wenn im Autohaus der Zugang zum Servicebereich nur über die Verkaufsräume möglich sei, müssten die Flächen räumlich oder organisatorisch voneinander abgetrennt werden, zum Beispiel durch durch Hinweisschilder, mit Flatterband, Raumteiler oder ähnlichem", erläuterte ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.

„Die Corona-Krise hat schwerwiegende Auswirkungen auf den stationären Automobilhandel. Viele Verkaufs- und Ausstellungsräume bleiben deswegen geschlossen. „Es ist jetzt umso wichtiger, digitale Angebote noch weiter auszubauen und dabei alle Register zu ziehen“, erklärte Thomas Peckruhn, Vizepräsident des ZDK.

Der Verband steht deshalb in Austausch mit den Online-Fahrzeugbörsen Mobile und Heycar, die beide den Handel in der aktuellen Situation unterstützen wollen.

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