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Corona-Krise: Diese Themen sollten Händler im Blick haben

| Redakteur: Joachim von Maltzan

Die aktuelle Corona-Pandemie trifft die gesamte Wirtschaft und damit auch das Kfz-Gewerbe existenziell. Jetzt geht es darum, schnell Maßnahmen einzuleiten, die helfen, den eigenen Betrieb sicher durch die Krisenzeit zu lotsen.

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Autohäuser und Motorradbetriebe stellt die Corona-Krise vor große Herausforderungen.
Autohäuser und Motorradbetriebe stellt die Corona-Krise vor große Herausforderungen.
(Bild: Autohaus Echterstrasse)

Plötzlich steht nahezu alles still. Mit einer solchen Situation hat keiner gerechnet, und niemand hat Erfahrung damit. Erschwerend kommt hinzu, dass kein Fachmann sagen kann, wie lange der Ausnahmezustand dauern wird und wie schwer die Corona-Krise im Endeffekt die Wirtschaft belasten wird. Jeder Unternehmer muss jetzt aber dafür sorgen, dass sein Betrieb weiter existiert und nicht sofort in die Knie geht.

Gesa Köberle von der Unternehmensberatung Tomorrow Business aus Stuttgart rät Händlern, folgende Punkte aufzugreifen und abzuarbeiten:

  • Topthema 1: Die Sicherstellung der Liquidität hat oberste Priorität. Da der normale Abverkauf der Fahrzeuge sukzessive in allen Bundesländern zumindest stark eingeschränkt werden wird, gilt es vor allem, auch ausstehende Forderungen so zeitnah wie möglich einzuholen. Um die Liquidität sicherzustellen, empfehlen wir außerdem, eine detaillierte Liquiditätsplanung zu erstellen und diese mindestens einmal wöchentlich zu aktualisieren. Es ist recht wahrscheinlich, dass – zumindest seitens der Herstellerbanken – Lösungen angeboten werden, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Angebote des Bundes beziehungsweise der Länder. In beiden Fällen gilt, dass man Informationen hierzu täglich verfolgen und für das eigene Unternehmen prüfen sollte.
  • Topthema 2: Kosten erfassen und reduzieren. Dieses Thema ist nicht neu und gehört auch außerhalb der aktuellen Krise auf die Agenda. Jetzt aber kommt der Kostenthematik eine besondere Bedeutung zu. Es gilt, alle Kosten zu erfassen, zu bewerten und – wo immer sinnvoll und möglich – zu reduzieren. Insbesondere sollte jedes Autohaus unbedingt sofort prüfen, welche Unterstützungsleistungen Bund und Länder zur finanziellen Entlastung der Häuser anbieten. Auch das Thema Kurzarbeit kann eine enorme Kostenentlastung darstellen, zumal die Voraussetzungen zur Einführung von Kurzarbeit deutlich herabgesetzt wurden.
  • Topthema 3: Nah dran sein am Kunden. Ein gut organisiertes Autohaus müsste eigentlich alle seine Kunden kennen. Anders als im Normalbetrieb ist jetzt Zeit vorhanden, um sie zu kontaktieren. Und das Gute ist, viele Kunden haben nun ebenfalls Zeit. Deshalb gilt es jetzt sofort, der Situation angepasste Angebote für Kunden zu schnüren und diese per Telefon, E-Mail oder Social Media zukommen zu lassen. Im Moment bietet sich zum Beispiel ein Hol- und Bringdienst von Fahrzeugen zum Reifenwechsel und/oder Service an.
  • Topthema 4: Noch mehr zu Thema Kommunikation: Diese sollte man nicht nur in Richtung Kunden optimal gestalten, sondern vor allem auch intern konsequent und strukturiert angehen. Die Mitarbeiter werden große Ängste um ihre Arbeitsplätze haben. Dem kann man entgegenwirken durch klare Kommunikation, dass man zum Beispiel die Krise als Chance nutzen werde, um wichtige aber häufig verschobene (interne) Projekte nun endlich anzugehen.
  • Topthema 5: Digitalisierung vorantreiben. Leider hinken die meisten Automobilhändler in puncto Digitalisierung hinter den bereits seit langer Zeit bestehenden Möglichkeiten her. Welche Folgen dies hat, zeigt die aktuelle Situation. (Beispielsweise können die meisten Autohäuser mobile Arbeitsplätze nur für einige wenige Mitarbeiter realisieren.) Die „Ruhe“ in der jetzigen Krise sollte man deshalb als Chance nutzen, um die digitalen Systeme im Autohaus und im Motorradbetrieb zu verbessern.
  • Topthema 6: Investition in die Zukunft: Es wird auf jeden Fall eine Zeit nach der Krise geben. Und auf diese Zeit gilt es sich nun vorzubereiten. Dazu gehört, dass lange aufgeschobene, zukunftsorientierte Projekte endlich angegangen werden. Egal, ob es organisatorische oder technische Themen sind. Auch die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern ist in der kommenden „Ruhephase“ gut realisierbar, idealerweise über die Nutzung von digitalen Angeboten.“

Der Unternehmensberater Jürgen Steimle aus Königstein im Taunus ergänzt: „Ich empfehle den Händlern, Kurzarbeit zu beantragen, mit den Banken hinsichtlich der Kreditlinien zu sprechen und auch die KfW wegen möglicher Überbrückungskredite zu kontaktieren.“ Um schnell Kosten zu sparen, sollten sich Unternehmen aber auch die eigene personelle Situation genau ansehen, Neueinstellungen aufschieben und neu eingestellte Mitarbeiter, die noch in der Probezeit sind, wenn es die finanzielle Lage nicht anders zulässt, entlassen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Online-Portal unserer Schwesternzeitschrift »kfz-betrieb«

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