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Corona-Krise lässt Kfz-Betriebe kreativ werden

| Autor: Doris Pfaff

Ein Dixi-Klo im Autohaus oder Motorradbetrieb, Flatterbänder vor dem Showroom und Kunden, die bildlich gesprochen mit der spitzen Pinzette angefasst werden: Derzeit steht der Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus an erster Stelle. Das erfordert Maßnahmen, die sonst nicht denkbar wären, nun aber vielleicht den Betrieb retten können.

Die selbstgebastelte Ampelanlage des Autohauses Thoma hilft bei der Orientierung: Erst wenn sie auf Grün schaltet, darf der Kunde reinkommen.
Die selbstgebastelte Ampelanlage des Autohauses Thoma hilft bei der Orientierung: Erst wenn sie auf Grün schaltet, darf der Kunde reinkommen.
(Bild: Autohaus Thoma)

Die Herausforderungen und Auflagen, unter denen das Kfz-Gewerbe den Kundenverkehr noch zulassen darf, sind enorm. Ähnlich wie in den Discountern, die von der Schließungsverordnung ausgenommen sind, gilt es auch in Kfz-Betrieben, den direkten Kundenkontakt zu vermeiden (Anm. d. Red. das gilt für Auto- und Motorradhändler und Werkstätten gleichermaßen).

Die Sorge, Mitarbeiter und Kunden vor dem Virus zu schützen, lässt die Betriebsinhaber kreativ werden: Ein Spuckschutz aus Plexiglas, eine zur Ampel umfunktionierte Discobeleuchtung und ein Dixi-Klo zum Händewaschen sind einige Beispiele dafür.

Aber: Wie kann ein Mitarbeiter eine Reparatur annehmen und gleichzeitig den Abstand von 1,5 Metern zum Kunden einhalten? Und wie verhindert man Schlangen im Autohaus? Das sind nur einige Fragen, die sich die Unternehmer stellen.

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Bei der Suche nach Antworten ist nicht nur Kreativität gefragt, sondern mitunter auch handwerkliches Geschick, schnelle Entscheidungen und Mut. So scheute beispielsweise das Autohaus Klaiber in Balgheim nicht, eine Dixi-Klo-Box in den Eingangsbereich zu stellen, damit sich die Kunden vor dem Eintreten erst einmal die Hände waschen können. Auch Desinfektionsmittel gebe es dort, erzählt Geschäftsführer Bernd Klaiber.

Erst anschließend darf der Kunde zur Annahme. Dort dient eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz für die Mitarbeiter. Zur Fahrzeugabgabe muss der Kunde den Schlüssel aus seinem Bund auslösen und in eine Schale legen. Der Schlüssel wird vom Mitarbeiter desinfiziert und schließlich an den Kollegen in der Werkstatt weitergegeben. „Einen direkten Kundenkontakt gibt es somit aktuell nicht“, meint Klaiber.

Folien über Lenkrad und Sitzen

Um sich bei der Reparatur zu schützen, decken Mitarbeiter den Innenraum der Fahrzeuge komplett ab: Es kommen Folien über die Sitze, das Lenkrad, die Handbremse und die Armaturen. Desinfektionsmitteln können schwerlich eingesetzt werden, da die Gefahr besteht, die unterschiedlichen Materialien zu beschädigen.

Autohaus-Geschäftsführer Matthias Thoma in Sexau steuert die Kundenfrequenz per Fernsteuerung mit einer mehrfarbigen LED-Lampe, die eigentlich seinem Sohn als Kinderdisco dient. Er kreierte damit eine Ampelanlage: Nur wenn die Birne grün leuchtet, darf der nächste Kunde an den Tresen im Empfangsbereich treten. Außerdem informiert Thoma die Kunden mit Hinweisschildern über seine Maßnahmen. „Das funktioniert gut. Wenn Rot ist, warten die Kunden auch vor der Tür.“ Um seine Mitarbeiter zu schützen, gibt es weiterhin Klebestreifen zum Abstandhalten.

In der Werkstatt selbst werden die Autogriffe erst mit Desinfektionsmittel behandelt; innen werden Folien über Sitze, Schalthebel und Lenkrad gezogen. „Auf die anschließende Innenreinigung, die sonst zu unserem Service gehört, verzichten wir. Außerdem bieten wir derzeit keinen Hol- und Bringdienst mehr an“, sagt Thoma. Er hofft, so für Sicherheit zu sorgen und möglichst lange Kurzarbeit in seinem Betrieb zu vermeiden.

Aufenthalt im Autohaus soll kurz gehalten werden

Daniel Liliensiek, Geschäftsführer des Autohauses Liliensiek in Dippoldiswalde in Sachsen, setzt darauf, im Vorfeld einer Auftragsannahme möglichst alle Fragen telefonisch zu klären, damit der eigentliche Aufenthalt des Kunden im Autohaus kurz gehalten werden kann. Eine Abstandsregelung und transparente Stellwände helfen, zu viel Nähe zu vermeiden.

In der Werkstatt ist man dazu zurückgekehrt, Einmalmaterialen zu verwenden. „Eigentlich hatten wir aus Nachhaltigkeitsgründen Textilien eingesetzt, um das Fahrzeug vor Verschmutzung zu schützen. Jetzt ziehen wir wieder Folien über Lenkrad, Schalthebel und Sitze“, sagt Liliensiek. Über die Website des Autohauses können sich Kunden mittels kurzen Videos zu den Angeboten informieren und, wenn gewünscht, einen direkten Whatsapp-Videochat mit einem Berater starten. Dieser kann dann mit dem Handy ums Auto gehen und näher zeigen, was der Kunde sehen möchte.

Die Redaktion freut sich über weitere Beispiele und Ideen, wie Betriebe versuchen, die Corona-Krise zu meistern. Schicken Sie uns gerne Fotos und ein paar Zeilen dazu per Mail an doris.pfaff@vogel.de.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Online-Portal unserer Schwesternzeitschrift »kfz-betrieb«.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik