Creditplus-Bank: Handel muss die „kritische Masse“ erreichen

Autor / Redakteur: Silvia Lulei / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Jan Wagner, Vorstandsvorsitzender der Creditplus-Bank, über die Herausforderungen der Zweiradbranche.

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Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender Creditplus-Bank: „Man muss verlässlich, schnell und berechenbar sein – und attraktive Finanzierungskonditionen haben.“
Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender Creditplus-Bank: „Man muss verlässlich, schnell und berechenbar sein – und attraktive Finanzierungskonditionen haben.“
(Foto: Creditplus-Bank)

Redaktion: Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktlage auf dem Zweiradmarkt?

Jan W. Wagner: Im Zweiradmarkt ist seit Jahren eine leicht rückläufige Tendenz zu verzeichnen, die – so glauben wir – auch mit der generellen Einstellung zu tun hat. Zudem sind die Anfangseinkommen von jungen Leuten, die Lust auf das Motorradfahren haben, nicht sehr hoch. Interessant für die Branche sind die 50- bis 60-Jährigen, die sich mit einem Motorrad einen Jugendtraum erfüllen. Aber die reichen nicht aus, um die Einbußen aus der jüngeren Zielgruppe zu kompensieren. Man muss natürlich auch eingestehen, dass es nicht ganz billig ist, Motorrad zu fahren. In den neunziger Jahren galten die japanischen Zweiräder als gute und günstige Produkte. Das hat sich relativiert – auch durch veränderte Wechselkurse. Der Preisvorteil gegenüber anderen europäischen Produzenten ist nicht mehr in dem Maße vorhanden.

Das Neugeschäft in der Absatzfinanzierung von Zweirädern ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gesunken. Wie wollen Sie einem weiteren Rückgang entgegensteuern?

2012 sind wir mit Triumph, einer gut etablierten Marke, ins Geschäft gekommen. Wir haben eine sehr gute Marktabdeckung, wollen aber neue Verbindungen eingehen. Dazu sind wir mit größeren Zweiradherstellern im Gespräch. Über mögliche neue Partnerschaften können wir aber erst im Herbst reden. Der Rückgang im Neugeschäft ist natürlich eine Frage der generellen Penetration, die – offen gesagt – nicht zunimmt. Hierbei spielt auch das veränderte Verbraucherverhalten eine Rolle: Viele Käufer zahlen ihr Motorrad bar, mit steigender Tendenz.

Wie erklären Sie sich das?

Viele sind unsicher, was mit ihren Spareinlagen passiert und zahlen lieber bar. Auch die Alternativen, nämlich mit Guthaben ein hohes Zinseinkommen zu erzielen, sind nicht mehr so gegeben. Deshalb ist die Penetrations-, sprich Finanzierungsquote leicht rückläufig. Glücklicherweise haben wir im Motorradmarkt im Vergleich zum Wettbewerb keine Einbußen erlitten. Unsere Marktposition ist unverändert.

Welchen Herausforderungen steht die Motorradbranche Ihrer Meinung nach gegenüber?

Für die Zweiradhändler wird es wichtig sein, dass sie die sogenannte kritische Masse erreichen. Denn wenn die Hersteller, mit denen ein Händler zusammenarbeitet, auch von diesem rückläufigen Markttrend betroffen ist, wird sich schnell die Frage stellen, wie lange man mit einem geringeren Umsatz ausreichend profitabel arbeiten kann. Hier ist die Herausforderung, möglicherweise mit zusätzlichen Marken zu arbeiten und eine gewisse Konzentration im Markt mitzugestalten. Viele Motorradhändler sind Familienbetriebe, deren Unternehmensnachfolge unklar ist. Für Händlerkollegen stellt sich also die Frage, ob sie diese Betriebe übernehmen sollten, um die kritische Masse zu erreichen. Darüber hinaus werden kleinere Händler immer die Möglichkeit haben, sich in einer Nische zu positionieren. Es wird immer jemanden geben, der quasi um die Ecke liegt, geschickt, gut und preiswert repariert und daher eine dankbare und loyale Kundschaft hat. Aber das ist nicht die große Masse der Händlerschaft. Der Zweiradmarkt befindet sich in einem Umwälzungsprozess.

Das Gespräch führte Silvia Lulei.

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