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Das Phänomen mit den Stechzeiten

| Autor / Redakteur: Thomas Slany / Valeria Schulte-Niermann

Neulich bei einem Kunden, in der Werkstatt des Vertragshändlers boxt sprichwörtlich der Bär. Für das Werkstattpersonal bedeutet die Ferienzeit Vollbeschäftigung, Überstunden und Stress pur. An den diversen Hebebühnen schrauben die Mechaniker was das Zeug hält.

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(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann )

Sieht schon cool aus – alle fünf Techniker sind einheitlich eingekleidet und trotz Hochsaison sieht es in der Werkstatt recht sauber und gut organisiert aus. Reifenwechsel hier – Kundendienst dort, Kettensatz- und Bremsbelagswechsel an einer GSX-R. Alles vermittelt einen professionellen Eindruck. Als am Abend der Chef die Stechzeitenauswertung des aktuellen Tages seiner Techniker betrachtet, liegt die mittlere Effektivität gerade mal bei knapp 59 Prozent. Anders ausgedrückt: von neun Stunden gestochener Anwesenheitszeit sind nur gut 5,3 Stunden auf Arbeitsaufträgen gebucht und fakturiert worden. Wo aber sind die verbleibenden 3,7 Stunden geblieben?

Klar werden Sie jetzt denken – das Raus- und Reinschieben der Fahrzeuge in der Früh und am Abend kostet schon etwas Zeit. Auch ein eventuelles Suchen von Ersatzteilen ist nicht immer ganz auszuschließen. Aber in der Summe erklärt das nicht, woher die eklatanten Fehlzeiten zustande kommen. Ein ganz großer Zeitfresser sind meist eher die kleinen Sachen, z.B. das schnelle Beantworten einer Kundenfrage, der ein oder andere „kleine“ Handgriff an einem Kundenfahrzeug, der abgerissene Bolzen an einem Kundenbremssattel oder wenn der Kunde den Techniker direkt an der Arbeitsbühne mit den Worten, „kannste mal kurz schauen?“ von seiner eigentlichen Arbeit wegreißt. Auch wenn nun ein Großteil der Händlerkollegen einwerfen, „kommt bei mir nicht vor – hab´ ein Schild an der Tür (Betreten verboten)“ oder „meine Mechaniker schicken die Kunden direkt an die Theke“. Wie dem auch sei – dieses Szenario können Sie als Werkstatt kaum unterbinden – es ist ja genaugenommen auch Teil Ihres ganz persönlichen Serviceversprechens an Ihre Kunden. Nur sollten bei Ihnen, aufgrund solch‘ einer Auswertung, die Alarmglocken klingeln.

Besser ist: Bestimmen Sie im Vorfeld ein bis zwei Mitarbeiter, die sich während des Tagesgeschäftes um solche „kleinen“ Sachen kümmern, so dass der Rest der Mannschaft möglichst ungestört arbeiten kann. Natürlich wird sich durch das Drehen an dieser kleinen Stellschraube der Erfolg nicht über Nacht einstellen. Um diese Ablaufroutine in der Werkstattmannschaft zu festigen, bedarf es etwas Geduld und steter Kontrolle. Aber achten Sie mal nach drei bis vier Tagen auf Ihre Stechzeitenauswertung – sie werden überrascht sein.

Der Beitrag stammt von Thomas Slany, 2wheelpromotion.com

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