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Dekra: Verkehrssicherheitsreport Motorrad 2010

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Europaweit sind weitere Anstrengungen notwendig

Auf den ersten Blick spiegeln die Unfallstatistiken von Motorrädern in einigen Ländern der EU eine durchaus positive Entwicklung wider. Hier gehen die Zahlen der tödlich verunglückten Motorradfahrer seit Jahren nach unten – so zum Beispiel in Deutschland, den Niederlanden, Österreich oder im Vereinigten Königreich. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn in nahezu der Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten ist die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer seit 2001 gestiegen – unter anderem in Italien, Griechenland, Spanien, Finnland und Schweden.

Laut Care verringerte sich in Deutschland zwischen 2001 und 2008 die Zahl der getöteten Motorradfahrer von 964 auf 656 um rund 32 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der getöteten Benutzer von Pkw um etwas mehr als 41 Prozent von 4.023 auf 2.368.

In Frankreich präsentiert sich die Situation wie folgt: Während sich hier die Zahl der getöteten Pkw-Benutzer zwischen 2001 und 2008 von 5.283 um circa 58 Prozent auf 2.205 verringerte, ging die Zahl der getöteten Motorradfahrer im gleichen Zeitraum von 1.092 auf 817 „nur“ um rund 25 Prozent nach unten. Der Anteil der Motorradfahrer an allen 4.275 Verkehrstoten in Frankreich lag 2008 bei etwa 19 Prozent, 2001 (8.160 Verkehrstote insgesamt) bei 13,4 Prozent.

Ganz anders sieht es in Italien aus: Hier sank die Zahl der getöteten Pkw-Benutzer zwischen 2001 und 2008 um 45 Prozent von 3.847 auf 2.116, die Zahl der getöteten Motorradfahrer stieg dagegen um 28 Prozent von 848 auf 1.086. Das entspricht bei insgesamt 4.731 Verkehrstoten einem Anteil von 23 Prozent. Deutliche Zunahmen bei den getöteten Motorradfahrern gab es seit dem Jahr 2001 unter anderem auch in Rumänien, Spanien und Griechenland, wenngleich 2008 in den beiden zuletzt genannten Ländern wieder leicht rückläufige Zahlen zu beobachten sind.

Schutzkleidung, Helm, Protektoren und Airbag

Großes Potenzial zur europaweiten Senkung der Zahlen verletzter und getöteter Motorradfahrer bietet die Erhöhung der passiven und aktiven Fahrzeugsicherheit. Das Tragen von reiß- und abriebfester sowie gut sichtbarer Schutzkleidung und Protektoren ist ebenso ein Muss wie ein Schutzhelm, bei dessen Wahl unbedingt darauf zu achten ist, dass er die aktuelle ECE-Norm R 22-05 erfüllt. Integralhelmen ist grundsätzlich der Vorzug vor Halbschalen- oder Jethelmen zu geben, da Erstere insbesondere im Kinn- und Gesichtsbereich klare Schutzvorteile aufweisen. Wichtig ist selbstverständlich auch, dass der Helm gut sitzt und der Kinnriemen geschlossen ist.

Wie die wissenschaftliche Unfallanalyse zeigt, tragen Motorradfahrer immer wieder durch Aufpralle auf den Thoraxbereich schwere Verletzungen davon. Im Rahmen des EU-Projekts Aprosys (Advanced PROtection SYStems), wurde deshalb eine Studie zur Entwicklung eines geeigneten Schutzes für eben diese Körperregion durchgeführt. Mehrere Simulationen zur Leistungsfähigkeit des sogenannten Thorax-Protektors ergaben, dass er für eine bessere Verteilung der Kräfte beim Anprall sorgt und auf diese Weise die gefährlichen, nach innen gerichteten Rippenfrakturen vermeidet.

Ein weiteres vielversprechendes Schutzelement bei einem Unfall ist der Motorrad-Airbag. In zahlreichen Crashtests konnte nachgewiesen werden, dass der Airbag speziell bei Kollisionen mit einem Pkw als häufigstem Unfallgegner seine Wirksamkeit entfaltet. Insbesondere bei Kopfanprallen an der seitlichen Dachkante eines Pkw sind die Verletzungshäufigkeiten an Kopf, Hals und Thorax des Motorradfahrers besonders hoch. Der Airbag trägt dazu bei, den Kopfanprall erheblich abzumildern oder sogar vollständig zu vermeiden. Gleichzeitig kann er die Verletzungsrisiken verringern, die sich beim Anprall des Motorradfahrers am Tank seines Fahrzeugs oder durch Hängenbleiben am Lenker ergeben.

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