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Dekra: Verkehrssicherheitsreport Motorrad 2010

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Weniger Unfälle durch ABS und weitere Systeme der aktiven Sicherheit

In Zukunft werden zweifelsohne auch die Systeme der aktiven Sicherheit noch mehr in den Blickpunkt rücken. Denn im Vergleich zu einem Pkw sind bei Motorrädern weniger Möglichkeiten zur Realisierung von Elementen der passiven Sicherheit vorhanden. Der Nutzen der aktiven Sicherheit ist daher für den Motorradfahrer in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug einzuschätzen. Dies gilt insbesondere für das Anti-Blockier-System (ABS), das von den Herstellern immer häufiger angeboten wird.

Tatsache ist: Durch ABS lassen sich viele Unfälle vermeiden oder die Schwere des Aufpralls verringern. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem eine Simulationsstudie der Dekra-Unfallforschung, in der nachgewiesen werden konnte, dass bei einer Ausstattung der Motorräder mit ABS 25 bis 35 Prozent der ausgewerteten schweren Unfälle vermeidbar gewesen wären. Würde man das ABS zusätzlich mit einer Integralbremse und einem aktuell noch in der Entwicklung befindlichen technischen Bremsassistenten kombinieren, könnten sich sogar fast doppelt so viele Unfälle (50 bis 60 Prozent) vermeiden lassen, da solche Systeme in Gefahrensituationen noch weit schneller ansprechen als herkömmliche Bremsanlagen.

Um die Sicherheitsvorteile in Notsituationen voll ausnutzen zu können, muss der jeweilige Fahrer das Bremsen mit ABS freilich auch beherrschen. Umso wichtiger ist daher die regelmäßige Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings, deren Methodik im Training der richtigen Bewegungsabläufe wie auch im „Erfahren“ der von der Fahrphysik gesetzten Grenzen besteht. Solche Trainings sind vor allem zu Beginn einer Motorradsaison sowie für Wiedereinsteiger oder ältere „Neueinsteiger“ sinnvoll.

Dass das Thema aktive Sicherheit noch große Potenziale zur Reduzierung der Unfallzahlen aufweist, zeigt sich zunehmend auch darin, dass die Motorradhersteller und wissenschaftlichen Institutionen intensiv an weiteren Systemen arbeiten – Querverkehrsassistent, Ampelphasenassistent, Hinderniswarnung oder Vernetzung der Fahrzeuge zu einem kooperativen Verkehrssystem mit Hilfe der drahtlosen Fahrzeugkommunikation, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen.

Straßeninfrastruktur verbessern

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Motorradfahrer stellen die Schutzplanken am Straßenrand dar. Diese bieten zwar größtmöglichen Schutz für Fahrer von Pkw und Nutzfahrzeugen, der verbleibende offene Abstand zum Boden birgt jedoch für Motorradfahrer große Risiken. Denn wird ein Motorradfahrer zum Beispiel aus der Kurve getrieben und stürzt, so besteht die Gefahr, dass er unter der Schutzplanke durchrutscht beziehungsweise gegen einen der Stützpfosten prallt.

Als effiziente Schutzeinrichtung hat sich dabei das in Folge eines Projekts der BASt und der Dekra-Unfallforschung entwickelte System EuskirchenPlus erwiesen. Diese Schutzplanken mit Unterzug zeichnen sich für den anprallenden Motorradfahrer durch eine verbesserte Schutzwirkung sowohl beim aufrecht fahrenden als auch beim auf der Seite rutschenden Motorrad aus. Eine weitere Gefahr für Motorradfahrer sind Bitumenflickstellen auf den Straßen. Bitumen hat nur etwa ein Drittel des Haftreibwertes der normalen Asphaltoberfläche. Durch Nässe oder Temperaturen über 23 Grad Celsius sinken diese Werte noch weiter, da die Flickstellen weich werden. Darunter leidet die Griffigkeit sowohl bei der Geradeausfahrt als auch in Schräglage. Bitumenvergussmasse sollte daher bei Straßenausbesserungsarbeiten nach Möglichkeit vermieden werden. Dies gilt insbesondere für einen großflächigen Einsatz dieses Verfahrens.

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