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Delhi – das Vespa-Ashram

In Indien werden derzeit rund eine Million Zweiräder verkauft – pro Monat. Eine Reisereportage des Chefs von SIP Scootershop.

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Beispielloser Scooterboom in Indien.
Beispielloser Scooterboom in Indien.
( Ralf Jodl/SIP Scootershop )

Der Sip-Scootershop-Chef kommt viel herum in der Welt. Um an den Themen der Szene dranzubleiben, taucht er zumeist in selbige ab. So wie jüngst wieder. Ein Trip in die indische Hauptstadt Delhi sollte Ralf Jodl wieder auf den neuesten Stand bringen. Was er dort vorfand, schildert er uns in einer informativen und einfühlsamen Reportage:

„Wenn man in Delhi aus dem Flugzeug steigt, fällt er einem sofort auf: der allgegenwärtige Smog. Und der infernalische Verkehrslärm, der einem mit voller Wucht entgegenschlägt. In Indien bewirbt sich offenbar jeder Verkehrsteilnehmer um den Titel „Kavalier der Straße“: Jeder hupt, was er kann, um allen anderen von seiner eigenen Existenz Kunde zu tun. Es trötet, quietscht und flötet, denn auf dem Heck der Busse und Autorikschas steht in großen, bunten Buchstaben: „Bitte hupen!“ Viele Autofahrer klappen ihre Rückspiegel deswegen ein, man hört ja, wenn jemand trötend von hinten kommt...

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Indien ist neben China wohl der größte Markt weltweit für motorisierte Zweiräder. Über eine Milliarde Menschen leben auf dem Subkontinent und die Mehrzahl der Bewohner ist immer noch einzig und alleine mit dem Fahrrad mobil. Fahrräder, die bei uns bereits als Oldtimer Interessenten finden dürften, sind hier über und über beladen mit Personen und Waren und sind allgegenwärtig. Aber die indische Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt sich atemberaubend und es drängt eine immer größer werdende soziale Schicht nach oben, die sich zwar noch kein Auto, aber einen Roller oder ein Moped leisten kann. Die Statistik dazu ist atemberaubend: Jeden Monat werden 1 Million Scooter und Mopeds in Indien verkauft! Indien hat heute die zweitgrößte Zweiradproduktion weltweit.

Lange indische Zweiradtradition

Bereits in den 50er Jahren startete Automobile Products of India (API) mit der Herstellung von Scootern, Enfield stellte Motorräder her. 1948 begann Bajaj mit dem Import von Vespas und Apes. 1960 errichtete Bajaj ein Werk, um in Zusammenarbeit mit Piaggio Roller herzustellen. Dieses Joint Venture endete 1971.

API stellte in Lizenz auch ab den 50er Jahren Lambretta Motorroller her. Das ging bis 1972, als Ferdinando Innocenti in Mailand Insolvenz anmelden musste. Der indische Staat kaufte den ganzen Betrieb durch die „Scooter India Ltd“ (SIL) auf und baute die Modelle für den indischen Markt weiter. Mittlerweile ist diese Produktion aber ausgelaufen, SIL produziert nur noch Vikram-3-Räder und versucht sich mit einer Art modernen Lambretta, ohne rechte Aussichten auf Erfolg. Übriggeblieben auf dem „klassischen Scootermarkt“ ist heute nur noch LML, die in den 90er Jahren eine Vespa-PX-Produktionslinie in Pontedera von Piaggio kauften und nun recht erfolgreich ihre, außer dem Motor weitgehend Vespa-baugleiche, „Star“ in Indien aber auch in Europa vermarkten. Letztlich war es wohl der überzeugende Erfolg der LML Star, der Piaggio zu einer Neuauflage der Vespa PX bewog. Aktuell stellt LML eine neue „Vespa PK“ vor, die ab 2012 verfügbar sein wird.

Die großen Stückzahlen, was die Produktion betrifft, kommen jedoch auch in Indien von modernen Automatik Rollern. Honda ist hier der Marktführer mit seinem Modell „Pleasure“ - wobei eher der Preis als die Optik bei diesem Vehikel Vergnügen bereitet. Beeindruckende 30.000 Stück gehen von diesem eigenwilligen Modell übern Ladentisch – jeden Monat! Piaggio Italien will auch wieder auf dem indischen Markt Fuß fassen, mit der LX 125 – voraussichtlich ab 2013.

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