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Der Alte Griesgram contra „Diktatur der Vernunft“

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 15/I), Episode 769: In meinem letzten Speedlog hatte ich das aufrüttelnde Feature meines Kollegen Jan Rosenow zum Thema „Motorradfahren in Zeiten von Corona“...

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group )

verewigt. Das Feedback zu seinem Bericht mit dem Titel „Diktatur der Vernunft“ rief ein geteiltes Echo in der Zweiradbranche aus. Alle, die den Text von Jan Rosenow noch nicht gelesen haben, sollten dies hier nochmal tun, bevor sie weiter schmökern.

Der von mir sehr geschätzte Motorradblogger „Der Alte Griesgram“ wirft immer seinen sehr facettenreichen Blick auf die Motorradszene. Ich kann den Besuch seiner Homepage Griesgram999 mit dem Untertitel „Der Blog eines Hinsetz-Tragödianten mit Gasgriff“ nur jedem Motorradinteressierten wärmstens empfehlen. Wir drucken hier mit seiner Erlaubnis dessen Erwiderung auf Jan Rosenows Thesen in voller Länge ab:

„Kurze Zusammenfasung in meinen Worten: Jan Rosenow befürchet, dass das aktuelle Verbot von Spazierfahrten mit dem Mopped (zumindest in Bayern ist es explizit so) dazu führen kann, dass es in Zukunft weitere Mopped-Fahrverbote geben wird. Denn, wenn nicht gefahren wird, gehen die Unfallzahlen zurück. Und weil die Unfallzahlen an vielen Verwaltungs- und Populist-Ecken als Verbotsargument genutzt werden, könnte es passieren, dass wir mit dem Ende der Corona-Verbote, den Anfang der Mopped-Verbote erleben. Es sollte nicht soweit kommen. Meine Meinung.

So sinnvoll, wie mir als Laie ein Kontakt-Verbot zu sein scheint, um die Ansteckungsgefahr mit Sars-Cov2 zu verringern, so falsch ist in meinen Augen eine Ausgangsbeschränkung für mündige und vernünftig handelnde Bürger.

Ja, es handeln nicht alle Bürger vernünftig, aber die Dummen dürfen nicht der Maßstab sein.

Ja, einige Bürger werden Schlupflöcher im Wortlaut der Gesetze finden und diese ausnutzen, aber das hat bei Cum Ex viele Jahre lang auch keinen Politiker gestört. Warum darf ich nicht alleine draußen sein und Mopped fahren? Ich weiß, der meist gebrachte Einwand ist: Wenn dann ein Unfall passiert, blockierst Du einen Platz im Krankenhaus und sorgst für zusätzliche Arbeit. Ich möchte hier Jan Rosenow zitieren, weil er es so schön formuliert hat: „Mein oberstes Ziel als Motorradfahrer ist es doch, so unterwegs zu sein, dass die Fahrt nicht in der Notaufnahme endet.“

Die Isle of Man geht das Problem mit einem allgemeinen Tempolimit von 40 m.p.h. (64 km/h) auf der Insel an, statt mit einem Spazierenfahr-Verbot.

Das ist immerhin ein bisschen besser, auch wenn ich nicht davon überzeugt bin, dass ein allgemeines Tempolimit den Straßenverkehr allgemein sicherer macht. Aber das ist eine andere Diskussion. (Falls hier dazu ein Kommentar kommt, werde ich mir eine Löschung vorbehalten, lasst uns beim Hauptthema bleiben)

In Bayern scheint zurzeit auch die Fahrt zum Wanderparkplatz verboten, selbst wenn man alleine wandern gehen möchte. Wem hilft das? In Bayern ist es so, dass wir die Wohnung nur aus definierten Ausnahmegründen verlassen dürfen. Aber passieren die meisten Unfälle nicht gerade im Haushalt, also in der Wohnung? Nehmen diese Unfälle keine Plätze im Krankenhaus weg?

Und da fällt mir noch ein Beobachtung ein, die ich in den letzten Tagen gemacht habe. Seit der Ausgangsbeschränkung sind die Zigaretten-Regale an der Kasse meines Stamm-Supermarktes nicht mehr mit einem Rollgitter verschlossen, sondern ständig offen. Ist das in anderen Supermärkten jetzt auch so? Und wo wir gerade beim Thema rauchen sind: Wieso ist das nicht verboten worden, wo es doch nun wirklich auf die Lungen geht? Auf das Organ, dass der Virus vornehmlich angreift?

Ist die Freiheit der Raucher mehr wert, als die Freiheit der Moppedfahrer oder die der Wanderer, die nicht zu Fuß in den Wald können? (Nein, ich möchte das Rauchen nicht verbieten, mir ist nur aufgefallen, dass es nicht verboten wurde. Kommentare zum Rauchverbot will ich hier auch nicht sehen.)

Seid wachsam. Und lasst uns immer daran denken, dass einmal eingeschränkte Freiheiten, fast nie wieder frei gelassen werden. Jeder Staat ist immer viel schneller darin, Rechte einzuschränken als Freiheiten zu gewähren. Das werden wir recht schnell feststellen, wenn das Vermummungsverbot wieder gegen die Schutzmasken durchgesetzt wird.

Lasst das Jahr 2020 nicht als das in unsere Geschichte eingehen, in dem Sars-Cov2 unseren Politikern den Vorwand gab, viele unsere Rechte dauerhaft zu beschränken.

Lasst 2020 das Jahr sein, in dem wir auf einmal feststellten, dass vieles doch möglich ist: Homeoffice, Video-Konferenzen, eine Verschiebung der Systemrelevanz weg von pervers überbezahlten Bankvorständen, hin zu pervers überarbeiteten Pflegekräften.“

Wie ist Ihre Meinung zur kontroversen Debatte? Freue mich wie immer auf Ihre Zusendungen.

PS. Nun wünsche ich Ihnen allen ein friedliches und gesegnetes Osterfest, bleiben Sie gesund, fahren Sie, wo Sie können, dürfen und mögen, gerne auch eine gemütliche Runde im Sattel eines Motorrads. Das Wetter soll es definitiv ja hergeben.

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