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Der Bike-Wächter: Wenn das Motorrad SOS funkt

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Am 6. Juni wurde das weltweit erste E-Call-System mit integriertem Diebstahlschutz für Motorräder vorgestellt. Für den Vertrieb des Systems namens dguard sucht der Zittauer Automotive-Spezialist Digades interessierte Händlerpartner.

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Lutz Berger, CEO und Gesellschafter der Firma Digades, revoltioniert den Motorradmarkt.
Lutz Berger, CEO und Gesellschafter der Firma Digades, revoltioniert den Motorradmarkt.
(Bild: Digades)

Der renommierte sächsische Automotive-Zulieferbetrieb Digades stellte am Montag das weltweit erste E-Call- System für Motorräder vor. Das automatische Notrufsystem namens „dguard“ eignet sich für alle gängigen Motorradmarken sowie -typen und kann einfach und unkompliziert nachgerüstet werden. Anders als bei Pkw, bei denen ein E-Call-System für Neufahrzeuge ab 2018 als Serienausstattung vorgeschrieben ist, gibt es für Motorräder noch keine gesetzliche Ausrüstungspflicht.

dguard - SOS für Motorräder

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Sinnvoller ist ein automatisches Notrufsystem bei ihnen allemal als bei den vierrädrigen Kollegen. Motorradfahrer suchen nämlich zum lustvollen Gasgeben vor allem verkehrsarme Gebiete auf, gelten kurvenreich geschwungene Landstraßen in dünn besiedelten Gebieten jenseits allen Verkehrs doch als Mekka für Biker. Aber gerade dort zieht oftmals ein Unfall besonders schwerwiegende Folgen nach sich.

Denn im Fall der Fälle kann schnelle Hilfe das Leben retten. Wer allein auf weiter Flur stürzt und nicht mehr in der Lage ist, die rettenden Helfer anzurufen, ist darauf angewiesen, dass ihn ein anderer, zufällig vorbeikommender Verkehrsteilnehmer findet. Selbst wer in der Gruppe unterwegs ist, verschenkt oft wertvolle Zeit, nur weil der exakte Unfallort der Rettungsleitstelle nicht genannt werden kann. Wie hieß der letzte Weiler gleich nochmal? „Wir sind irgendwo zwischen Stangenbach und Neulautern... keine Ahnung, ob das die K2098 ist!“, so die verzweifelte Stimme am Telefon.

Das neue E-Call-System dguard hilft in diesen Fällen zuverlässig. Es erkennt dank ausgeklügelter Sensorik zuverlässig einen Unfall und setzt innerhalb von wenigen Sekunden automatisch einen Notruf an die Rettungsleitstelle ab. Diese hört dann eine gesprochene Nachricht in der jeweiligen Landessprache mit den exakten GPS-Koordinaten des Unfalls. Ist mit dem dguard ein Bluetooth-Headset verbunden und ist der gestürzte Motorradfahrer noch in der Lage zu sprechen, kann die Rettungsleitstelle auch direkt mit ihm Kontakt aufnehmen.

Kommt der Motorradfahrer mit seinem verbauten Guard zu einer Unfallstelle hinzu, dann kann er die Rettungskräfte schnell und unkompliziert manuell rufen. In diesem Fall drückt er für drei Sekunden auf den roten, eindeutig gekennzeichneten SOS-Knopf, der gut sichtbar am Lenker angebracht ist. Ein fälschlicherweise abgesetzter Notruf kann innerhalb von 15 Sekunden wieder gestoppt werden.

Damit die Notruffunktion überall zuverlässig funktioniert, greift das System auf das GSM-Mobilfunknetz zurück, das nahezu überall verfügbar ist. Standardmäßig funkt das System in Deutschland im Netz des Technologiepartners Telekom, sollte dies jedoch nicht verfügbar sein, sendet es auch in allen anderen Mobilfunknetzen. Dadurch ist das Risiko, dass der Hilfesuchende sich in einem Funkloch befindet und kein Anruf glückt, fast ausgeschlossen.

Das System der Zittauer Technologieschmiede funktioniert in ganz Europa, außer in den Niederlanden. Das komplette System lässt sich über eine App für Smartphone oder Tablet einfach konfigurieren und bedienen. Damit es zuverlässig zwischen einem Unfall und der extremen Dynamik eines flott bewegten Motorrads unterscheiden kann, waren eine umfangreiche Erprobungsphase und aufwändige Tests unerlässlich.

Über 30.000 km spulte das Testteam auf Straßen in Deutschland, Österreich, Spanien, USA und Südafrika ab. Selbst unter extremsten Bedingungen muss die Eigenentwicklung funktionieren – so der Anspruch des sächsischen Herstellers. Deshalb wurde für die Erprobung Enduro-Pilot Paul Roßbach engagiert und seine Trainingsmaschinen mit einem dguard ausgestattet. Der junge Fahrer, trainierte für seine DM- und EM-Läufe mit der Maßgabe,Extremsituationen für das System zu provozieren, die auf öffentlicher Straße nicht möglich oder zu gefährlich gewesen wären. Dadurch konnten wichtige Daten für die Unfallerkennung gesammelt werden. Die Prüforganisation Dekra attestierte im Frühjahr durch mehrere Crash-Szenarien die einwandfreie Funktionalität.

Zusätzlich bietet dguard eine Diebstahlwarnfunktion. Bewegt jemand das Motorrad, informiert die dazugehörige App zuverlässig mittels eines stillen Alarms. So kann der Besitzer sorgenfrei im Straßencafé sitzen und seinen Cappuccino genießen – das Bike ist bewacht. Und das, ohne dabei die Batterie leer zu saugen: Der Energieverbrauch befindet sich im Vergleich zu herkömmlichen Alarmanlagen am untersten Ende der Skala (kleiner 100 μA). Fällt die Batterie in Folge eines Unfalls aus oder wird beim Versuch eines Diebstahls abgeklemmt, liefert eine Notrufzelle im System acht Minuten die erforderliche Betriebsspannung. Ist der Dieb schon enteilt, können ihn Besitzer und Polizei dank der GPS-Trackingfunktion in der App einfach lokalisieren.

Vorteil für den Handel

Der Bike-Wächter ist ab sofort für 479 Euro im Fachhandel oder im Webshop erhältlich. Für den Händlervertrieb zuständig sind Thomas Wiese und Christin Fonfara. Gerne geben die beiden Experten Auskunft über die attraktiven Handelsmargen und die zahlreichen Werbeunterstützungspakete und -materialien wie Roll-ups, Flyer und Broschüren für den Point of Sale. Die Firma wird auch auf der diesjährigen Fachtagung »bike und business« ausstellen und das System Händlern näher bringen.

Es besteht aus einem Modul, einem Sensor, einem Taster sowie der App für die Konfiguration des Systems. Das System wurde vom sächsischen Elektronikspezialist digades entwickelt und wird im eigenen Fertigungszentrum produziert – alles „Made in Germany“. Eine OE-gerechte Entwicklung, ermöglicht zudem den Motorradherstellern das System in Erstausrüsterqualität in ihre Neufahrzeuge zu integrieren und ab Werk zu verkaufen. Eingebaut und kalibriert ist dguard vom Händler in weniger als zwanzig Minuten. Wie einfach und schnell die Montage funktioniert, zeigt folgender Film.

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