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Der digitalisierte Fahrzeugvertrieb – Fluch oder Segen?

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 9/I), Folge 757: Wird der Einstieg in den digitalen Fahrzeugvertrieb die Existenz von stationären Händlern obsolet machen? Diese Frage...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...geistert schon seit geraumer Zeit in den Köpfen vieler Auto- und Motorradhändler herum. Hintergrund ist die branchenübergreifende vertikale Gruppenfreistellungsverordnung (GVO), die im Mai 2022 ausläuft. Fallen die von der Europäischen Union sanktionierten Wettbewerbsbeschränkungen wird es künftig kein zwischen Händlern und Herstellern ausgehandeltes Vertragshändlersystem, keine Markenexklusivität und keine Tabus beim Online-Direktvertrieb mehr geben. Die fortschreitende Digitalisierung leistet diesem Thema bereits heute mächtig Vorschub – und Meldungen wie die der Luxusautomarke Porsche, die bereits im Herbst vergangenen Jahres angetreten ist, ihren Fahrzeugvertrieb im deutschen Markt konsequent digitaler zu machen.

Was läuft da gerade ab? Porsche hat gemeinsam mit 88 seiner deutschen Zentren einen eigenen digitalen Vertriebskanal für sofort-verfügbare Neu- und Gebrauchtfahrzeuge eröffnet. Der Sportwagenhersteller will diesen zu einem Marktplatz von Porsche-Produkten und -Services ausbauen. Kunden können dort die wesentlichen Schritte zum Kauf oder Leasing eines Fahrzeugs online erledigen, unabhängig von Zeit und Ort. Lediglich die Legitimation des Kunden und der finale Vertragsabschluss sollen zunächst weiterhin im Porsche-Zentrum erfolgen.

In das Produktsortiment gelangen die Kunden über die Porsche-Homepage und die Kategorie „Online kaufen“. Sie haben dort die Möglichkeit, ihr Wunschfahrzeug zu reservieren und zwischen Barkauf und Leasing zu wählen. An dieser Stelle können sie auch direkt eine unverbindliche Leasinganfrage an die Porsche Financial Services senden. Sofern die Käufer gebrauchte Fahrzeuge in Zahlung geben möchten, können sie online erste Angaben hierzu übermitteln. Der Bezahlprozess wird von einer flexiblen End-to-End-Lösung unterstützt, die für ein nahtloses und komfortables Kundenerlebnis sorgt und sensible Daten absichert. Porsche-Kunden können für die Fahrzeugreservierung die bereits bestehenden und mit der Porsche-ID verbundenen Zahlmethoden nutzen.

Indem der Kunde die wesentlichen Schritte eines Fahrzeugkaufs online erledigen kann, soll sich auch der finale Vertragsabschluss beim Händler deutlich einfacher und schneller gestalten. Zum Start des digitalen Vertriebskanals sind bereits mehr als 4.000 sofort verfügbare Neu- und Gebrauchtfahrzeuge der deutschen Porsche Zentren online bestellbar. Das Angebot wurden in den letzten Monaten ausgebaut. Nach dem Start in Deutschland begann im Jahr 2020 der europaweite Rollout. Soweit die Meldung des Zuffenhausenr Autobauers.

Blick in die Zukunft

Macht Ihnen diese Entwicklung Angst? Wie weit sind die (digitalen) Direktvertriebspläne Ihres Motorradherstellers gediehen? Fürchten Sie den Verlust der Basis Ihres Kerngeschäft? Sehen Sie im digitalen Vertrieb, zumindest wenn der Handelspartner nicht gänzlich umgangen wird, vielleicht sogar ein tragfähiges Zukunftskonzept? Oder glauben Sie, dass die Handelsstufe in Sachen Vertrieb gar komplett abgeschafft wird? Haben Sie schon Pläne in der Schublade, was Sie unternehmen wollen, wenn das Thema Neufahrzeuggeschäft zunehmend an Ihnen vorbei abgewickelt wird? Werden Sie sich nur noch auf das Service- und Werkstattgeschäft fokussieren? Reicht das zum Überleben? Wie immer interessiert mich Ihre Meinung sehr: Digitaler Fahrzeugvertrieb – Fluch oder Segen? Lassen Sie uns das mutig im Speedlog diskutieren.

(ID:46377959)

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