Der ganz alljährliche Frühjahrsbikerwahnsinn

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 14/2016/II). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Würzburg, den 8. April 2016 – Liebe Motorradfahrer, bitte aufpassen! hieß der Einstieg in das Editorial vom vergangenen Dienstag. Es ging um das erste Bike-Wochenende mit erhöhter Unfallbilanz, den fatalen Folgen und der „politisch inkorrekte“ Umgang der Medien mit diesem Hype-Thema. Die Reaktionen aus der geneigten Leserschaft ließen nicht lange auf sich warten.

Unser emsiger Kommentator Jens Vater von Vater Motorrad schrieb mir folgende - wie immer nachdenkenswerte - Dinge: „Hallöchen, ja die liebe Presse. Jetzt rasen Sie wieder! Das lese ich all zu oft und könnte auf gut schwäbisch ,grad kotze'. Ich habe am Sonntag für mich die private Motorradfahrsaison mit der Suzuki RG 500 eingeleitet und musste feststellen, dass die Straßen nach dem Winter sehr verdreckt, staubig und kaputt sind. Da muss man eben bei und während der ersten Ausfahrt mal das Gehirn einschalten und nicht einfach drauf losfahren. Ich bin entsetzt, wie viele Biker mit halbplatten und abgefahrenen Reifen am Glemseck erschienen sind!?

Kleines Wunder, dass nicht mehr passiert

Dass da so wenig passiert, ist ja schon ein Wunder. Die Reifen sind aber nicht seit dem 1. April abgefahren. Dazu kommt dann noch die Tatsache, dass die Bauern alle 500 Meter die Fahrbahn einsauen, ohne diese wieder zu reinigen oder per Warndreieck auf die Gefahr hinzuweisen!

Das steht aber nicht in der Zeitung. Ja, er raste sich zu Tode, liest sich dramatisch – dank der Schlampigkeit eines Landwirtes, der die Straße nach getaner Arbeit nicht reinigte. Ein Motorradfahrer stürzte auf verschmutzter Fahrbahn bei 50 km/h in Schräglage und kam dabei Tode.

Klar ist auch, dass nun bei jedem nur halbwegs infizierten Biker das Adrenalin auf 200 steht und man wieder rauf auf den Bock möchte. Dieses von jetzt auf nachher wieder auf dem Motorrad sitzen, obwohl der Fahrer gerade drei bis sechs Monate pausiert hat. Das sorgt oftmals für ein schlecht eingestelltes Visier und Fahrvermögen. Dass sich da der eine oder andere, der den Kopf nicht zum Denken sondern nur als Regenschild nutzt, dann den Schädel anhaut, ist auch klar, aber nichts neues.

Mein guter Freund, 52 Jahre alt, passionierter Biker, ist am Dienstag letzter Woche beim Abbiegen aus dem Stand auf rutschiger Fahrbahn per Highsider gestürzt und hat sich einen offenen Beinbruch zugezogen. Von gerast kann da keine Rede sein! Aber jeder, der ihn kennt und nicht dabei war, sagt, dass es ja bei seiner Fahrweise klar war, dass er irgendwann mal abfliegen musste.

Komisch finde ich bei dieser ganzen Biker/Raser-Thematik, dass da so einseitig auf uns losgegangen wird. Von den hunderten Skifahrern, die über den Winter in den Krankenhäusern der Alpenländer zu Gast sind, nimmt keiner Notiz! Nun schlittern sie sich wieder zu Tode, habe ich in noch keiner Zeitung gelesen. Gefahr droht uns überall, auch bei der Arbeit. Wie viele tödliche Arbeitsunfälle haben wir europaweit? Kündige ich nun meine Arbeit, weil es zu gefährlich ist? Nein, natürlich nicht.

Mein Tipp: Kopf einschalten, die Technik vor der ersten Fahrt prüfen oder prüfen lassen, dann klappt es auch sturzfrei in und durch die Saison.“

In Turnschuhen und Wollpulli über die Piste

Matthias Schlich von Opel Lammel war am Sonntag letzter Woche auch auf Motorradtour unterwegs, zusammen mit seiner Frau im Raum Essen, Velbert und Wuppertal. Was er da erlebt hat? „Das grenzt schon an Wahnsinn - da fahren Biker mit ihren 150 PS + Maschinen mit Jeanshose, Turnschuhen und Wollpulli durch die Gegend, wheelen auf der Landstraße wie die Bescheuerten und überholen Autos in absolut grenzwertigen Situationen. Da muss man sich nicht wundern, dass es zu Unfällen kommt, die dann zumeist auch tragisch ausgehen. Dass der gemeine Motorradfahrer nicht immer die Schuld an einem Unfall trägt, ist sicherlich richtig. Wenn ich als Motorradfahrer aber solche Aktionen sehe, wundert mich nichts mehr.

Alle Heizer und Poser, die sich in der Motorradszene bewegen, sollten sich so langsam mal entspannen. Ich selbst fahre auch gerne zügig, aber nur dort, wo es auch gefahrlos möglich ist. Leider werden durch die negativ auffälligen Biker immer wieder alle Motorradfahrer über einen Kamm geschoren. Der Großteil der Biker will aber einfach nur Fahren und Spaß haben. Wir halten uns zurück und halten uns auch an die Regeln. Ich selbst bin zu allen Verkehrsteilnehmern stets freundlich und verhalte mich defensiv.

Also lieber Heizer, kommt wieder herunter und fahrt wie im Newsletter vorgeschlagen, einfach auf der Rennstrecke eure wilden und mitunter bekloppten Rennen...“

Kultmoped von Suzuki

Danke für das prägnante Feedback. Gratulation an Jens Vater, unterwegs mit einer Suzuki Gamma RG 500. Was für ein Kultmoped, das Ende der siebziger Jahre und in den achtzigern unser Straßenbild zierte. Die RG 500 ist bis heute laut Online-Enzyklopädie Wikipedia das einzige Zweitakt-Serienfahrzeug, dessen Antrieb direkt von einem Grand-Prix-Motor abstammt. Toll!

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Die RG 500 wäre sicherlich auch ein perfektes Retro-Teil, um auf der »bike und business«-Motorradtour zu glänzen. Die findet dieses Jahr bereits zum elften Mal statt und entführt uns vom 21. bis 24 Juli ins Saarland und das schöne Luxemburg. Wie immer gibt es auf unserer Ausfahrt Business-Input und Support unserer Sponsoren Santander Consumer Bank, KÜS, CarGarantie Bike und Magura. Zu den Tourförderern zählen Stadler und Rukka (Bekleidung) sowie BMW Motorrad, Royal Enfield, BRP Germany/Can-Am Spyder und Parts Europe. Basiscamp für die Motorradtour 2016 ist das Hochwälder Wohlfühlhotel am See in Losheim mit atemberaubendem Ausblick und Wellnessoase. Reservieren Sie sich jetzt unter Ihren persönlichen Platz im siebten Businessbiker-Himmel sichern.

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