Der Gelbwestenmoment der Zweiradbranche

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Das ist der Gelbwestenmoment für die Zweiradbranche!
Das ist der Gelbwestenmoment für die Zweiradbranche! (Bild: Stephan Maderner/»bike und business«)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 51/I), Folge 743: Am kommenden Freitag, den 20. Dezember steht der Bundesrat vor der folgenschweren Entscheidung, die Führerscheinrefom A1 in B und damit einem liberaleren Zugang zur 125er Klasse für langjährige verkehrserfahrene Pkw-Fahrer zuzulassen oder abzulehnen. Eine Praxis...

...die bekanntermaßen in fast allen EU-Ländern seit vielen Jahren angewendet wird, sehr zum Segen der Mobilität auf dem Land, aber auch in den verstopften urbanen Zentren. Der IVM schreibt aktuell dazu in seinem Online-Dienst „Performance“ unter der Überschrift „Schwere Entscheidung zu A1 in B“: „Die deutsche Motorradbranche schließt ein erfolgreiches Jahr ab. Auch der Reformplan des Bundesverkehrsministers, Besitzern des Autoführerscheins Klasse B nach Ausbildung das Führen von Leichtkrafträdern der Führerscheinklasse A1 zu erlauben, steht in diesem Jahr eindeutig auf der Positivliste. Umso überraschter waren wir, als am 4. Dezember die ablehnende Empfehlung des Verkehrsausschusses des Bundesrates dazu bekannt wurde. Demnach empfiehlt das 18-köpfige Gremium dem Bundesrat, die geplante Neuerung im Rahmen der 14. Verordnung zur Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung nicht anzunehmen. Dabei repräsentiert die Führerscheinklasse A1 leichte Motorroller und Motorräder mit 125 Kubikzentimeter und maximal 15 PS. Und schließlich ist die Fahrzeugklasse A1 seit 1996 völlig frei nutzbar für alle, die ihren Autoführerschein vor dem 1. April 1980 absolviert haben. Kurzum, es handelt sich um angenehm leichte Motorräder und – Roller, die ressourcenschonend, spritsparend und umweltschonend sind. Leichtkrafträder bieten sich geradezu an, den Mobilitätswandel hin zu möglichst klimaneutralem Verkehr mitzugestalten. Bestens geeignet sind sie auch für die notwendige individuelle Mobilität mit schmalem Geldbeutel. Genau aus diesen genannten Gründen möchte der Bundesverkehrsminister auch all´ denjenigen, die Ihren Autoführerschein nicht vor dem 1. April 1980 absolviert haben, den Weg zu dieser Fahrzeugklasse erleichtern. Nicht etwa nach dem Motto „jetzt darf jeder“, sondern mit recht strengen Auflagen wie 5-jähriger Führerscheinbesitz für Autos, Mindestalter 25 Jahre sowie 13,5 Stunden Fahrschulausbildung in Theorie und Praxis. Am 20. Dezember tagt der Bundesrat und entscheidet endgültig und hoffentlich im Sinne einer vernunftorientierten umweltgerechten Mobilität für die breite Bevölkerung.“ O-Ton IVM Ende.

Der Gelbwestenmoment der Zweiradbranche

Schön und gut diese Aufforderung des Industrie-Verbands Motorrad. Doch wird sie ausreichen, die „fachkundigen Politiker“ (Achtung, Ironie!) von diesem Reformkompromiss zu überzeugen, wenn der Verkehrsausschuss des Bundesrates das Werk komplett ablehnt und eine negative Empfehlung ausspricht? Entscheiden tun es jetzt die Vertreter der 16 Bundesländer; in einer parteipolitisch anderen Zusammensetzung als der Verkehrsausschuss.

Immerhin empfiehlt der Innenausschuss des Bundesrates der Reform zuzustimmen. Und als ob unser Flehen, zur sachlichen Vernunft zurückzukehren in letzter Sekunde doch noch erhört worden sei, hat der Bundesrat gestern Abend auf Twitter plötzlich eine Abstimmung initiiert. Dort steht zu lesen: „Soll der #Führerschein der Klasse B künftig zum Fahren mit einem #Leichtkraftrad bis 125 cm³ausreichen? Über diesen Vorschlag der #Bundesregierung stimmt der #Bundesrat am Freitag ab. Die Ausschüsse votieren unterschiedlich.“ Ist da doch eine gewisse Unsicherheit im Spiel, vielleicht doch besser auf die durchweg vernünftigen Stimmen des (Wahl)-Volkes zu hören?

Ich finde: Das ist der Gelbwestenmoment der Zweiradbranche! Liebe Facebook-Fans, die über einen Twitter-Account verfügen – bitte loggt euch auf dem Kurznachrichtendienst ein und argumentiert für die Reform „A1 in B“ auf der Twitter-Bundesratsseite. Hinterlasst einen Kommentar und nutzt diese letzte Chance, um der sinnvollen Liberalisierung der Zweiradmobilität doch noch den Weg zu ebnen, wie sie in fast allen EU-Ländern seit vielen Jahren praktiziert wird. Und denkt daran: Es geht nicht darum, völlig zweiradunbedarften Pkw-Fahrern auf die Bikes zu helfen. Bei den Interessenten handelt es sich ganz überwiegend um erfahrene Verkehrsteilnehmer, dies seit vielen Jahren mit 50-cm³-Zweirädern unfallfrei unterwegs sind und künftig mit etwas mehr Tempo sicherer im Verkehrsstrom mitschwimmen wollen.

Das Finale naht: Am Freitag stimmt der Bundesrat ab. Wir müssen der unsäglichen negativen Empfehlung des Verkehrsausschusses den Wind aus den Segeln nehmen. Sachverstand und Vernunft sollten siegen! Hier nochmal mein Erklärstück von vor einer Woche.

Keep on riding in a free world

Keep on riding in a free world

10.12.19 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 50/I), Folge 741: Der Nikolaus aus Berlin hatte im Verkehrsausschuss des Bundesrates am vergangenen Freitag wohl Knecht Ruprecht mit an seiner Seite – denn die 18-köpfige Expertenrunde hat den Reformentwurf A1 in B in Bausch und Bogen abgelehnt und der Chance für etwas mehr sinnvoller und nachhaltiger Zweiradmobilität.. lesen

Und wer es noch nicht getan hat: 7.480 Reformfans haben eine Online-Petition zum Thema unterschrieben. Jetzt aktiv werden ist oberste Bürgerpflicht. Einen (allerletzten) Versuch ist es allemal wert. Auch wenn wir scheitern sollten; fatal wäre, wenn man uns am Ende vorwerfen könnte, nicht alles unternommen zu haben, was uns im Rahmen unserer demokratischen Möglichkeiten zur Verfügung steht.

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