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Der Kampf gegen Corona

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 14/I), Episode 767: Mittlerweile habe ich mein Home Office technisch aufgerüstet und den kleinen Reporter-Bildschirm des Laptops eingetauscht mit zwei veritablen 24-Zoll-Großbildschirmen aus meinem Verlagsbüro, mit dem LAN-Kabel die Internet-Verbindung stabilisiert...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group )

..., noch dieses und jenes Stromkabel zum Laden von iPad und iPhone gelegt sowie die beiden externen Festplatten eingestöpselt – und so gleicht die eine Hälfte meines Wohnzimmertischs einer publizistischen Kommandobrücke. Genau das Richtige, um dem Corona-Virus den Kampf anzusagen. Captain Kirk an Bike-Brücke: mit mehrfacher Warpgeschwindigkeit voraus in den Weltraum! Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020. Dies sind die Abenteuer des (T)raumschiffs Entrepreneurs-Surprise, das mit seiner starken Fachmedienbesatzung unterwegs ist, um fremde Branchengalaxien zu erforschen, neues Bike-Leben und neue Motorradfahrer-Zivilisationen. Viele Lichtjahre vom realen irdischen Businessboden vergangener Zeiten entfernt dringt das vom »bike und business«-Spirit vorangetriebene Schiff in Galaxien vor, die noch nie ein Motorradhändler zuvor gesehen hat.

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Zurück auf den Boden der Businessrealität

Kleiner Ausflug in meine so geliebte Science-fiction-Literatur – Ende. Zurück in die Realität, die zweite Woche des Shutdowns. Corona bestimmt unser aller Leben. Die Wirtschaft auf dem Globus befindet sich (fast komplett) im Stillstand, um der Pandemie keine neue Nahrung zu geben. Neue geistige Nahrung brauchen wir dagegen mehr denn je. Um uns zu wappnen für die großen Herausforderungen der Zukunft, wenn die Politik wieder die Exit-Taste drückt.

Seit gestern steht Solo-Selbständigen, kleinen Unternehmen, Freiberuflern und Landwirten mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch die Corona-Pandemie die nachgebesserte Version der Corona-Soforthilfen des Bundes zur Verfügung. Zwar gehen wegen der vielen Antragssteller die Server der zuständigen Landesbehörden teilweise in die Knie und manche klagen über nach wie vor zu viel Bürokratie – aber Bund und Länder stellen hier in einer beispiellosen Aktion 50 Milliarden Euro zur Existenzsicherung von Selbständigen und kleinen Unternehmen zur Verfügung. Streiten kann man freilich darüber, wie weit man mit einmalig 9.000 oder max. 15.000 Euro in drei Monaten kommen soll, um zu überleben. Doch das ist die nächste Baustelle.

Gibt es einen Flaschenhals bei den Hausbanken?

Ein größeres Problem droht derzeit den Unternehmen, die sich gerade um staatliche KfW-und LfA-Kredite bemühen, weil ihnen die Liquidität auszugehen droht. Ein Wirtschaftsförderer einer keinen Gemeinde in Oberbayern berichtet hier aus seinem Alltag. Und möchte die Politik wachrütteln. Denn nicht alles, was sie in guter Absicht geplant hätten, komme auch tatsächlich bei denen an, für die sie es ersonnen hätten. Seiner Meinung nach kommen die staatlichen Hilfskredite nicht bei den Unternehmen an!

Der Grund dafür liege bei den Hausbanken, den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, die sich schwer tun, die Kredite zu bewilligen, weil das Ausfallrisiko durch die Bundesregierung und in dem Fall der Freistaat Bayern nur zu 80 bis 90 Prozent gegenüber den Banken und Sparkassen absicherten. Mindestens zehn Prozent des Risikos ginge auf die Kappe der Banken – und diese würden davor zurückschrecken und so werde es diese überlebenswichtigen Kredite nicht geben. Den Vorständen sei das Ausfallrisiko in der jetzigen Situation viel zu hoch. Es steht zu befürchten, so der Wirtschaftsberater, dass die Banker die Anträge für KfW- und LfA-Kredite notfalls zu Tode prüfen.

Bis zur Sendung „Anne Will“ am späten Sonntag Abend wurde dieses brisante Thema tatsächlich so gut wie verschwiegen in der Berichterstattung der Medien. Erst als ifo-Präsident Eberhard Fuest in der Talkshowrunde Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf diese 10-Prozent-Lücke ansprach, wurde die Öffentlichkeit auf die Brisanz dieses Themas aufmerksam. In der Schweiz funktioniere das besser, dort trage der Staat 100 Prozent des Ausfallrisikos. Laut Altmaier könne Vater Staat hierzulande aber wegen bestehenden EU-Rechts nur 90 maximal Prozent des Risikos tragen. Man bemühe sich, hier Lösungen zu finden.

Sparkassenpräsident schlägt Alarm

Ins selbe Horn stieß gestern Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis, Sprecher der 378 Sparkassen im Land, im Interview mit dem „Handelsblatt“: Viele Unternehmen, die in der Coronakrise am dringendsten Hilfe benötigten, könnten auf die Stützungsprogramme von Bund und Ländern nicht zugreifen. „Manchen Unternehmen wird man mit den bestehenden Förderprogrammen nicht helfen können.“ Die Zeitung weiter: Im Rahmen des Kreditprogramms der staatlichen Förderbank KfW könnten nur solche Unternehmen Darlehen erhalten, bei denen davon auszugehen sei, dass sie den Kredit innerhalb von fünf Jahren voraussichtlich auch zurückzahlen könnten, so Schleweis. „Bei vielen Firmen aus Branchen, die unter der Coronakrise besonders stark leiden, ist dies aktuell nicht der Fall.“ Diese Unternehmen bekämen häufig keine Förderkredite, „obwohl sie über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfügen, wenn die Wirtschaft nach der Coronakrise wieder anläuft“, sagte Schleweis. „Denn sie können den in der Krise entgangenen Umsatz im Gegensatz zu vielen Produktionsunternehmen nicht nachholen.“

Wenn solche Unternehmen nicht durch das Raster fallen sollen, muss die Politik aus Sicht von Schleweis zusätzliche Maßnahmen beschließen. „Für solche Unternehmen sind andere Hilfen als Kredite nötig, um die Coronakrise zu überbrücken“, so Schleweis zum „Handelsblatt“. „Denkbar wären direkte Zuwendungen des Staates.“ Eine andere Option seien 100-prozentige Garantien für Kredite, die erst in sehr ferner Zukunft zurückgezahlt werden müssten. Nochmal zur Erinnerung: Im Rahmen des KfW-Kreditprogramms übernimmt der Staat aktuell nur 80 bis 90 Prozent der Haftung, das Restrisiko geht auf die Kappe der Banken, die eher blockieren.

Wie geht es weiter?

Bleibt zu hoffen, liebe Motorradhändler mit angeschlossener Werkstatt, dass keiner von Ihnen Kurzarbeitergeld beantragen muss oder dringend auf irgendwelche Soforthilfen oder Kredite des Staates angewiesen ist. Wünschenswert wäre es, wenn sie liquide bleiben und sie die ein, zwei (oder drei) Monate bis zum Corona-Exit mit Eigenmitteln bewältigen (was schwer genug sein dürfte). Stehen Sie zu Ihren Mitarbeitern und kämpfen Sie gemeinsam. Und wenn das Geld noch knapper werden sollte – vielleicht bessert der Gesetzgeber ja doch noch nach bei der Kreditvergabe oder den Direkthilfen, damit Insolvenzen vermieden werden können.

Interview mit dem IVM-Präsidenten

Wir bleiben für Sie am Ball. Ich habe gerade eine große Umfrage unter Händlern gestartet, mit welchen Aktionen und Instrumenten sie gegen den Corona-Crash ankämpfen. Im nächsten Newsletter lesen Sie mehr davon. Und heute um 11 Uhr habe ich ein Telefoninterview mit dem IVM-Präsidenten und BMW Motorrad Deutschland-Chef Henning Putzke. Mit ihm werde ich darüber sprechen, wie die Hersteller ihren Händlerpartnern helfen, durch die Krise zu kommen. Denn auch hier gilt es bereits löblich zu berichten, dass die Fabrikate ihren Partnern unter die Arme greifen. Gut auch, dass Unternehmen wie Mobile.de oder Autoscout24 ihren Händlern beim Online-Business helfen, indem sie derzeit auf Inseratsgebühren verzichten oder Finanzierer wie die Santander oder die Creditplus mit einer pauschalen Tilgungsaussetzung von neunzig Tagen den Händlern in ihrer Einkaufsfinanzierung helfen, liquide zu bleiben.

Letzter Hinweis: Im Newsletter finden Sie den Mitschnitt unseres Live-Webinars #BikeFutureMachenWirWasDraus vom vergangenen Donnerstag. Hier können Sie nochmal in aller Ruhe alle wichtigen Tipps und Ratschläge zur Bewältigung der Corona-Krise für Motorradhändler und -Werkstätten anschauen. Eine Stunde komprimierte Lebenshilfe. Bleiben Sie gesund und schauen Sie regelmäßig in die »bike und business«-Kanäle: Website, Newsletter, Facebook, Twitter, Instagram & Co. bieten (fast) rund um die Uhr die neuesten Entwicklungen rund um die Corona-Krise. Es lohnt sich, uns zu folgen. Bleiben Sie gesund!

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