Der Medizinmann

Top 10 – Motorradhändler des Jahres 2018

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Viktoria Hahn

Dream-Team: Die Mannschaft von CM Motorcycles samt lokalem Indian-Chapter-Präsi (2. v. r.).
Dream-Team: Die Mannschaft von CM Motorcycles samt lokalem Indian-Chapter-Präsi (2. v. r.). (Bild: Steffen Dominsky)

Von „Klasse statt Masse“ reden viele. CM.Motorcycles praktiziert genau diese. Mit der Retromarke Indian hat der Betrieb eine kleine, aber feine Marktlücke für sich entdeckt. Diagnose: Kunden, Mitarbeiter und Chef bei bester Gesundheit.

Manchmal sind sie bekanntlich unergründlich, die Wege des Herrn. Doch auch die seiner Schäfchen sind ab und an nicht auf den ersten Blick gleich nachvollziehbar. Gutes Beispiel in Sachen Motorräder beziehungsweise dem unternehmerischen Handeln mit diesen: die Firma aus Bergheim.

Raus aus dem Manager-Hamsterrad

Denn eigentlich lief das Leben von Michael Christoffel völlig nach Plan: Geheiratet, Familie gegründet (vier Kinder), Haus gebaut, beruflich Karriere gemacht. Und das alles andere als schlecht, immerhin hatte es Christoffel zum Geschäftsführer eines Pharmaunternehmens geschafft, war Herr über 800 Mitarbeiter. Doch je weiter er beruflich aufstieg, desto unzufriedener wurde er mit sich und seiner zwischenmenschlichen Situation. „Bei der Unternehmensgröße wird man als Chef zum Arsch“, konstatiert der 56-Jährige heute ganz freimütig. Es musste sich etwas ändern, nein, Christoffel musste etwas ändern. Genau das tat der Familienvater dann auch vor ziemlich genau sechs Jahren, und zwar mit dem Verfahren, das Mediziner unter „Amputation“ kennen. Ein radikaler Schnitt: Er trennte sich von seiner bisherigen beruflichen Vergangenheit. Stattdessen sah er das Hobby beziehungsweise eines seiner Hobbys als Berufung an, machte es ergo zu seinem neuen Beruf. Raus aus dem industriellen Manager-Hamsterrad, rein ins emotionale Kleingewerbe mit Motorrädern. Vom Motorradfahren aus alten Duc-Zeiten kannte er Thorsten Zimmer. Der war einst Europaverkaufsleiter bei der italienischen Marke und mittlerweile bei Polaris gelandet. Und wie es der Zufall wollte, steckte der ihm, dass die Amis für ihre noch junge und hochemotionale Marke Victory und ihre neue, höchstemotionale Marke Indian noch nach passenden Vertriebspartner Ausschau hielten.

Strategisch gute Wahl

„Die Open-Points hießen Köln, Bonn und Aachen, alles tolle Städte, aber auch teure Pflaster. Da habe ich auf die Landkarte geguckt, und quasi in der Mitte dieses Dreiecks lag Bergheim – verkehrsgünstig neben der A61“, so beschreibt Christoffel seine Vorgehensweise auf dem Weg zum Jungunternehmer. Seit Februar 2013 dient ein ehemaliges Autohaus als Zentrale von CM.Motorcycles. Auf 700 Quadratmetern findet die gesamte Modellpalette der indianischen Zweiräder nebst ansprechender Präsentation von Zubehör und Devotionalien sowie eine pieksaubere Werkstatt reichlich Platz beziehungsweise Entfaltungsmöglichkeiten. Mit Leben erfüllt die Immobilie das CM-Team, das aus zwei Meistern, zwei Azubis, einer Aushilfe und der Frau von Michael Christoffel besteht. Dass auch sie dazu gehört, war eigentlich nicht geplant, immerhin haben die beiden ja vier Kinder. Doch keiner der Sprösslinge interessiert(e) sich fürs Biken, hatte Bock, den Vater bei seiner beruflichen Reinkarnation zu unterstützen. „Also mach ich es!“, sagte die Angetraute kurzerhand mutig. Denn auch sie hatte bis dato weder etwas mit Motorrädern noch mit Unternehmensführung am Hut.

Wenn die Frau mit anpackt

Doch wie das mit so kalten Sprüngen in Gewässer so ist, sie können oftmals erfrischend und belebend wirken, so auch hier. Denn kaum hatte die Gattin ausreichend Know-how gesammelt, rief erneut das Schicksal an, und steckte dem Unternehmerpaar, dass in Düsseldorf ein kleiner Bike-Laden vakant wäre. Diese „Aufforderung“ zu expandieren, ließen sich die beiden nicht entgehen. So gibt es seit 2016 mit Indian Motorcycles Düsseldorf noch einen weiteren Standort, mit dessen Hilfe die Christoffels noch näher an zahlungskräftige Indianer herangerückt sind. Doch nicht nur Fans und Inhaber der Kultmarke werden hier und in Bergheim servicetechnisch bedient, die Werkstatt steht jedem Hilfesuchenden offen, egal welche Marke er fährt. Das entsprechende Know-how ist in Form von Thorsten Gesell definitiv vorhanden. Er ist Werkstattleiter und Christoffels Stellvertreter. Nicht nur nach fachlichen Gesichtspunkten hat sich der ehemalige Pharmachef seine Leute herausgesucht. „Lachen ist ein Einstellungskriterium“, erklärt er. Der möglichst perfekte Umgang mit Kunden liegt dem Firmeninhaber wahrlich am Herzen.

Alle können alles

So haben alle Mitarbeiter, selbst die Azubis, eine Verkäufer-Schulung erhalten. Jeder soll im Idealfall alles können. Antworten wie „Da muss ich mal den oder den fragen“, will Micheal Christoffel seinen Kunden unter keinen Umständen zumuten. Genauso wenig will er diesen aber auch keine offene Flanke bieten: „Je uneiniger ein Team ist, desto besser können Kunden gegen uns argumentieren, sei es in Sachen Preis oder Qualität“, ist der Oberindianer überzeugt. Auch damit es flutscht und möglichst wenig hakt, gibt es jeden Morgen ein Stand-up-Gespräch a la Großkonzern. Probleme im Alltagsablauf sollen so gar nicht erst entstehen oder im Keim erstickt werden. Ebenso wenig alltäglich für einen Bike-Betrieb: In den Terminkalender darf oder besser gesagt muss jeder alles eintragen. Selbst ein „Sprecht mich heute nicht an, ich bin schlecht gelaunt!“, erklärt Christoffel. Von anderen (groß)unternehmenstypischen Gepflogenheiten hält er hingegen nichts. Weihnachtsgeld, Provisionen, gemeinsame Ausflüge: „Gibt’s bei mir nicht!“, lautet das Urteil. „Ich will lieber ein echtes als ein gespieltes Klima“, argumentiert der Anführer.

Analog zu Harley gibt es auch bei Indian die „Chapter“-Community. Man ist Teil einer besonderen Gemeinschaft, und das zeigen und zelebrieren die Indian-Eigner auch gebührend. „Ich verkaufe kein Motorrad sondern eine Idee“, formuliert es Michael Christoffel mit seinen Worten. Entsprechend breit beziehungsweise professionell fällt bei ihm auch das aus, was man gemeinhin mit „Kunden bespaßen“ beschreibt. So erhalten Indian-Fahrer bei CM.Motorcycles das vielzitierte Rundum-Sorglos-Paket. Soll heißen, neben der optimalen Versorgung der Bikes bietet das Unternehmen passend gebrandete Bekleidung sowie top gemanagte Ausfahrten.

Verrückter Freitag

So ist jeden letzten Freitag im Monat der „Crazy Friday“ angesagt. Nach einer gemeinsamen Ausfahrt lädt der Indian-Dealer zum geselligen Grillabend, pardon BBQ ein. In der kalten Jahreszeit gestaltet man die Freizeit eben gemeinsam mit dem Auto. Eine eigene Facebook- und WhatsApp-Gruppe informiert über diese und andere Aktivitäten. Einmal im Jahr unternehmen die Indian-Chapter-Jünger ein Fahrertraining (mit Sozia) und ein Reisebüro organisiert gemeinsame Motorradtouren mit speziellem Frauenprogramm für die Nicht-Bikerinnen unter den Indian-Fanpaaren. Dass sein Konzept beziehungsweise beruflicher Traum aufzugehen scheint, das zeigen Michael Christoffel die bekannten harten Fakten, also die Verkaufszahlen. Wie hoch sie sind, möchte der Firmeninhaber an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Man stehe unter den Indian-Händlern deutschlandweit ganz vorne. Dennoch: Dass der Ex-Medizinmann noch weiter wachsen muss, das weiß Christoffel. Diagnose: Das Baby wächst und gedeiht.

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