Der Motorradhändler mit friesisch herbem Charme

Top 10 – Motorradhändler der Jahres 2018

| Autor / Redakteur: Gerd Hoffmann und Stephan Maderner / Viktoria Hahn

Team Motorrad Schlickel: Mit Ducati und Husqvarna an Kawasakis Seite in die Zukunft.
Team Motorrad Schlickel: Mit Ducati und Husqvarna an Kawasakis Seite in die Zukunft. (Bild: Stephan Maderner)

Mit Thomas Rüscher an seiner Seite stellt Händlerlegende Ralf Biermann von Motorrad Schlickel nicht nur die Weichen für seine Nachfolge, sondern auch für die Zukunft des Mehrmarkenbetriebs in Oldenburg.

Beim Betreten der friesischen Zweiradinstitution in Oldenburg riecht man es schon: der typische Motorradduft. Die Doppelspitze Ralf Biermann (einer der beiden Gründer der Firma Schlickel vor 37 Jahren) und Thomas Rüscher (der 2015 als Quereinsteiger, Ducati-Fahrer und Ex-IT-Fachmann in die Firma kam) leitet den Acht-Mann-Betrieb an der Wilhelmshavener Heerstraße.

Zwei Meister und zwei Gesellen in der Werkstatt und vier Mitarbeiter im Verkaufsraum – davon ein „Teileminister“ – gewährleisten die reibungslose und kundenfreundliche Geschäftsabwicklung, auch und gerade wenn es während der Saison eng wird. Im vergangenen Jahr waren Wartezeiten für die Werkstatt von sechs Wochen keine Seltenheit. Durch den Quereinstieg von Thomas Rüscher mit 50-prozentiger Beteiligung ist auch die Nachfolge gelöst, die sich dem Gründer mit 65 Jahren stellte. Der Ducati-fahrende zweite Chef füllt mit viel Benzin im Blut nunmehr auch den Ducati-Vertrag mit Leben. Die strategische Wende läuft: Aus dem bis dato Kawasaki-dominierten Laden erwächst ein Mehrmarkenmotorradhändler. Schlickel ist auch heute noch Kawasakis ältester Vertragshändler in Deutschland – alteingesessen, in der Region bestens bekannt und damit natürlich der Anlaufpunkt für Kawasaki-Fahrer.

Nach dem ökonomischen Bauchgefühl kommt nun der Businessreport

Auf Kunden warten viele Events, die größtenteils in Zusammenarbeit mit dem „Kradblatt“ laufen. Spezielle Renntrainings mit zehn bis 20 Teilnehmern finden ebenso Anklang wie die gemeinsame Teilnahme an Motorradmessen. Erfolgreich ist die Radiowerbung im Lokalradio 21, die den Bekanntheitsgrad des Betriebs weit über die Stadt Oldenburg hinausträgt. Um den Laden betriebswirtschaftlich fundiert in den Griff zu bekommen, hat das Team 2017 das Warenwirtschaftssystem CSB installiert und sich in die Materie eingearbeitet. Viele Analysen und Reports sorgen jetzt für mehr Transparenz und ersetzen das bisherige auf Bauchgefühl beruhende Business. Damit lässt sich das Unternehmen transparenter und rationaler steuern. Die Schnittstelle fürs Controlling des Ducati-Geschäfts wird gerade eingerichtet. Die Marken Kawasaki, Ducati und Husqvarna (seit 2016) decken alle Kundenbedürfnisse in der Region ab. Mit der 125er-Kawasaki hat Schlickel nun auch für die jüngere Kundenklientel ein Ass im Ärmel. „Die Hinzunahme weiterer Marken macht derzeit keinen Sinn. Eher wird das Gebrauchtmotorradgeschäft als weitere Marke ausgebaut, sobald Räumlichkeiten und Personal erweitert beziehungsweise aufgestockt sind“, sagt Thomas Rüsche. Aus diesem Grund ist er seit längerem schon auf der Suche nach einem geeigneteren Standort.

Die firmengebrandede Mastercard sorgt für motivierte Mitarbeiter

Das Team Schlickel hat verschiedene Stärken aufzuweisen, was sich in der Markenzuordnung widerspiegelt. Während Ralf sich mit seiner langen Erfahrung der Stammkundschaft der Marke Kawasaki verschrieben hat, kümmert sich Thomas hauptsächlich um Ducati und Husqvarna. In der Werkstatt ist ein Meister auf Kawasaki und der andere auf Ducati spezialisiert; beide sind auch für Husqvarna zuständig und vertreten sich gegenseitig. Die Rekrutierung von gutem Personal ist hier wie bundesweit ein ernstes Thema. Wenn Motorradbetriebe in der Region aufgeben, bietet Schlickel den freigesetzten Fachkräften neue Jobs an. Auch eigener Nachwuchs wird geschult: Der erste Auszubildende des Betriebs geht 2019 an den Start. Das Personal pflegt ein familiäres Verhältnis, die Chefs haben stets ein offenes Ohr, sodass regelmäßige Meetings nicht festgelegt sind. Ehrlichkeit wird großgeschrieben; die Crew macht freiwillig Überstunden und bekommt sie ausbezahlt. Natürlich sind die Mitarbeiter fest angestellt. Als Anreiz erhalten die Mitarbeiter eine firmengebrandete Mastercard mit einem Pauschalbetrag vom Arbeitgeber, den sie beliebig nutzen können. Mechaniker nehmen an Schulungen teil und kommen als Incentive mit zu Motorradrennen. Dieser Mix scheint zu fruchten; in den vergangenen Jahren blieb die Fluktuation bei Null. Das Geschäftsergebnis für 2018 liegt über den Zielen, selbst die neu ins Portfolio gekommene Marke Husqvarna glänzt bereits durch ein Überschreiten der Vorgabe. Mit knapp 300 Neumotorrädern ergibt sich ein stolzer Umsatz. Husqvarna, Kawasaki und Ducati laufen auch bei Zubehör und Werkstatt reibungslos, wenn man bei Ducati die kleinen „Zulieferprobleme“ außer Acht lässt...

Die Marke Husqvarna fügt sich nahtlos ins Portfolio ein

Trotz einem Verhältnis von nahezu 1:1 zwischen Neu- und Gebrauchtmotorrad ist das Gebrauchtmotorradgeschäft etwas stiefmütterlich vertreten. Auffallend sind die nicht aufbereiteten Gebrauchten in Showroom, die laut Aussage des Händlers so reinkommen, wie sie aufgekauft oder in Zahlung genommen wurden. Extra Zukäufe finden angesichts der Lagerfläche aktuell nicht statt. Erst bei Verkauf an neue Kunden durchlaufen die gebrauchten Motorräder die Werkstatt und werden entsprechend den Kundenwünschen aufbereitet, repariert oder wenn gewünscht weiter ausgebaut. Dies ist aktuell den fehlenden Kapazitäten in der Werkstatt und im Lagerbereich geschuldet. In der neuen Immobilie sollen dann auch Wintereinlagerungen angeboten werden.

Persönliche Kundenkontakte – ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt

Im Bekleidungsbereich konzentriert sich Schlickel ganz auf Markenklamotten. Die noch vorhandene Standardbekleidung verkauft man gegenwärtig ab, da die Konkurrenz durch umliegende Filialisten zu groß und der eigene Umsatz zu gering ist. Künftig wird dann nur noch die Markenbekleidung der drei Hersteller exklusiv im Store zu kaufen sein. Der Geschäftserfolg basiert auf den persönlichen Kundenkontakten, die über Jahre gewachsen sind, den sprudelnden Ideen des Quereinsteigers Thomas, der auch neue Kunden für Ducati und Husqvarna begeistert, der Kompetenz der Werkstatt und den regional bestehenden Verbindungen. Offene Verkaufsgespräche, die klare Ansagen beinhalten, sichern die notwendige Vertrauensbasis.

Während die moderne Homepage extern von „1000 PS“ erstellt wurde, ist Thomas als Chef verantwortlich im Netz unterwegs, pflegt den Facebook-Auftritt und diskutiert aktiv in Foren mit, um am Puls der Kunden zu sein. Auf Facebook postet der Händler-Influencer zeitnah Aktionen und Infos aus der Welt der Hersteller und die eigenen Schlickel-Aktivitäten. Bei den umliegenden Messen wie der Motorshow in Oldenburg ist das Team Schlickel immer aktiv und prominent zusammen mit den Herstellern vertreten. Bezüglich des Sponsorings gibt es keine Verpflichtungen oder festen Regelungen; hier wird jeweils neu entschieden, welche Sportvereine, caritative Einrichtungen oder Organisationen Spenden erhalten.

Passende neue Location gesucht – und endlich gefunden

Ziel von Motorrad Schlickel ist, in den nächsten Jahren mit den drei Exklusivmarken moderat zu wachsen. Die Ausbildung eigenen Nachwuchses wird ein wichtiger Bestandteil und der Umzug in eine neue Immobilie. Die gute Nachricht: Die passende Location ist inzwischen gefunden. Ende November 2018 wurden die Unterschriften unter den Kaufvertrag gesetzt. Endlich findet auch das Gebrauchtmotorradgeschäft von Schlickel eine Heimat – hoffentlich mit positiven Effekten für Umsatz und Ertrag. Die Motorradinstitution mit dem friesisch herben Charme schreibt am nächsten Kapitel seiner Firmengeschichte.

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