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Der Rundum-Blick beim Motorrad-Marketing

| Autor / Redakteur: Viola Neue / Elena Koch

Werbung als Nebensache? Vor allem im Fachhandel wird das Potenzial von Social Media und Co. oft unterschätzt. Doch es gibt Ausnahmen, mit frischen Ideen und der 360-Grad-Perspektive.

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Starke Marken, starke Persönlichkeiten: Sven Svensson (li.) und Jens Föhl (re.) von Motoport.
Starke Marken, starke Persönlichkeiten: Sven Svensson (li.) und Jens Föhl (re.) von Motoport.
(Bild: bike und business/Judith Leiterer)

Lautes, kräftiges Motorklappern, ein vibrierender Auspuff. Daneben ein zufrieden grinsender Mann mit geöffnetem Motorradhelm und Drei-Tage-Bart , der gerade die Zündung seiner schwarzen Bullet 500 mit Oldtimer-Charme ausdreht. Im Hintergrund ein Bergdorf, zwischen Felsen und Nadelbäumen, mitten in der Natur. „Mit Tom auf das Dach der Welt!“, erscheint der Schriftzug im Imagefilm von Motoport. Hinterlegt mir mächtiger Musik.

Motoport, ein Fachhändlerverbund für Motorradbekleidung stellt im Rahmen der »bike und business«-Fachtagung seinen Dane-Trans-Himalaya-Trip vor, den sein Händlerpartner Tom Hemmerlein von hmf Motorrad Würzburg im Sommer dieses Jahres mit dem Motorrad angetreten hat. Immer mit dabei: Die Kamera, die die Bilder des abenteuerlichen Motorrad-Trips durch das Himalaya-Gebirge festhält. Der daraus entstandene Imagefilm ist ein Bestandteil des umfassenden Marketingpakets von Motoport. Denn hier wird neben Emotionen und der Liebe zum Motorsport vor allem eines gezeigt: Die Eigenmarke „Dane“.

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„Den Film haben 6.411 Leute auf Facebook gesehen“, sagt Jens Föhl, Geschäftsführer von Motoport, auf seinem Vortrag. „Investiert haben wir dafür 75 Euro.“ Er zuckt mit den Schultern, als wolle er zeigen, wie einfach Marketing sein kann.

Tue Gutes und rede darüber

„Tue Gutes und rede darüber“, sagte einmal ein berühmter PR-Praktiker namens Graf von Zedwitz-Arnim. Diesem Motto folgt auch Motoport. Der Fachhändlerverbund mit Sitz in Oldenburg ist damit ein Beispiel für erfolgreiches 360-Grad-Marketing. Dabei erreicht die Marke die Kunden über mehrere Kanäle und deckt so ein größtmögliches Spektrum an Aufmerksamkeit ab. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Konzentration auf ein einzelnes Medium, sondern das Zusammenspiel verschiedener Medien.

Ziel von Motoport ist es, eine gute Partnerschaft zu seinen Händlern zu pflegen. Dazu gehört auch, die Kunden der Händler direkt zu erreichen, Shoplösungen für die Händlerhomepage zu finden und ein weitgehender Gebietsschutz, auch im Onlineversand.

Motoport = Vermittlerplattform für Händler

Jens Föhl sieht Motoport als eine Art Vermittlerplattform zu den Händlern, mit eigener Motorradkleidung als Kerngeschäft. Neben Video-Marketing-Strategien auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram ist Motoport auch in der Radiowerbung vertreten und bietet einen Endverbraucher-Katalog an. „Wir nutzen die neuen Medien, ohne die alten zu vergessen“, sagt Föhl. Vor zwei Jahren wurde das „MOT-Magazin“ herausgebracht. Dieses können die Händler direkt an ihren Kundenstamm versenden und dabei eigene Werbung beilegen sowie den Umschlag individuell gestalten.

Als Vermittlerplattform kümmert sich Motoport um den Versand und die Finanzierung der Kataloge, die Händler übernehmen einen Teil der Kosten und stellen die Kontaktdaten ihrer Kunden zur Verfügung, die das Magazin erreichen soll. „Mittlerweile haben wir eine sechsstellige Anzahl an Kundenadressen“, sagt Föhl. Noch einfacher sei es nach Aussage des Geschäftsführers mit der E-Paper-Ausgabe des Magazins. „Zum einen fallen die Herstellerkosten weg, zum anderen reichen uns die E-Mail-Adressen, um die Kunden zu erreichen.“ Bei der E-Paper-Version sei außerdem der Inhalt einiger Heftseiten auf die jeweiligen Leser individuell abstimmbar. „Ein Werbemittel, das optimal auf die einzelnen Kunden ausgerichtet ist“, sagt Föhl und nickt zufrieden.

Das kostenlose MOT-Magazin

Das MOT-Magazin ist für die Leser kostenlos, jedoch hat Motoport vor kurzem sein Konzept ausgebaut: Diese neuere Idee des Marketings funktioniert nach dem Prinzip des Barometer Oldenburg, einem Gutscheinheft für 75 Euro, das aber Gutscheine im Wert von 3.000 Euro enthält. „Dieses Prinzip haben wir auch auf unser Magazin angewendet“, erklärt Föhl. „Man kann das eigentlich kostenlose Magazin für eine Jahresgebühr von fünf Euro bestellen und erhält damit Einkaufsvorteile im Wert von fünfzig Euro.“

Das Kommunikationsverhalten der Zielgruppen hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Diesen Umstand darf auch die Marketingkommunikation nicht außer Acht lassen, wenn sie Kunden weiterhin zielgerichtet erreichen will. 360-Grad-Marketing bedeutet daher, den Kunden auf jeder Ebene mit für ihn relevanten Inhalten zu versorgen. Dazu sind unterschiedliche Kommunikationsformate notwendig. Durch die Integration verschiedener Werbemaßnahmen kann so der Wiedererkennungswert einer Marke gesteigert werden.

Trotzdem nutzt der Großteil der Fachhändler nach wie vor hauptsächlich Printwerbung zur Neukundengewinnung. Wie eine Studie von Käuferportal zeigt, investieren Fachhändler 71 Prozent ihres Werbebudgets in Offline-Kanäle. Dabei ist ihnen sehr wohl bekannt, dass Fach-Kunden am besten online erreichbar sind. Denn aus der „Marketing-Studie 2014“ geht hervor, dass 87 Prozent der befragten Fachhändler davon ausgehen, dass sich ihre Kunden im Internet informieren, wenn sie ein bestimmtes Produkt kaufen möchten.

Auch Stadler entdeckt die sozialen Netzwerke

Auch der Motorradbekleidungshersteller Stadler, ebenso auf der »bike und business«-Tagung vertreten, folgt in Sachen Online-Marketing dem allgemeinen Trend des Fachhandels. „Wir sind viel zu wenig auf Social-Media-Plattformen vertreten“, gibt Händlerbetreuer Kurt Brunner zu. Er kneift die Lippen zusammen und schaut ein wenig beschämt auf den Boden, als fühle er sich ertappt. Denn das Marketing von Stadler begrenzt sich hauptsächlich auf die Frühjahrsmessen, eine Homepage und Anzeigen in Fachzeitschriften. Stadler ist einer der letzten Motorradbekleidungshersteller, der noch in Deutschland produziert, mit hoher Qualität und hohen Preisen. „Wir stellen gute Produkte her, aber sprechen zu wenig darüber.“ Spätestens seit der Fachtagung 2016 ist klar: Jetzt wird auch bei Stadler in den sozialen Netzwerken und anderswo der Hebel umgelegt und marketingtechnisch Klartext gesprochen.

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