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Der Wiedereinsteiger-Report: Zurück in die Zukunft gescrambelt

| Autor / Redakteur: Dominik Faust / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Wie »bike und business« bei der Wiederentdeckung alter Motorradleidenschaften mitgeholfen hat, lesen Sie in diesem glänzend geschriebenen Wiedereinsteiger-Report. Futter für sieben Millionen Schläfer, die neben dem Pkw-Führerschein die Lizenz zum Motorradfahren besitzen, sie derzeit aber nicht aktiviert haben.

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Strahlemann und Scrambler: Dominik Faust, der wiedererweckte Biker.
Strahlemann und Scrambler: Dominik Faust, der wiedererweckte Biker.
(Bild: Stephan Maderner)

Als mir vor über zwanzig Jahren ein Autofahrer die Vorfahrt nahm und mich von meiner Suzuki DR Big 800 holte, hatte ich keine Lust mehr aufs Biken. Das gebrochene Sprunggelenk und der Riss in der Hüfte waren genug. Es folgten Ausbildung, Studium, Beruf, Familie, Kinder. Das Auto wurde zum alleinigen, zum alternativlosen Fortbewegungsmittel. Im Laufe der Jahre genoss ich die technischen Weiterentwicklungen im Kraftfahrzeugbereich. Von Modell zu Modell kamen neue Features hinzu, die das Fahren auf vier Rädern noch sicherer und bequemer machten. Beruflich habe ich diese Entwicklung einige Jahre begleitet.

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Gone with the wind

In ganz bestimmten Momenten allerdings trauerte ich dem satten Klang meines damaligen Eintopfs und dem souveränen Fahrgefühl der Enduro nach. Bis Anfang August 2016. Da wollte ich es wieder wissen, wollte wieder den Fahrtwind spüren, das Adrenalin beim Beschleunigen.

Der Zufall wollte es, dass ich eine nagelneue Ducati Scrambler Classic unter den Hintern bekam. Der Zufall hatte einen Namen: Stephan Maderner. Der Chefredakteur von »bike und business« aus dem Hause Vogel Business Media, wo ich derzeit eine zweimonatige publizistische Auftragsarbeit erledige. Nach einer kurzen Einweisung drehte ich eine Runde auf dem Platz und machte mich auf eine rund 300 Kilometer lange Strecke durch die fränkische Schweiz. Ziel: Kloster Banz bei Bad Staffelstein.

Oh du gnädige Ducati Scrambler

Zum Glück ist die Scrambler nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe und Wenigkeit gnädig zu Wiedereinsteigern. Unsicherheiten beim Bremsen an der Ampel, beim Abbiegen in engen Kurven, beim Schalten steckt die Italienerin weg und übertönt sie mit ihrem unverwechselbaren Ducati-Sound. Auch wegen des niedrigen Schwerpunkts der Maschine kann man schnell wieder eins werden mit seinem Bike. Gleichgewichtsprobleme entstehen erst gar nicht. Schnell stellt sich dadurch jenes Gefühl von Sicherheit ein, das gute Fahrlehrer ihren Motorradschülern vermitteln.

Remember it – die Newtonschen Gesetze

Es wäre jedoch vermessen, wenn ich sagen würde, nach 300 Kilometern wäre ich wieder der Alte auf dem Bock gewesen. So konnte ich bei meiner ersten Ausfahrt nach über einem Fünftel Jahrhundert weder einhändig noch gar freihändig fahren wie einst auf meiner 800er Big. So mussten etliche der selten gewordenen Bikegrüße durch mich unerwidert bleiben. Da die Scrambler 25 PS mehr hat als meine Enduro, und natürlich die Übung fehlte, wollte außerdem die Hand beim Beschleunigen nicht so ohne Weiteres vom Visier wieder zurück zum Lenker. Erinnerungen an den Physik-Leistungskurs und die Newtonschen Gesetze wurden wach.

Die (Un-)Annehmlichkeiten des Bikes

Als von Assistenzsystemen verwöhnter Autofahrer suchte ich beim Cruisen auf der Scrambler vergeblich nach einem Navi, nach der Anzeige für die Tankfüllung, nach verbleibender Reichweite des Reservetanks. Schnittstelle zum iPhone, ein Radio, Cruise Control, Automatikgetriebe? Alles Fehlanzeige! Aber was soll ich sagen: Nach einigen Kilometern habe ich diese Annehmlichkeiten aus dem Auto nicht mehr vermisst. Die ganze Aufmerksamkeit gehörte wie früher der Straße, den anderen Verkehrsteilnehmern, dem Sound, der Kupplung, der Schaltung – ja selbst dem Blinker, der nicht automatisch zurück springt, sondern dorthin per Knopfdruck beordert werden muss.

Begeisterung fürs Biken neu entfacht

Kein Zweifel: die Ducati Scrambler Classic hat meine Begeisterung fürs Biken wieder entfacht. Mit dieser tollen Maschine fuhr ich quasi zurück in die Zukunft. Meine 1,92 Meter Körpergröße wollten sich allerdings nicht so richtig mit dem relativ kleinen Bike anfreunden. Da hatte die 800er Big bessere Voraussetzungen. Ich werde daher in nächster Zeit noch andere Kräder testen, um endlich wieder die Richtige für mich zu finden!

In dieser Woche steige ich zum Beispiel noch auf eine Honda-NC-750-X mit DSC (Doppelkupplungsgetriebe)-Automatikschaltung. Noch ein altes Autofahrer-Klischee über verstaubte Motorräder, das auf der Bike-Piste sein Leben aushauchen wird. Danke an den obersten »bike und business«-Testpoolwächter für die Wiedererweckung meiner alten Motorradleidenschaften!

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