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Derek Finke: Der mit dem „Schlaumaierfinger“

| Autor / Redakteur: Hanne Scheidler / Nika-Lena Störiko

Derek Finke stört nicht ungern, aber konstruktiv. Egal ob als Marketing- und Unternehmensberater, Verkäufer, Blogger oder Podcaster: Er findet immer eine Lösung. Seine Expertise ist die Auto- und Motorradbranche. Im Bereich der Digitalisierung weiß er auf alles eine Antwort.

Heute arbeitet Derek Finke für einen großen Autohändler, aber auch in seiner Freizeit dreht sich alles um das Thema Autobusiness. Alles? Nicht ganz: Das Motorrad spielt seit Kurzem auch wieder eine größere Rolle.
Heute arbeitet Derek Finke für einen großen Autohändler, aber auch in seiner Freizeit dreht sich alles um das Thema Autobusiness. Alles? Nicht ganz: Das Motorrad spielt seit Kurzem auch wieder eine größere Rolle.
(Bild: Derek Finke)

Schon als Derek Finke vier Jahre alt war, wusste er, er will „irgendwas mit Autos“ machen. Der 53-jährige mit Dreitagebart und schwarz umrandeter Brille im Gesicht, die graumelierten Haare leicht zerzaust, ein paar Strähnen hängen ihm nach seinem vollgepackten Arbeitstag im Gesicht, lächelt. Er denkt an seine Vergangenheit: „Es war halt immer so. Der Gedanke, ob ich nicht doch was anderes machen will, hat mich nie beschäftigt.“ Seit Mitte der 80er Jahre geht Finke nun schon seiner Auto-Affinität nach. Angefangen hat er im Bereich Technik und Schrauben mit einer Ausbildung zum Schlosser. Nach und nach hat sich sein Fokus verändert. Er probierte sich aus: Verkauf, Vermietung, Länderverband und Unternehmensberatung, Marketing. All das rund ums Thema Auto. Heute arbeitet er für einen großen Autohändler. Die Liebe zum Auto wird deutlich, das Wissen rund um die Branche auch.

„Heute würde ich mir nicht mehr zutrauen, so eine Kiste anzufassen und zu reparieren“, betont Finke und lacht. Das sei alles viel zu lange her. Eine große Rolle spielt jetzt vor allem eins: Digitalisierung. In den 90er Jahren – „Das Internet war noch in den Kinderschuhen“ – hat er mit seinem Franchise Unternehmen eine digitale Anwendung entwickelt, die das Erstellen von Preislisten für Autovermietungen erleichtert. „Für damalige Verhältnisse war das ein echter Fortschritt“, erinnert er sich. Sie hätten die Vernetzung gelebt. So hat das angefangen. „Mit einem Haufen Geld und einer Heidenarbeit.“

Inzwischen ist es normal für die Gesellschaft, alles mit einem Mausklick zu bekommen, „so sind wir jetzt alle dressiert“, so Finke. Deshalb muss man auch in der Autobranche up to date sein. Das E-Commerce Projekt, an dem er im Moment arbeitet „macht Spaß, ist aber sehr komplex und langwierig“. Im Team hat Finke eine Plattform für die Finanzierungs- und Ankaufstrecke für Autos entwickelt, die es möglich macht, sich durch den Autokauf durchzuklicken. „Der Kunde und wir müssen physisch gar nicht zueinander kommen, alles läuft digital“, erklärt er. Der Faktor Zeit könne so verkürzt werden und jeder schneller agieren. Ihm ist wichtig, dass der Kunde auch Vertrauen haben kann: „Wir optimieren alles, damit sich der Kunde dabei auch gut fühlt und wir ihm einen Mehrwert geben können.“

An seiner Arbeit gefalle ihm vor allem der Prozess der Problemlösung. „Ich bin nicht der, der selbst die geilsten Ideen hat – das ist gar nicht so mein Ding. Was ich gut kann ist, aus einer Idee was zu machen, was man umsetzen kann“. Sowas macht ihm Spaß. Seine Arbeit ist ein kreativer Prozess, aber in seiner Branche fange man ja nicht bei null an. „Wir wissen ja schon, wie das mit dem Auto Verkauf funktioniert. Ich finde nur Lösungen, wie man das optimieren kann“, beschreibt er diesen iterativen Prozess.

Auch im privaten Bereich dreht sich bei Finke alles um das Thema Autobusiness. Früher ist er viel auf Marketingveranstaltungen gewesen. Dort wurde ihm während einer Konferenz eines klar: „Blogs sind der heiße Scheiß“. Er schrieb noch auf seiner Reise im Jahr 2011 seinen ersten Blogeintrag auf derekfinke.com. „Ich bin nie in dem Sinne rangegangen, dass ich für mich selbst Marketing machen will und damit neue Kunden gewinnen will“, solche Menschen kenne er zu genüge, aber sein Antrieb sei das nicht gewesen, betont er kopfschüttelnd. Die Intention dahinter war „Erfahrungen und Wissen einfach mal weitergeben“ und „mit dem Schlaumaierfinger‚ kann man ja besser machen“, auf Dinge zu zeigen, die im Autobusiness nicht so funktionieren. Eine Zeit lang hat er täglich Beiträge veröffentlicht, inzwischen hat er seinen Podcast „autocontext“, in dem er seine Tipps und Tricks weitergibt. Er selbst hört auch verschiedene Podcasts mit Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Vertrieb, Unternehmensentwicklung und Digitalisierung. Derek Finke ist wissbegierig.

Einmal habe er spontan eine Podcast Folge mit seiner Tochter über Performance Marketing aufgenommen. Magdalena Finke arbeitet in einer Marketingagentur und wurde in die Automobilbranche hineingeboren. „Ich wurde als Kind schon geprägt“, sagt sie. Magdalena sieht ihren Vater als Vorbild. „Mein Vater hat schon immer einen Missionsgedanken. Er hat viele Ideen, die er vorantreiben und in die Welt einbringen will“, beschreibt sie ihn. Die beiden haben ein gutes Verhältnis. Sie ist auch ein Grund dafür, dass er nach 30 Jahren wieder Motorrad fährt. Nachdem sie sich eine 125er-Maschine gekauft hatte, „hab‘ ich wieder Blut geleckt“, so Finke. Jetzt genießt er es wieder, in der heimatlichen Idylle seine Runden auf dem Bike zu drehen.

Derek Finke ist ein vielseitiger Mann. Er selbst bezeichnete sich früher als ‚Schweizer Taschenmesser für Automobiler‘. Was das bedeutet? „Ein Schweizer Taschenmesser ist ein Multifunktionstool, das heißt, du hast da ein Ding und kannst mehrere Sachen damit tun“, erklärt er. „Ich bin mehr so der Generalist im Autogeschäft“. Und Generalist sein bedeute, den breiten zu Überblick haben – aber eigentlich doch nicht wirklich richtig Ahnung zu haben. Derek Finke ist ein Mann, den man in jedes Projekt stecken kann. Ein Mann, der von allem etwas versteht. Und in der Waagerechten gesehen ist Derek Finke ein Mann, der im Bezug auf das Thema Autobusiness ein konstruktiver Störenfried ist, der mit Freude Probleme löst.

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