Die Angst der Praktikantin vor Lederjacken-Gangs

Geständnisse einer »bike und business«-Praktikantin

| Redakteur: Jacqueline Neumann

„Join the Spirit“ – unter diesem Motto durfte ich vier Wochen lang in der „bike und business“-Redaktion aufs Gaspedal drücken und eigene Artikel veröffentlichen.
„Join the Spirit“ – unter diesem Motto durfte ich vier Wochen lang in der „bike und business“-Redaktion aufs Gaspedal drücken und eigene Artikel veröffentlichen. (Foto: privat)

Ohne jegliches Fachwissen, dafür mit einigen Klischees im Gepäck, betrat ich vor vier Wochen die »bike und business«-Redaktion zum ersten Mal. Was ich während meines Praktikums lernen durfte und wie sich meine Einstellung zur Zweiradbranche änderte – lesen Sie ruhig weiter.

Um zuallererst ein Geständnis abzulegen: Als ich vor einigen Monaten meine Bewerbung um einen Praktikumsplatz bei Vogel Business Media abschickte, bekam ich kurze Zeit später eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei der »bike und business«-Redaktion. Da ich diese Zeitschrift selbst nicht kannte, ging ich – zumindest in meinen Augen – ganz logisch vor und übersetzte „bike“ mit Fahrrad. Ich war gerade mit dem Zug unterwegs und vor Aufregung über die geglückte Bewerbung kam ich nicht einmal auf die Idee, die Allwissenheit von Google in Anspruch zu nehmen. Deshalb malte ich mir eine Zeitschrift aus, bei der sich alles um Fahrräder und „business“ drehte. Vielleicht ging es also um die Fahrradbranche? Die Idee wäre gar nicht so unpassend gewesen, hätte ich „bike“ mit Motorrad übersetzt. Nach einigen Minuten fröhlichen Rätselratens zückte ich endlich mein Handy und tippte „bike und business“ in die Google-Suchleiste. Aha! Es ging also nicht um Fahrräder, sondern um Motorräder.

An dieser Stelle folgt nun mein zweites Geständnis: Während ich nämlich wenigstens weiß, wie man die Pedale eines Fahrrads betätigt, habe ich absolut keine Ahnung von Motorrädern. Meine gute Laune wurde von Zweifeln gedämpft. Wie sollte ich über etwas schreiben, über das ich genau drei Dinge wusste: Motorräder sind laut, gefährlich und nicht besonders umweltfreundlich. Fahrräder dagegen sind umweltfreundlich, leise und tun der Fitness gut; Lederjacken-Gangs, die auf ihren Rädern strampelnd die Umgebung unsicher machen, sind mir bis dato unbekannt. Frei nach dem Motto „Grau ist alle Theorie an der Uni, bunt die Praxis“ nahm ich mir vor, das Ganze als Herausforderung zu sehen.

Jetzt, nach knapp vier Wochen Praktikum bei der Motorrad-Fachzeitschrift, muss ich ein drittes und letztes Mal gestehen: Ich war nicht besonders weitsichtig gewesen. Motorräder – vor dem Praktikum waren das für mich Maschinen, die vor allem Höllenlärm und Staubwolken hinterließen und dem Spaß dienten. Das motorisierte Alter Ego zum umweltfreundlichen Fahrrad. Selbst Autos kommen da etwas besser weg. Denn sie dienen wenigstens der individuellen Mobilität. Aber wer fährt schon mit seinem Bike zum Job oder zum Einkaufen? Der »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner belehrte mich eines Besseren. Denn für ihn ist der tägliche Ritt ins Büro auf zwei Rädern eine Pflichtübung – noch dazu eine unbeschwerte. Zuvor hatte ich die gesamte Motorradbranche auf Vorurteile reduziert. Motorräder waren in meinen Augen nur Spaßfaktoren und Freizeitfahrzeuge. Natürlich gehört auch das dazu. Der Spaß, das Gefühl von Freiheit, der Wind, vielleicht auch der Hauch der Gefahr, der bei einer Fahrt auf zwei motorisierten Rädern mitschwingt, zeichnen einen Motorradritt aus.

Allerdings geht hier der Treibstoff noch lange nicht aus. Denn die Motorradbranche kann auch ganz anders und zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus, die zumindest ich nicht vermutet habe. An dieser Stelle komme ich nun – nach einigen Geständnissen – zu meinen „Aha“-Momenten: Denn spätestens bei einer Pressemeldung von Honda kam ich zu einer Einsicht. Auf der 44. Motor Show in Tokio stellte der japanische Hersteller ein Concept-Bike namens „EV-Cub“ vor. Ein Elektro-Bike, das laut Herstellerangaben umweltfreundlich und auf Kurzstrecken sowie im Stadtverkehr kostengünstig bewegt werden kann. Zu meiner Überraschung las ich einige Tage später, dass solche E-Bikes nicht nur auf Messen ausgestellt werden, sondern sogar schon im öffentlichen Verkehr teilnehmen. Die Rede ist hier von Elektromotorrädern von US-Herstellern, wie Zero Motorcycles oder Brammo. Diese sollen für das Modelljahr 2016 sogar so verbessert werden, dass nicht nur die Reichweiten der Zweiräder zu-, sondern Ladezeit und Preise abnehmen sollen. Nicht nur in der Automobilbranche, sondern auch im Bike-Business setzt man auf Elektro und Hybrid. Ich musste also einsehen, dass das Stichwort Elektromobilität auch unter Bikern eine Rolle spielt und neben benzinverfeuernden Maschinen saubere Bikes existieren.

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