Die Azubi-Debatte

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 5/II), Folge 661: Heiß auf Zweiradmechatronik? fragte ich in meinem vorletzten Speedlog. Daraufhin entspann sich eine heiße Debatte über die Frage „Ausbilden ja oder nein?“ An dieser Stelle...

...habe ich einmal die interessantesten Debattenbeiträge zusammengetragen. Meine Position vorab ist klar: Ich denke, dass wir ohne eigene Ausbildungsanstrengungen keine Chance haben werden, auf dem freien Markt ausreichend viele und gute Mitarbeiter zu finden, um die Zukunft zu meistern (im sprichwörtlichen Sinne) – Aufhebung des Meisterzwangs hin oder her.

Heiß auf Zweiradmechatronik?

Heiß auf Zweiradmechatronik?

25.01.19 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 4/II), Folge 659: Gute Kunde kommt dieser Tage von Bundesinnungsmeister Frank Döring: Die Jugend... lesen

Meine Schlussfolgerung: Wer nicht ausbildet, dürfte über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Der Grund ist so einfach wie naheliegend: weil ihm die menschlichen Ressourcen ausgehen. Die großen Motorradbetriebe haben das offensichtlich verstanden. So entdecke ich im aktuellen Kundenmagazin von Limbächer und Limbächer 2019 (wurde kürzlich auf der Motorradwelt Bodensee verteilt) gleich eine ganze Seite zum Thema Ausbildung in Deutschlands größtem Motorradhaus. Aktuell befinden sich 19 Mitarbeiter in der Ausbildung. „Die Begeisterung für das Thema Motorrad ist bei unseren Azubis zu spüren", heißt es da. Limbächer habe dem Thema Ausbildung von Anfang an sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt, teilt das Unternehmen seinen Kunden mit. So konnte über die Jahre der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern im ständig wachsenden Unternehmen zu großen Teilen selbst gedeckt werden. Was dazu geführt hat, dass Stand heute, 30 Mitarbeiter ihre Ausbildung im Unternehmen gemacht haben und noch mit großer Leidenschaft im Team arbeiten. Eine Zahl, auf die Klaus und Fritz Limbächer, die beiden Inhaber der Firma, besonders stolz sind: In den vergangenen 25 Jahren haben über 90 junge Menschen ihre Ausbildung bei Limbächer erfolgreich abgeschlossen. Wow, was für eine tolle Zahl – wer bietet mehr? Angeboten wird ein breites Spektrum an Ausbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Automobilkaufmann mit Schwerpunkt Motorrad, Kfz-Mechatroniker mit Schwerpunkt Motorrad, Zweiradmechaniker, Bürokaufmann, Einzelhandelskaufmann Kfz-Teile und Zubehör.

„Okay“ könnte man nun versucht sein zu sagen, „Limbächer ist halt so ein großer Tanker, der kann sich das leisten und die Ausbildung auch kompetent und zielführend managen. Doch als kleiner Betrieb stehe ich vor einer Herkulesaufgabe, die ich mir nicht leisten kann und die meinen organisatorischen Rahmen überfordert“.

Jens Vater sieht das so: „Ich würde gerne ausbilden. Um aber eine sehr gute Ausbildung gewährleisten zu können, benötigt dies Zeit und sehr viel Geld. Als Einmannunterhalter habe ich so schon kaum Zeit und bekomme die Arbeiten kaum fertig. Nun noch einen unerfahrenen jungen Auszubildenden mitzuziehen, sodass er auch richtig was mitbekommt, ist kaum möglich.

Zudem sind die Lehrvergütungen zu hoch. Und dafür, dass ich Ihm meine Tricks zeige, mir unendliche Stunden in seine Ausbildung stecke und parallel dazu meine Arbeit nicht fertig bekomme und dies zu einem Umsatzrückgang führt – wäre eine Ausbildung ein Genickbruchgeschäft für mich und den Betrieb. Gerade jetzt, zu dieser Zeit kommt ein weiterer Punkt dazu: Schnee und Eis. Ich kann meine Werkstatt nicht mal ausräumen, es warten ca. 20 Motorräder auf Arbeitsbeginn, Fertigstellung und Auslieferung. Nun verdiene ich jetzt schon kaum was in den Monaten von Januar bis März, jetzt noch einen Mechaniker oder Lehrling durchziehen würde meine dünne Finanzdecke zum reißen bringen. Das ist auch der Grund, warum es kaum gute Mechaniker gibt. Die Lehrlinge haben häufig ein falsches Bild vom Beruf sowie der Lehr- oder Mechanikervergütung.

Jetzt stecke ich irgendwie diese Energie und die Kohle in diesen Lehrling, nach der Ausbildung ist er, wenn er nicht das Abi vorher gemacht hat, 22 bis 23 Jahre alt. Ein Gehalt von 1.500 Euro netto, dann hat er schon so viel wie sein Chef, kein Sommerurlaub und im Winter viel Pause mit der Angst im Nacken stempeln gehen zu müssen. Wäre nicht der erste Motorradmechaniker, der im Winter zum Arbeitsamt wackelt.

Nun braucht nur noch die Freundin schwanger werden oder die Vorstellung seiner Freizeitgestaltung sich ändern – und schon wandert er in die Industrie ab. Hier kommt er in einer 36-Stunden-Woche mit einem Monatslohn von 2.200 netto nach Hause.“

Was meinen Sie? Bleibt die Ausbildung von Zweiradmechatronikern ein Privileg großer Mehrmarkenhändler und Megadealer à la Filderstädter oder Aachener Modell? Wie kommen Freie Werkstätten an ihr Personal? Wie wird dort das Thema Ausbildung angegangen? Schreiben Sie mir.

Kraftradwerker!

Im folgenden verewige ich an dieser Stelle ein paar interessante und fundierte Kommentare aus der Szene zur Azubi-Debatte. Zum Beispiel Clemens Jepkens: „Ich denke, es liegt vielfach daran, dass keine geeigneten Bewerber gefunden werden, bzw. die Vorstellungen der Bewerber falsch sind. Das stellen wir leider immer wieder fest. Interessant wäre es noch zu wissen, wie viele Kfz-Mechatroniker Schwerpunkt Motorradtechnik ausgebildet werden, da doch etliche Betriebe die Kfz und Motorrad machen, diesen Beruf ausbilden.“

Hermann Lackermann vom Industrieverband Motorrad weist uns auf das tolle Projekt Kraftradwerker der Cheflobbyisten aus Essen hin: „Hier findet man weitere Informationen zum Ausbildungsberuf und für junge Menschen, die sich für das Zweiradhandwerk interessieren.“ Stimmt! Tolle Homepage, die moderne Werbung macht für einen tollen Job. Daumen hoch für diese IVM-Initiative. Es ist wichtig, dass sich auch die Industrie des Themas annimmt und den Handel und die Werkstätten dabei nicht alleine lässt.

Die Saison 2019 in der Glaskugel

Hinweis in eigener Sache: Um ein plastisches Bild von der bevorstehenden Motorradsaison zu bekommen und die Konjunkturlage richtig einzuschätzen, haben wir auf unserer Homepage eine aktuelle Online-Umfrage laufen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die neue Saison? Stimmen Sie ab und malen Sie am Konjunkturbild 2019 mit. Je mehr mitmachen, desto realistischer wird das Gesamtbild.

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