Die Crux mit den unsicheren Versicherungen

Fachtagung 2016: Peter Zitzmann, Zitzmann & Partner

| Autor / Redakteur: Philip Hattingh / Elena Koch

Peter Zitzmann, der Versicherungsfachmann für die Motorradbranche.
Peter Zitzmann, der Versicherungsfachmann für die Motorradbranche. (Bild: bike und business/Marcel Gollin)

Immer mehr Motorradhändler werden im Schadensfall von ihrer Versicherung im Stich gelassen. Wir verraten Ihnen, worauf Sie achten müssen und wie Sie dem bösen Erwachen im Ernstfall vorbeugen.

11.000 Euro – so hoch war der finanzielle Schaden von Joachim Bäcker nach langem Streit mit seiner Versicherung. Dabei war er sich sicher, dass sein Motorradhandel gegen alle Eventualitäten versichert sei. Vor einigen Jahren, als er sein Geschäft eröffnete, ließ er sich ausgiebig beraten und entschied sich daraufhin, alle Motorräder mit Haftpflicht und Vollkaskoschutz versichern zu lassen. Bisher musste sich der Händler glücklicherweise nur mit kleinen Dingen an seine Versicherungsgesellschaft wenden. Soweit gab es nie Probleme. Der letzte Schaden war allerdings recht groß und die Versicherung wollte nicht zahlen. Herr Bäcker schaltete seinen Anwalt ein und nach langem Rechtsstreit bekam er von der Versicherung einen Teil zurück. Er blieb aber trotzdem auf Kosten in Höhe von 11.000 Euro sitzen. Schuld daran ist er selbst, weil er das Kleingedruckte im Versicherungsvertrag nicht gelesen hat. Laut Versicherung und Gerichtsbeschluss handelte er grob fahrlässig und muss somit einen Großteil der Kosten selbst tragen.

Warum ein ausgiebiger Blick in die Versicherungsunterlagen lohnt

So oder so ähnlich wie in diesem fiktiven Beispiel ergeht es vielen Motorradhändlern in Deutschland. Viele beschäftigen sich mit ihren Versicherungsverträgen nicht ausgiebig genug. Außerdem sind die Verträge oft schwer verständlich formuliert. Wem sagen die Begrifflichkeiten „D.1.1 AKB“ oder „§28 Abs. 2 VVG“ schon etwas. Wer sich allerdings nicht ausreichend genug mit den Versicherungsbestimmungen beschäftigt, handelt grob fahrlässig. Grob fahrlässig ist laut Bundesgerichtshof derjenige, der „unbekümmert und leichtfertig handelt“. Der Versicherungsnehmer ist also in der Pflicht sich mit den ihm bereitgestellten Versicherungsinformationen zu beschäftigen. Wer dies nicht möchte, kann sich an einen Dienstleister wenden. Dieser hilft dem Motorradhändler, die für ihn optimale Versicherung zu finden und berät in welchen Situationen der Händler Acht geben muss. Hierauf spezialisiert ist beispielsweise die Firma Zitzmann & Partner. Auf der Fachtagung »bike und business« stellte Peter Zitzmann aktuelle Gerichtsurteile zu Versicherungsklagen vor. Außerdem präsentierte er, wie der Motorradhändler sich schützen kann und wann der Versicherungsschutz erlischt, damit es einem nicht ergeht wie Herrn Bäcker aus dem Beispiel.

Die ganze Problematik ergab sich für den Motorradhändler Bäcker, da er sich darauf eingelassen hatte, seinem treuen Kunden Christian Schmidt ein Motorrad zu überlassen. Der leidenschaftliche Motorradfan Schmidt war auf der Suche nach einem neuen Zweirad. Die meisten Motorradfahrer kennen das Problem. Nach der ersten Probefahrt hat man noch kein konkretes Gefühl für die Maschine bekommen und würde sie gerne länger testen. Schmidt fragte beim Händler nach, ob es möglich wäre, dass er das Motorrad für ein Wochenende zur Testfahrt miete. Für Bäcker stellte das kein Problem dar. Um allerdings den Wertverlust durch die ausgiebige Probefahrt auch abzudecken, verlangte er von Schmidt 200 Euro. Dies hatte er bereits bei anderen Kunden ähnlich gehandhabt.

Vorsicht, Selbstfahrervermietung!

Jene Situation, die wohl die meisten Motorradhändler schon einmal erlebt haben, kann problematisch ausgehen. In diesem konkreten Fall liegt nämlich eine Selbstfahrervermietung vor. Das Fahrzeug ist durch die Versicherung für gewöhnlich nämlich als Fahrzeug zur Eigenverwendung versichert. Die gewerbsmäßige Vermietung ist somit ein Verstoß gegen die Verwendungsklausel der Versicherung. Gewerbsmäßig bedeutet, dass der Händler auch zukünftig bereit ist, Fahrzeuge gegen Entgelt zu vermieten. In diesem Fall liegt dies nahe, da es in der Vergangenheit ja auch bereits schon mehrere Vermietungen gegeben hat. Die Versicherung muss hier mit einem erhöhten Risiko rechnen und wird sich somit sträuben, im Schadensfall den vollen Betrag zu übernehmen. Der Händler verstößt nicht nur gegen die Verwendungsklausel der Versicherung, sondern handelt auch grob fahrlässig, da er in der Pflicht ist, sich mit den Versicherungsbestimmungen auseinanderzusetzen. Daraus folgt, dass der Versicherer berechtigt ist, seine Leistung der Schwere des Verschuldens entsprechend zu kürzen. Die Kürzung wird auch als Leistungsfreiheit bezeichnet. Bei grob fahrlässigem Handeln liegt die Leistungsfreiheit für gewöhnlich bei 50 Prozent.

Was die Versicherung zahlt und was nicht

All diesen Dingen ist sich Herr Bäcker nicht bewusst und vermietet somit blauäugig das Motorrad an Herrn Schmidt. Der Mieter verursacht an dem Wochenende einen Unfall und es entsteht ein Haftpflichtschaden (Sach- und Personenschaden) in Höhe von 30.000 Euro sowie ein Vollkaskoschaden am Motorrad (Sachschaden) in Höhe von 12.000 Euro. Auf Grund der Kürzung von 50 Prozent ist der Haftpflichtversicherer lediglich verpflichtet, für Herrn Bäcker die Hälfte der Kosten des Sach- und Personenschadens zu übernehmen.

Glücklicherweise hilft dem Motorradhändler an dieser Stelle eine Bestimmung aus den Allgemeinen Bedingungen für Kfz-Versicherungen in Deutschland (AKB). Laut D.2.3 AKB ist die Leistungsfreiheit für Anbieter von Haftpflichtversicherungen auf 5.000 Euro begrenzt. Vom Haftpflichtschaden bleiben also Kosten in Höhe von 5.000 Euro beim Händler hängen. Die anderen 25.000 Euro übernimmt die Versicherung. Bei der Vollkaskoversicherung greift die Leistungsfreiheit in Höhe von 50 Prozent erneut, allerdings ohne Begrenzung. Der Motorradhändler wird also konkret die Hälfte des Sachschadens selbst tragen müssen. In diesem Beispiel sind dies 6.000 Euro. Alles in allem ergibt sich der zu Beginn bereits erwähnte finanzielle Schaden von 11.000 Euro für Herrn Bäcker.

Um ein grob fahrlässiges Handeln vorzubeugen, ist dringend zu raten, die Versicherungsbestimmungen zu prüfen. Falls Sie als Motorradhändler bereits ähnliche Wochenendvermietungen angeboten haben, dann sollten Sie nun schnellstmöglich prüfen, ob ihre Versicherung Selbstfahrervermietung abdeckt. Nur so sind Sie auf der sicheren Seite und erleben kein böses Erwachen.

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