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Die Gute-Laune-Truppe von der Waterkant

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Martina Eicher

Unternehmensportrait: Wilhelmsen Motorradtechnik belegt den 2. Platz beim „Motorradhändler des Jahres 2012“.

Das Team um Inhaber Gerhard Wilhemlsen (3. v. re.) und Verkaufsleiter Fritz Doser (Mitte): gut gelaunt und hochprofessionell.
Das Team um Inhaber Gerhard Wilhemlsen (3. v. re.) und Verkaufsleiter Fritz Doser (Mitte): gut gelaunt und hochprofessionell.
(Foto: Jan Rosenow )

Südlich des Weißwurstäquators herrscht ja das Vorurteil, dass die Norddeutschen in der Mehrheit wortkarge und verschlossene Typen sind. Doch wie fast jedes Vorurteil hält auch dieses der Wirklichkeit nicht stand – da muss man sich nur die Stimmungskanonen von Wilhemsen Motorradtechnik in Oeversee nahe Flensburg anschauen. Sie machten nicht nur den Jurybesuch zu einem erfrischenden und kurzweiligen Erlebnis, sondern rockten mit der hauseigenen Band, bestehend aus Verkaufsleiter Fritz Doser und Marketingmann Micha Mark Knierim, auch die Preisverleihung in Würzburg. Als Zweitplatzierter hinter dem Sieger Trinkner aus Baden-Württemberg kürten sie sich gleich einmal zu „Norddeutschlands Motorradhändler des Jahres“ und zum „Sieger der Herzen“. Warum nicht!

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Gerhard Wilhelmsen hat sich im Jahr 1979 „mit ganz viel Optimismus, aber ohne eine D-Mark“ selbstständig gemacht. Lange Zeit importierte er „grau“ japanische Motorräder. Zuerst war er im Keller eines Wohnhauses ansässig, seit 1984 in einer ehemaligen Gastwirtschaft in Oeversee, die auch heute noch der Sitz des Betriebs ist. Seither wurde das Gebäude drei Mal „heftig“ umgebaut. Trotz des dörflichen Umfelds liegt der Betrieb durch die gute Verkehrsanbindung sehr attraktiv und lockt auch viele dänische Kunden an. Als die offiziellen Importeure Ende der neunziger Jahre das Importgeschäft immer mehr erschwerten, musste Wilhelmsen innerhalb kurzer Zeit sein Konzept komplett ändern – weg von den japanischen Marken, weg vom reinen Vertrieb. Der Neustart gelang ihm im Jahr 2000 mit Triumph; 2004 kam BMW hinzu. Zusätzlich vertritt er Can-Am Spyder und Kymco. Auch die Kundenbasis musste er neu aufbauen: „Früher kamen die Kunden, weil wir wegen des Imports billiger waren. Heute müssen wir durch Emotionalität überzeugen und die Kunden fest an uns binden.“ Dafür setzt er auf ein dynamisches Team rund um den Verkaufsleiter Fritz Doser. Das Motto lautet, so nah wie möglich am Kunden zu sein und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. „Wir sind alle selbst total bekloppte und verstrahlte Motorradfahrer“, meint Fritz Doser mit einem Lächeln. Besonders in Sachen Medienaffinität macht den Norddeutschen niemand etwas vor. Auf der Homepage mit der einprägsamen Adresse www.motorradtechnik.de gibt es „Wilhelmsen TV“ zu sehen – das sind absolut professionell produzierte und manchmal zum Schreien komische Dokumentationen über Ausfahrten, Rennstreckentrainings und andere Events. Damit bleiben die gemeinsamen Erlebnisse den Kunden lange im Gedächtnis. Der Erfolg: „Wer einmal infiziert ist, kommt immer wieder“, sagt Fritz Doser. Immer wieder haben das Wilhelmsen-Team und der professionelle Moderator, Reporter und Musiker Knierim, der den Betrieb in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, überraschende Ideen. So etwa organisierte der Betrieb eine Talkrunde mit dem BMW-Vertriebschef Heiner Faust und KBA-Präsident Ekhard Zinke. Alles steht unter dem Motto: „Spaß, Geselligkeit und Action – das ist Wilhelmsen Motorradtechnik.

Jeden Mittwoch ist Motorradtour

Bei seinen Events versucht das Team, möglichst viel selbst oder über eigene Kontakte zu machen. So gibt es beispielsweise einen Kunden des Hauses, der als Dienstleister jeden Mittwoch in der Saison ab 19 Uhr eine Motorradtour vom Betrieb aus veranstaltet. Der Termin ist fest und findet bei jedem Wetter statt. Die Kunden wissen das und können sich darauf verlassen. Bei Interesse stehen den Teilnehmern die Vorführmaschinen des Hauses zur Verfügung, und so können sie ihr nächstes Motorrad gleich auf Herz und Nieren testen. Die Vielfalt der gemeinsamen Aktivitäten ist erstaunlich und trägt der Tatsache Rechnung, dass sich eine Werkstatt nur auslasten lässt, wenn die Kunden ihre Maschinen auch nutzen – und das tun sie bekanntlich am liebsten in der Gruppe. Also gibt es eigene Sicherheits- und Kurventrainings, Ausfahrten entlang des Nord-Ostsee-Kanals, Sportfahrerlehrgänge in Oschersleben oder Portimao, Trainingsveranstaltungen für Endurofahrer und vieles mehr. Sogar Enduroreisen in die Türkei organisiert das Team. Vor lauter Spaß vergisst Wilhelmsen aber nicht das Verkaufen – auch nicht in der Werkstatt. Die Direktannahme wird in einer eigenen Halle durchgeführt und durch aktiven Zubehör- und Serviceverkauf ergänzt. Die Annahmehalle dient an Wochenenden sogar als Schleuse zur Werkstatt. Sie besitzt ein Zahlenschloss, dessen Code die Mitarbeiter den Kunden auf Wunsch mitteilen. So können diese ihre Maschine schon am Sonntag anliefern und sicher und überdacht abstellen. Sehr wichtig ist auch das Gebrauchtgeschäft. Der Betrieb nimmt grundsätzlich alle Marken in Zahlung und kennt sich durch seine Geschichte auch mit allen aus. „Wir haben sogar schon eine Enfield Diesel angenommen“, erinnert sich Gründer Gerhard Wilhelmsen. Im Neufahrzeugverkauf fällt die hohe Finanzierungsquote von 70 Prozent auf – und das, obwohl in ländlichen Regionen ja eigentlich die Barzahlungsmentalität vorherrscht. Aber die Verkäufer sprechen die Kunden aktiv auf das Thema an. Fast ausschließlich werden Ballonfinanzierungen über 18 oder 24 Monate verkauft, weil diese nach einer gewissen Zeit wieder einen Anknüpfungspunkt für einen Neuverkauf geben.

Das Bekleidungsgeschäft betreut ein Mieter

In Sachen Bekleidung hat Wilhelmsen eine interessante Lösung gefunden. Seit 25 Jahren ist ein Teil des Obergeschosses Motorradbekleidungsladen untervermietet. Damit muss sich das Team nicht selbst um das komplexe Bekleidungsbusiness kümmern, hat aber trotzdem stets ein Top-Angebot mit bekannten Marken im Haus, die es nicht in jeder Polo- oder Louis-Filiale gibt. Die Ware der Hersteller Triumph und BMW führt Wilhelmsen selbstverständlich selbst. Die Weichen für den Betriebsübergang hat der 57-jährige Inhaber ebenfalls schon gestellt. Verkaufsleiter Doser (44) übernimmt die Verantwortung als Geschäftsführer, während der Gründer es noch einmal in einem anderen Geschäftsfeld wissen will. Er kümmert sich beruflich zukünftig um Reisemobile. Der Leitspruch bei Wilhelmsen Motorradtechnik lautet: „Man kann ohne Motorrad leben. Es lohnt sich nur nicht.“ Die begeisterte Jury vergibt den zweiten Platz beim „Motorradhändler des Jahres“ und fügt hinzu: „Man kann ohne Wilhemsen Motorradtechnik leben. Aber dann verpasst man etwas.“

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