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Die Hälfte aller Kfz-Betriebe braucht Corona-Soforthilfen

| Autor / Redakteur: Henning Hamann / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Fast die Hälfte aller Kfz-Betriebe benötigt in Zeiten von Corona finanzielle Unterstützung. Das hat die Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH mit Sitz in Dortmund in einer aktuellen Branchenumfrage herausgefunden.

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Die Kfz-Branche leidet unter der Coronakrise und kommt ohne staatliche Soforthilfen nicht mehr aus.
Die Kfz-Branche leidet unter der Coronakrise und kommt ohne staatliche Soforthilfen nicht mehr aus.
(Bild: Cock-Robin auf Pixabay)

Laut einer Branchenumfrage der auf Verkehrsrecht spezialisierten Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH unter fast 200 Teilnehmern der Kfz-Branche, haben etwa 43 Prozent aller Reparaturbetriebe bereits finanzielle Soforthilfen von Bund und Land in Anspruch genommen. Bei Karosserie- und Lackierbetrieben lag der Anteil nur geringfügig höher als bei Marken- und Freien Werkstätten. Der Anteil der Betriebe mit Partnerverträgen eines Kfz-Versicherers oder Schadensteuerers lag mit 40 Prozent deutlich niedriger als bei Betrieben ohne entsprechende Vereinbarung (45 Prozent). Von den befragten Kfz-Sachverständigen gaben 30 Prozent an, bereits finanzielle Soforthilfen beantragt zu haben. In knapp 15 Prozent aller Anträge auf Soforthilfe erfolgten bereits Auszahlungen oder wurden angekündigt. (Anm. d. Redaktion: Belastbare Zahlen aus dem Motorradsektor wirft die Umfrage nicht aus. Unter dem Strich bescheinigen Experten der Zweiradbranche, die gewohnt ist, mit starken Saisonschwankungen umzugehen, einen längeren Atem, um die derzeitigen Liquiditätsengpässe besser verkraften zu können. Gleichwohl setzen einige Zweiradbetriebe für ihre Verkaufsmitarbeiter das Instrument der Kurzarbeit ein, um der Corona-Krise die Stirn zu bieten. Der Rest hofft, die Krise bis Anfang Mai im Wesentlichen ohne staatliche Hilfen durchzustehen).

Bis zu 83 Prozent aller Karosserie- und Lackierbetriebe haben Kurzarbeit beantragt

Zurück zur Kfz-Umfrage der Kanzlei Voigt: Anträge auf Soforthilfe wurden recht homogen und von allen Befragten etwa gleichermaßen gestellt. Bei der Frage nach beantragter Kurzarbeit zeigt sich ein deutlich zerklüfteteres Bild. Während 78 Prozent aller Markenwerkstätten und sogar 83 Prozent aller Karosserie- und Lackierbetriebe bereits einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt haben, ist das bei den freien Werkstätten lediglich zu 57 Prozent und bei Kfz-Sachverständigen nur zu 25 Prozent der Fall.

Betriebsunterbrechungsversicherungen werden nur geringfügig in Anspruch genommen

Nur 5 Prozent aller befragten Betriebe haben bislang einen Leistungsantrag bei ihrer Betriebsunterbrechungsversicherung gestellt. 20 Prozent der Anträge befinden sich noch im Status der Prüfung, 80 Prozent der Anträge wurden bereits abgelehnt. Das wiederum verwundert nicht, da behördliche Allgemeinverfügungen zur Schließung von Reparaturbetrieben nicht bekannt sind. Ob Versicherungsschutz im Einzelfall in Frage kommt, weil aufgrund einer Masseninfektion einzelne Betriebe vollständig von den Gesundheitsämtern geschlossen wurden, bedarf indes jeweils einer Prüfung im Einzelfall. Von den befragten Kfz-Sachverständigen hat keiner einen entsprechenden Antrag gestellt.

Die Liquiditätseinbußen sind erheblich

Der signifikante Auftragsrückgang macht sich offenbar nun auch bei der Frage der Liquidität bemerkbar. 16 Prozent aller Reparaturbetriebe (Markenwerkstätten 14 Prozent, Freie Werkstätten 13 Prozent und Karosserie- und Lackierbetriebe 16 Prozent) haben bereits einen KfW-Corona-Hilfe-Kredit beantragt. Weitere 9 Prozent (Markenwerkstätten zu 14 Prozent, Freie Werkstätten zu 4 Prozent und Karosserie- und Lackierbetriebe zu 10 Prozent) haben einen Kredit über die Hausbank – ohne KfW-Förderung – in Anspruch nehmen müssen. Die Liquiditätseinbußen sind erheblich.

Damit sind ein Viertel aller Reparaturbetriebe auf zusätzliche finanzielle Unterstützung in Form von Krediten angewiesen. Bei den Gutachtern zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. Kein Sachverständiger ist wegen eines Kredits auf seine Hausbank zugegangen und nur 4 Prozent der befragten Gutachter haben bislang einen Antrag auf einen KfW-Corona-Hilfe-Kredit gestellt.

Die Stundung von Steuern und Beiträgen ist ein Gebot der Stunde

Um die Liquidität auch unabhängig von Krediten zu stärken, haben 40 Prozent aller Reparaturbetriebe einen Antrag auf Herabsetzung der Steuervorauszahlungen und immerhin 33 Prozent aller Betriebe einen Antrag auf Erstattung der Umsatzsteuersondervorauszahlung gestellt.

16 Prozent haben eine Stundung der Beiträge zur Berufsgenossenschaft und 19 Prozent aller Betriebe eine solche der Sozialversicherungsbeiträge in Anspruch genommen. Die Lage bei den Gutachtern sieht auch hier wiederum deutlich besser aus.

Lediglich 11 Prozent der Sachverständigen haben die Steuervorauszahlung herabsetzen und 15 Prozent von ihnen die Umsatzsteuersondervorauszahlung erstatten lassen. Stundungen zu BG-Beiträgen oder SV-Abgaben wurden von dieser Berufsgruppe nicht in Anspruch genommen.

Mieten wurden in den meisten Fällen vollständig bezahlt

Die Möglichkeit, Mietzahlungen einstweilen einzustellen haben die befragten Teilnehmer in unterschiedlicher Ausprägung genutzt. 100 Prozent der Kfz-Sachverständigen gaben an, die Miete für April 2020 vollständig beglichen zu haben. Bei den freien Werkstätten war dies mit 97 Prozent nahezu vollständig der Fall. Demgegenüber gaben noch 90 Prozent der Karosserie-und Lackierbetriebe und 75 Prozent aller Markenwerkstätten an, den Mietzins für April 2020 vollständig entrichtet zu haben.

Das Insolvenzrisiko ist ein Thema

Danach gefragt, wie sehr das Thema „Insolvenz“ die Betriebe (auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 die geringste und 5 die größtmögliche Sorge ausdrückt) beschäftigt, gaben – mit einem Wert von 1,98 – übergreifend alle Betriebe an, dass sie derzeit keine akuten Sorgen vor einer möglichen Insolvenz haben. Freie Werkstätten waren mit einem Wert von 2,08 tendenziell ein wenig mehr besorgt als Karosserie- und Lackierwerkstätten (2,0). Am wenigsten Sorge hatten Markenwerkstätten (1,85). Bei Betrieben mit einer Schadensteuerungsvereinbarung bestand überwiegend etwas weniger Sorge (1,89) als bei Betrieben ohne eine solche Vereinbarung (1,99).

Weitere Einzelauswertungen stellt die Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH auf Nachfrage unter umfrage@kanzlei-voigt.de oder über die Homepage zur Verfügung. Die Befragung wurde im Zeitraum vom 6. bis 14. April 2020 im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Teilgenommen haben insgesamt 195 Branchenteilnehmer aus dem gesamten Kfz-Bereich.

Der Autor Henning Hamann ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Kanzlei Voigt Rechtsanwälte Kanzlei Voigt Rechtsanwälte.

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