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Dieter Börjes: „Geiht nich, giff’t nich“

| Autor / Redakteur: Selina Pellner / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Dieter Börjes prägt mit seinem Bikerimperium die Branche in Deutschland. Dabei lenkt und steuert er gerne aus dem Hintergrund.

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(Bild: Privat)

Rote Backsteine zieren die Gebäude auf dem alten Fabrikgelände in Augustfehn. Ein warmes Licht durchflutet die renovierte Sheddachhalle in der Dieter Börjes und sein Team Harley Davidsons sowie Motorradzubehör verkaufen. Durch das Schaufenster mit grünem Fensterrahmen sieht man die auf hochglanzpolierten Harleys säuberlich aufgereiht. Beim Betreten des „Börjes American Bikes“ erfüllt ein ledriger Duft mit einem Hauch Benzin die Nase. Ja, Dieter Börjes besaß einen guten Riecher als er vor 40 Jahren in die Bikerbranche ging.

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EDV-Dienstleister, Harley-Händler, Motorradausstatter, Gastronom, Immobilieninhaber – oder kurz: Dieter Börjes. Es gibt quasi nichts, was er nicht macht. Mit der von Börjes und Hartmut Bruns entwickelten CSB-Software, einem Warenwirtschaftssystem, betreuen sie den Großteil des deutschen Motorradzubehörhandels. Der Harley Davidson-Laden, die Werkstatt sowie der Motorradzubehörladen und das Restaurant im Wasserturm – Dieter Börjes erschafft auf dem ehemaligen Eisenhüttengelände einen Hotspot für Biker aus ganz Deutschland. Sein alljährliches Frühlingsfest lockt mittlerweile über 20 000 Motorradliebhaber an.

Doch es war nicht immer Börjes Traum, in der Bikerbranche selbstständig zu sein. „Ich habe einfach nur die Selbständigkeit angefangen, aus Frust, weil ich für mein Motorrad Teile brauchte“, sagt der gelernte Baustoffkaufmann. Seine Frau Anke und er planten Anfang 1980 eine Motorradreise und suchten dafür vergeblich in Geschäften nach Motorradzubehör. „Dann hab ich gesagt, liebe Leute, wenn ihr das nicht könnt, mach ich es halt selbst“, erzählt er. Ein Dieter Börjes, ein Wort. Kurz darauf eröffnet er „db Motorradzubehör“ (später: „Börjes Bikers Outfit“) – mit nur 22 Quadratmeter Ladenfläche.

Der 63-jährgie Ammerländer ist im ganzen Umkreis bekannt wie ein bunter Hund. „Schon als Jugendlicher wurde ich immer als Börjes ertappt“, erklärt er. Da sei die markante Nase bereits als das Familien-Zeichen bekannt gewesen. Die Nase bleibt allerdings nicht das einzige, dass die Börjes-Geschwister miteinander teilen. 2003 gründen er und sein Bruder Klaus „Börjes American Bikes“ und verkaufen seither Harley Davidsons und Motorradzubehör. An der Kultmarke schätzt er, dass sie seiner norddeutschen Gelassenheit entgegenkommt: „Man hat einfach eine Sitzposition, die nicht verlangt, dass man nur Gas gibt“, erklärt Börjes.

Dabei fing seine Leidenschaft für Zweiräder klein an. Als junger Erwachsener sei er drei Jahre lang, jeden Tag mit einem Moped zur Arbeit gefahren. „Da würde man heute drüber lachen“, erinnert er sich schmunzelnd an seine Kreidler Florett RS. Doch auf dem Sattel seines Mopeds wuchs die Begeisterung für Motorräder. Heute ist sein Lieblingsmodell die Street Glide CVO von Harley Davidson. Da legt er sich aber nicht fest. Es gäbe schließlich auch andere schicke Modelle. Seine größte Reisemaschine ist eine Kawasaki Z900. Mit der 900 Kubik-Maschine ist er gemeinsam mit seiner Frau durch Europa getourt, wie ins südfranzösische Dorf Le Castellet zum 24 Stunden Rennen.

„Ich bin auch Motorrad-Rennsportfan“, sagt er. Damals hatte er viel Spaß daran bei den Trainings mitzufahren. Dabei sucht er nach Herausforderungen. Seine Lieblingsstrecke ist die kurvige Nürburgring Nordschleife. „Die ist von vielen gehasst, ich mags“, sagt er. Er selbst wollte aber nie professionell in den Rennsport einsteigen. „Ich glaube auch, da gibt’s andere Leute, die sind besser als ich“, meint er bescheiden.

Börjes ist ein Macher mit einer großen Leidenschaft für alte Gebäude. So restauriert er 2003 auf dem alten Fabrikgelände in Augustfehn zwei Sheddachhallen und zieht mit seinem Bekleidungsladen und dem Harley Davidson-Geschäft um. Sieben Jahre später kauft er das Kesselhaus mit dem Eisenhüttenturm auf dem Gelände. 2013 wagt er den Sprung in ein neues Geschäftsfeld: die Gastronomie. Das hat allerdings nichts mit amerikanischem Fastfood zu tun. Entsprechend seiner norddeutschen Gelassenheit ist Slow Food angesagt – aus der Region und in Bio-Qualität angesagt. Das sei Anke und ihm ein großes Anliegen.

Börjes, ein Workaholic? Auch wenn er es selbst verneint, ja, auf jeden Fall – aber ein entspannter. Denn: Wichtige Entscheidungen müsse man mit Ruhe treffen. Da bleibt das Handy im Urlaub auch mal stumm geschalten. Wie man weiß, schätzt Dieter Börjes seine Freizeit. Der Motor seines Bikes bleibt dabei oft kalt. Er fahre selten nochmal eine Runde nach Feierabend. Als Fernsehverweigerer fährt er lieber mit Anke ausgiebige Fahrradtouren, geht morgens um 7 Uhr schwimmen und fährt Ski – am liebsten in den Dolomiten.

Trotz seines Erfolgs verliert Börjes nie die Bodenhaftung. Menschen ernstnehmen, mitnehmen, zu führen und zu lenken. So beschreibt er nach langer Überlegung seine Stärken. „Dieser menschliche Umgang, und immer auf Augenhöhe mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden zu sein, zeichnet ihn aus“, sagt Malte Kreke, Geschäftsführer von „Börjes American Bikes“ am Standort Bremen. Dabei geht es Börjes nie darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Die Firma klar, die muss sich präsentieren. Ich nicht“, erklärt er. Das sei seine norddeutsche zurückhaltende Art.

Mit seiner Devise auf Platt „Geiht nich, giff‘t nich“ hat sich Dieter Börjes ein Bikerimperium aufgebaut. Dabei bleibt er besonnen, wenn er auf die letzten 40 Jahre zurückblickt. Er würde alles genauso wieder machen. Auch in harten Zeiten „gibt’s nur Vollgas voraus“, sagt er mit seiner norddeutschen Nüchternheit. Und so wird der Mann mit der markanten Nase und dem guten Riecher für Geschäftsideen es wohl noch einige Jahre machen – als Lenker im Hintergrund.

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