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Ducati-Mutter Audi: Mission to the Moon

| Autor: Silvano Böni

Google ruft zur Mission zum Mond auf. Private Teams sollen einen unbemannten Rover auf die Reise zum Erdtrabanten schicken und dabei unterschiedliche Aufgaben bewältigen. Mit dabei ist auch das Team „Part-Time Scientists“ mit ihrem Partner Audi.

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Der Audi-Mondrover des Teams «Part-Time Scientists».
Der Audi-Mondrover des Teams «Part-Time Scientists».
(Bild: Audi AG)

An Faszination hat der Mond auch fast 50 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung kaum verloren. Allerdings wurde es in den vergangenen Jahrzehnten eher ruhig um ihn. Andere Planeten, allen voran der Mars, bekamen mehr Aufmerksamkeit als der Erdtrabant. Mittlerweile ist das Mondfieber aber wieder ausgebrochen. Kurioserweise nicht bei den üblichen, großen Weltraumorganisationen wie NASA, ESA oder CNSA, sondern beim Technologieunternehmen Google. Dieses startete 2007 einen globalen Wettbewerb zur Förderung der privaten Raumflugaktivitäten – den Google Lunar X-Prize.

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Ziel des Internetgiganten: Innovativen, unkonventionellen und allen voran kostengünstigen Ideen zum Durchbruch verhelfen. Die Teilnahmebedingungen schienen simpel: Eine Anmeldegebühr sowie ein Konzept zur Durchführung sowie der Finanzierung. Die Hürden sind aber größer, als es auf den ersten Blick erscheint. Die Projekte müssen zu 90 Prozent ohne finanzielle Hilfe staatlicher Institutionen auskommen. Um zu gewinnen, muss das Siegerteam drei Aufgaben erfüllen: Die 384 000 km lange Reise schadlos überstehen und sicher auf dem Mond landen, eine 500-Meter-Fahrt überstehen sowie HD-Bildaufnahmen zur Erde senden.

Ein Verkehrsunfall mit Folgen

16 Teams sind noch offiziell mit dabei beim Rennen zum Mond. Eines davon sind die „Part-Time Scientists“, angeführt vom Berliner IT-Berater Robert Böhme. Unterstützung erhalten die jungen Ingenieure vom Automobilhersteller Audi. Zufall oder nicht, ein Auto spielte auch eine große Rolle in den Anfängen des „Part-Time Scientists“-Teams. 2008 erhielt Böhme in Folge eines nicht selbst verschuldeten Autounfalls 16 000 Euro für den entstandenen Schaden ausbezahlt. Den Großteil davon überwies er sogleich für die Teilnahme am Google Lunar X-Prize. Für Böhme eine Herzensangelegenheit. Star Trek hatte bereits früh sein Interesse für den Weltraum und seine unendlichen Weiten geweckt. Bei den Mitgliedern seines Teams sieht das ähnlich aus. Es gehe um die Einzigartigkeit und nicht ein Produkt, welches an hunderte Kunden verkauft werden würde. Die Mission sei ein Abenteuer. Auch das hohe Preisgeld, immerhin 20 Millionen Dollar, spielt bei den Ingenieuren eine untergeordnete Rolle. Ihnen geht es um die hohe Ingenieurskunst, um neue Erkenntnisse für die Technologieentwicklung. Die Missionsdaten legt das Team freiwillig komplett offen. Die Menschheit könne nur weiterkommen, wenn der Zugang zu Informationen gewährleistet wird, so Böhme.

Mittlerweile umfasst das Team 35 Jungingenieure und Experten. Angesiedelt sind sie in einem Berliner Industriegebiet. Der perfekte Ort, um auch mitten in der Nacht noch arbeiten zu können und Lärm und Dreck zu machen, ohne dass die Nachtruhe des Nachbarn gestört werden könnte. Böhme selbst muss das Hämmern und Schrauben aber mittlerweile anderen überlassen. Er ist als Führungsperson und Motivator gefragt, um sein Team zu koordinieren und auf Kurs zu halten.

Unmenschliche Bedingungen

Ein Fahrzeug zu bauen, welches die Landung auf dem Mond übersteht, dort eine 500 Meter lange Strecke fährt und danach auch noch im Stande ist, HD-Bildmaterial zur Erde zu senden, ist alles andere als einfach. Das wissen auch Böhme und sein Team. Auf dem Mond gibt es weder ein Magnetfeld noch eine Atmosphäre, welche vor Strahlung schützen könnte. Temperaturunterschiede von 300 °C gilt es auszuhalten. Die Bodenbeschaffenheit hat es ebenfalls in sich: 1.000 Mal feiner als Staub, dennoch scharfkantig wie Glassplitter. Wenn dieser an die falschen Stellen im und am Mondrover gelangt, ist das Abenteuer schnell vorbei. Nebst der extrem staubigen Umgebung ist die Mondoberfläche übersät mit Kratern, Rissen und Spalten in allen Größen. Für diesen holprigen Untergrund ist die im Mondrover verbaute Quattro-Technologie von Audi natürlich ein Segen. Jedes Rad ist in der Höhe und Geschwindigkeit individuell verstellbar und um 360° drehbar. Vier Radnabenmotoren und intelligente Algorithmen sorgen dafür, dass nur so viel Drehmoment freigegeben wird, dass keines der Räder durchdreht.

Aber auch der beste Antrieb der Welt nützt wenig ohne die richtige Orientierung. Dafür stehen lediglich vier Kameras zur Verfügung. Mit ihnen und dank des beweglichen Kopfs kann der Rover aber nicht nur die geeignete Fahrstrecke finden, sondern auch 3D-Aufnahmen und Panoramabilder machen sowie Gegenstände untersuchen. Durch die große Distanz kommen diese Signale allerdings erst 2,5 Sekunden später zum Lenker. Eine riesige Herausforderung. Das ist in etwa so, als würde man sturzbetrunken versuchen Auto zu fahren. Die Energie für den Antrieb und die Kameras liefert ein circa 300 Quadratzentimeter großes, schwenkbares Solarpanel. Eine unterstützende Batterie dient zudem als Puffer für Verbrauchsspitzen.

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Über den Autor

 Silvano Böni

Silvano Böni

Stv. Chefredaktor, Vogel Communications Group AG