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Ducati Super-Sport: Eine für alle

Autor / Redakteur: Thilo Kozik/SP-X / Elena Koch

Ducati präsentiert mit der neuen Super-Sport ein atemberaubend schönes Motorrad, das mit seinem Namen aber ein wenig in die Irre führt.

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Die S unterscheidet sich unter anderem durch edle Öhlins-Federelemente sowie eine serienmäßige Soziussitzabdeckung und den Quickshifter von der normalen SuperSport.
Die S unterscheidet sich unter anderem durch edle Öhlins-Federelemente sowie eine serienmäßige Soziussitzabdeckung und den Quickshifter von der normalen SuperSport.
(Bild: Ducati)

Die Besucher der Mailänder Motorradmesse Eicma haben sie zum schönsten Modell der Ausstellung gekürt – Ducatis neuestes Modell mit Namen Super-Sport hat den Nerv nicht nur der verwöhnten italienischen Zweiradfans getroffen. Mit ihrer fast nahtlosen Verkleidung, die wie aus einem Guss die stromlinienförmige Figur betont, und dem luftigen Heck verströmt sie die typisch sportliche Eleganz, für die die Motorräder vom Stiefel berühmt sind. Das Fehlen von Schraubverbindungen an der Kunststoffhaut, eine markant geschwungene LED-Tagfahrlichtleiste an der Front und die formschöne Einarmschwinge erhöhen die optische Wertigkeit der zweiköpfigen Modellfamilie: Neben dem roten Basismodell für 12.990 Euro steht eine SuperSport S zum Preis von 14.450 Euro in Weiß oder Rot bereit, das sich durch edle Öhlins-Federelemente sowie eine serienmäßige Soziussitzabdeckung und den Quickshifter unterscheidet.

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Irreführend – elegant anstatt supersportlich

Die äußerliche Ähnlichkeit zum Hypersport-Topmodell Panigale ist ebenso bewusst gewählt wie auch der Name Supersport, der auf ein gemäßigtes Ducati-Motorradkonzept aus den Neunziger Jahren zurückgeht. Dabei könnte beides im deutschsprachigen Raum durchaus falsche Assoziationen wecken: Diese Ducati ist nämlich nicht wirklich supersportlich oder gar extrem, das verdeutlicht schon die bequeme Haltung, die von hoch montierten Lenkerhälften, moderat positionierten Fußrasten und einer geräumigen Sitzbank herrührt. Eine zweistufig von Hand verstellbare kleine Scheibe – während der Fahrt kaum möglich – leitet in der hohen Stellung den Fahrtwind nach oben an den Helm und entlastet dadurch den Oberkörper etwas. Noch mehr Tourentauglichkeit steuern auf Wunsch halbfeste Seitentaschen und eine höhere Scheibe aus dem Zubehör bei, die zusammen mit heizbaren Griffen als Touring-Paket ab Mitte des Jahres angeboten werden.

Schalten wird zur Nebensache

Hinter der hübschen Verkleidung lugt der stehende Zylinder des Ducati-typischen 90°-Zweizylinders hervor. Dieser ist eine angepasste Version des flüssigkeitsgekühlten Vierventilers aus dem Landstraßenfeger Hypermotard, der aus 937 cm³ Hubraum maßvolle 113 PS bei 9.000 U/min und ein maximales Drehmoment von 96,7 Nm schon bei 6.500 U/min erlöst. Die neue Abstimmung hat dem Motor ein breites Drehmomentplateau verschafft, bei dem ab 3.000 Touren bis zum Ende des Drehzahlbands stets mehr als 80% des Drehmomentmaximums bereit stehen. Das macht den Desmo-Vau unheimlich gleichförmig: Schüttelt er sich unterhalb 2.500 U/min noch etwas unwillig, schiebt er darüber konstant voran bis zum sanft einsetzenden Begrenzer. Das Fehlen eines ausgeprägten Schubbereichs macht die Kraft selbst für wenig versierte Fahrer sehr gut beherrschbar und die Gangwahl fast zur Nebensache. So lässt es sich im zweiten, dritten oder vierten Gang – neuerdings im Voll-LCD-Cockpit angezeigt – ohne Einbußen beim Vortrieb durchs Kurvenrevier streifen. Nachlässiges Schalten indes mag das Sechsganggetriebe nicht und man landet bisweilen zwischen den Gängen.

Schräglagensurfen leicht gemacht

Ganz gleich welche Fahrerfahrung zugrunde liegt, das gelungene Fahrwerk macht das Schräglagensurfen zu einem leicht verdaulichen Genuss: Nicht ohne die sprichwörtliche Ducati-Stabilität, aber verfeinert durch eine ehrliche, handzahme Agilität wedelt die 210 Kilo leichte SuperSport behände durchs Winkelwerk. Ohne Kraftaufwand biegt die Italienerin auf die gewünschte Linie ein und hält die Spur ohne zu zicken. Im Zweifelsfalle verrichten die Bremsen ihre Aufgabe unspektakulär, aber wirkungsvoll, und selbst auf übelstem Untergrund wahren die Pirelli-Pneus noch einen ordentlichen Bodenkontakt.

Mit den gleichen Reifen tritt die hochwertigere, fast 2.500 Euro teurere S-Version zum Leistungsnachweis auf der kniffligen Rennstrecke Monteblanco an. Hier setzen die alltagstauglichen Gummis der Zeitenjagd alsbald enge Grenzen – soll es ernsthafter zur Sache gehen, muss umbereift werden. Als hilfreiches Ausstattungsmerkmal erlaubt der Quickshifter das Rauf- und Runterschalten ohne Kupplung, was zusammen mit der bei beiden Modellen serienmäßigen Antihoppingkupplung schnelles Fahren erleichtert. Die mannigfach einstellbaren Öhlins-Komponenten reagieren feinfühlig schon auf kleine Justierungen und erlauben so eine gute Anpassung an die jeweilige Fahrweise. Ambitioniertere Ducati-Fans dürfte die gleichförmige Leistungsentfaltung, die das Fahren so lässig und locker macht, hier jedoch weniger gefallen und als fehlende Charakterstärke auslegen. Immerhin tönt die SuperSport quasi als Ausgleich überraschend kraftvoll, geradezu sportlich aus dem knappen Doppelschalldämpfer auf der rechten Fahrzeugseite.

Kein Supersportler, aber ein gelungener Allrounder

Wer seine Erwartungen an das neue Motorrad vom Namen ableitet, muss unweigerlich enttäuscht sein. Nichtsdestotrotz ist diese Ducati ein gelungenes Modell, das den Italienern ein bislang nicht besetztes Segment eröffnet: Die Super-Sport ist ein vielseitig einsetzbarer Allrounder mit sportlichem Anstrich und atemberaubendem Design, der mit leichtem Exklusivitätsaufschlag für 12.990 beziehungsweise 14.550 Euro zu haben ist.

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