Dürfen Azubis was verdienen und was ist nur bei Honda los?

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 13/I), Folge 676. Zwei Themen heute im Speedlog: „Lieferschwierigkeiten bei Honda“ (am Ende des Textes) und die vom Gesetzgeber ins Auge gefasste möglich Einführung von Mindestlöhnen für Azubis. Letzteres Sujet hat eine Debatte ausgelöst, ob Azubis in ihrer Lehre überhaupt etwas verdienen oder traditionell nur eine Vergütung bekommen dürfen. Das heftige Leserecho reichte von Zustimmung bis Zumutung. Die wichtigsten...

...Argumente Pro und Contra liste ich in diesem Speedlog gerne auf. Los geht's. Werkstattmann „Jens V.“ kann einem Mindestlohn für Azubis rein gar nichts Gutes abgewinnen: „Azubis erbringen Leistung? Fachkräftemangel? Wartet mal ab. Daraus werden die wenigsten Fachkräfte. Nur, weil man die Kfz-Lehre bestanden hat, bedeutet dies nicht, dass man auch zu gebrauchen ist. Wer mindere Arbeiten ausführt, da sein Ausbildungsstand nicht mehr her gibt, hat nicht den Anspruch auf das Gehalt eines Gesellen! Wäre ja noch schöner, wenn der Lehrling 1.000 Euro bekommt und dann nicht einmal seine Kosten einspielt. Die feinen Herren, die sich diesen Schwachsinn ausdenken, dürfen gerne mal eine Motorradwerkstatt eröffnen und dann die Ausbildung zu diesen Konditionen übernehmen – mal sehen, wie lange die Spezialisten sich halten können. Für mich ist eine Ausbildungsvergütung kein Lohn, kein Verdienst...“

Heißes Eisen Mindestlohn für Azubis

Heißes Eisen Mindestlohn für Azubis

26.02.19 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 9/I), Folge 668: Nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 diskutiert die Politik nun den nächsten Schritt, der die unternehmerische Freiheit von Arbeitgebern einmal mehr beeinträchtigen würde: die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung. Davor warnt.... lesen

Kommentator „Bastelfred“ meint dazu sarkastisch: „Der Mindestlohn für Azubis ist ein unverzichtbarer Meilenstein auf dem Weg zum Sozialismus.“

Für „Patrick“ ist klar: „Ein Auszubildender ist kein Arbeiter mit geringer Qualifizierung bzw. sollte es nicht sein. Zweck einer Ausbildung ist – genau – Ausbildung, nicht Arbeit! Es muss ein Ausbildungsplan abgearbeitet werden. Wenn man sich an diese Vorgaben hält, bedeutet ein Auszubildender eher Aufwand als Ertrag. Denn eine ordentliche Ausbildung ist Aufwand. Das ist die Pflicht des Ausbildungsbetriebs und das Recht des Auszubildenden. Hinzu kommt, dass ein Auszubildender je nach Lehrjahr ein bis zwei Tage jede Woche in der Berufsschule ist. Selbst wenn er also mitarbeiten und damit Ertrag erwirtschaften würde, ist dieser deutlich geringer. Weiterhin sind überbetriebliche Lehrgänge bei den Handwerkskammern angedacht, welche in der Regel auch der Ausbildungsbetrieb zahlt.

Setzt sich Gesetzgebers Denke durch, dann müsste man im Grunde auch Studenten bezahlen. Denn auch ein Studium ist ein Aneignen von Kenntnissen. Und in zwanzig Jahren diskutieren wir dann darüber, dem Sechsjährigen in der 1. Klasse einen Mindestlohn für seine Ausbildung zu bezahlen? Ein Auszubildender ist kein normaler Mitarbeiter und kann daher nicht (oder annähernd) wie ein solcher bezahlt werden. Eine Ausbildungsvergütung ist kein Lohn, so dass es schon von einer gewissen Weltfremdheit zeugt, einen Zusammenhang zum Mindestlohngesetz zu sehen. Wieso ausbilden, wenn ich für ein paar Euro mehr einen ausgebildeten Arbeiter bekomme, der fünf 3 bis 4 Tage je Woche da ist und nicht jedes Jahr zwei bis fünf Wochen bei der Handwerkskammer hockt? Auf eine Formel gebracht: Keine Ausbildung = keine Ausgebildeten = Fachkräftemangel.“ Kommentar Ende.

„Oliver“ meint dazu: „Ich führe als Zweiradmechaniker-Meister für Baden-Württemberg die Überbetriebliche Ausbildung im Fahrradbereich durch. Meine Anmerkungen zum Thema: Einerseits habe ich Betriebe, die überhaupt keine Ausbildungsvergütung zahlen. Denn laut Sozialgesetzbuch dient die Ausbildungsvergütung nur dazu, die Kosten, die durch die Ausbildung entstehen, zu decken. Als da wären: Verpflegung während des Arbeitstages, Arbeitskleidung, Literatur, Fahrten zur Arbeitsstätte, zur Berufsschule, Aufenthalt Schulzeit. Sie dient also nicht zum Bestreiten des restlichen Alltags. Andererseits habe ich Betriebe, die aufgrund des Drucks der Industrie (bessere Löhne und Arbeitszeiten) jetzt schon mehr zahlen als es die Innung empfiehlt (Anm. d. Red.: Erstes Lehrjahr 600 Euro, zweites Lehrjahr 675 Euro, drittes Lehrjahr 750 Euro und viertes Lehrjahr 825 Euro brutto im Monat). In Baden-Württemberg gibt es die Landesfachklasse in Breisach. Dort müssen die Azubis wohnen und müssen eine Bleibe auf dem ohnehin schon angespannten Mietmarkt oder vor Ort in Betriebsnähe finden, wo es nicht viel besser aussieht. Denn das stelle ich hier immer wieder fest: Viele stammen aus alleinerziehenden Familien, haben noch kleinere Geschwister oder wohnen bereits in WGs oder in eigenen Zimmern. In Freiburg gehen die Mieten gerade durch die Decke, ich habe Angebote von 20 Euro pro Quadratmeter kalt gesehen! Und das bei noch so kleinen Behausungen! Wer also gute Azubis möchte, muss leider das ganze Umfeld sehen, die Mieten und die Konkurrenz im Bewerbermarkt um Azubis.“

Kommen wir nun zu den Befürwortern des Mindest-„Lohns“ für Azubis: Der Kommentator „Andreas“ lobt den Vorstoß des Gesetzgebers: „Tja, in Zeiten des Fachkräftemangels, speziell im Handwerk, ist es sicherlich eine gute Idee, zur Motivation zukünftiger Azubis über eine Nichtanhebung der Ausbildungsvergütung nachzudenken. Und welcher Azubi, mal ehrlich, erbringt denn keine Leistung? Und sei es nur die Werkstatt fegen und aufräumen...“

Ein Vorschlag zur Güte kommt aus Baden-Württemberg. Andreas T. schreibt: „Ausbildung kostet Geld und Geduld, ist aber notwendig. Die Frage, die sich mir stellt: Müsste nicht dringend der Aufbau der Ausbildung überholt werden? Und sollten sich nicht die Industrie/Land/Bund/Hersteller etc. mehr an der Ausbildung (Kosten/ Inhalte etc.) beteiligen? Das würde dem Niveau und Wert unser Ausbildung sicherlich nur gut tun. Wir haben ein guten Job, und der sollte sich auch lohnen. Denn wer wenig in die Zukunft investiert, der bekommt meistens auch wenig heraus.“

Honda-Händler monieren Lieferengpässe

Mit diesem Speedlog schließen wir das Thema „Mindestlohn für Azubis“ ab und brechen zu neuen Themen auf. Zum Beispiel: Was ist aktuell nur bei Honda los? Mir wurde gestern von mehreren Händlern unabhängig voneinander und aus allen Teilen der Republik zugetragen, wonach Honda Deutschland – Niederlassung der Honda Motor Europe Ltd. – erhebliche Lieferschwierigkeiten habe und Frankfurt derzeit angeblich nicht in der Lage sei, die versprochenen und bereits vorgeorderten Maschinen zu liefern. Engpässe gebe es vor allem für nachgefragte Modelle wie z.B. CBR 125 oder CB 500, den Hoffnungsträgern für die neue Saison. Die Händler fiebern dem Saisonstart am 6. April entgegen und schieben nun Frust. Tatsächlich kocht so manche Händlerseele über, greift zum Hörer und bemüht das »bike und business«-Sorgentelefon. Was ist da los? Ich habe eine Anfrage bei Honda Deutschland in Frankfurt auf den Weg gebracht. Wo drückt der Schuh? Sind es aus deutscher Sicht verfehlte Allokationen des japanischen Werkes, Managementfehler oder schlicht Planungsdefizite des Importeurs? Das alte Geschäftsjahr geht am 31. März zu Ende. Bitte schreiben Sie mir. Journalistische Vertraulichkeit sage ich Ihnen wie immer zu. Wir wollen mehr über die Ursachen und Hintergründe erfahren und wie immer zu einer konstruktiven Problemlösung beitragen. Kritisiert wurde seitens der Händler auch die Abstinenz der Marke Honda auf den wichtigen deutschen Frühjahrs-Regionalmessen. Wachstum für eine Marke entsteht nur, wenn Hersteller wie Händler zufrieden sind und erfolgreich ihren Geschäften nachgehen können. Ohne Ware tut man sich dabei freilich schwer.

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