Durch den Stau geschlängelt

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 15/2016/II). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Würzburg, den 15. April 2016 – Gewusst? Durchschlängeln im Autobahnstau bleibt gesetzeswidrig. Und das, obwohl eine entsprechende Petition mit einer überwältigenden Resonanz von 135.248 Online-Unterschriften vorlag. Am 8. April lehnte der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages das Volksbegehren ab. Es sei im Stau stets hoheitliche Aufgabe der Polizei zu entscheiden, wer auf der Standspur dem Stau entfliehen dürfe, zum Beispiel bei extremen Temperaturen. Lediglich bei Gefahr für Leib und Leben (drohender Hitzschlag) könnten sich Motorradfahrer ja auf „rechtfertigenden Notstand“ berufen, um sich in Sicherheit zu bringen; wenn eine Gefahr von ihnen selbst oder von Dritten abgewendet werden muss. Grundlage dafür ist der Paragraph 16 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OWiG). Lapidar empfehlen die Politiker Motorradfahrern im Staufall, „den Motor abzustellen und das Motorrad mit dem Ständer im Stand zu halten“.

Praxisfremde Schreibtischhengste

Solche Tipps von altehrwürdigen Politikinstitutionen lassen einen nur kopfschüttelnd zurück. Praxisfremdheit regiert die Welt. Unter den Berliner Schreibtischhengsten fährt garantiert keiner selbst Motorrad. So muss im Grunde nun jeder Biker es mit seinem Gewissen vereinbaren, ob er weiterhin die Staugasse als legitimen Fluchtweg nutzt oder lieber seinen Bock brav auf den Ständer stellt, wie vorgeschlagen. Je nachdem, wie wichtig ihm der Grad seiner (noch verbliebenen) Freiheit(en) ist und ob er als mündiger Bürger bereit ist, gegen die staatliche Bevormundung anzukämpfen. Wie werden Sie es halten? Die „Notstandsgesetze“ anwenden, weil die Blase drückt, die Sozia vor dem Hitzekollaps steht, wegen (Stau)-Nässe der Kälteschock droht oder schnell die nächste Insulinspritze gesetzt werden muss - oder doch den braven deutschen Motorradmichel mimen und ihr Fahrzeug vorübergehend stilllegen?

Kleine Zweiradfluchten

Schreiben Sie mir Ihre persönliche Staustrategien und was Sie in Ihrem bisherigen Motorradleben beim „illegalen“ Durchschlängeln auf unseren Autobahnen schon erlebt haben. Motto: Flucht nach vorne oder der Kampf gegen die missgelaunten und missgünstig agierenden Kollegen Autofahrer; Gottseidank nur eine kleine Minderheit. Das Gros der Automobilisten gönnt uns generös unsere kleinen Zweiradfluchten. Können die sich doch in ihren klimatisierten Blechkisten mit ausreichend Erfrischungsgetränken im Cupholder über den Stau retten und sich den letzten Blockbuster reinziehen, der im Blu-Ray-Player in der Rücksitzlehne flimmert oder in ihrer Not auf die nächste Staffel von „Achtung Kontrolle!“ von Kabel 1 warten.

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