E-Fahrrad tunen? Die KÜS ist dagegen

Kfz-Sachverständiger Hans-Georg Marmit stellt sich der Frage

| Autor / Redakteur: sp-x / Chris Sternitzke

Tuning-Gegner: Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS.
Tuning-Gegner: Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS. (Foto: KÜS)

Auch wenn das Elektrofahrrad „nur“ 25 km/h fährt – über eine Leistungssteigerung sollte man nicht nachdenken. Denn selbst ein Plus von zehn km/h kann gefährlich werden. KÜS-Sprecher Hans-Georg Marmit ist ein klarer Tuning-Gegner.

Bei Elektrofahrrädern besteht die Möglichkeit des Tunens. Doch ist dieser Schritt überhaupt sinnvoll. Unter dem Titel „Leser fragen – Experten antworten“ wurde Hans-Georg Marmit (Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS) folgende Frage gestellt: „Ich habe mir ein Pedelec gekauft und bin eigentlich zufrieden. Mich stört aber, dass bei 25 km/h die Tretunterstützung gestoppt wird. Ich habe gelesen, dass man ein Elektrofahrrad auch tunen kann, ein Plus von zehn km/h würde mir schon reichen. Kann das was passieren?“

Darauf gab er folgende Antwort: Bei der Frage des Tunings eines Pedelecs sind – ähnlich wie beim Tuning eines Autos - zwei Aspekte zu beachten, einmal der technische und zum anderen der rechtliche. Durch die Manipulation der elektronischen Tretunterstützung verringern Sie in der Regel die Lebensdauer des Pedelecs und riskieren Schäden am Elektromotor. Außerdem besteht die Gefahr, dass Garantie- und Gewährleistungsansprüche auf das von Ihnen gekaufte Rad verlorengehen. Auf all diese Aspekte weisen übrigens auch die Anbieter von Tuning-Kits selbst hin.

Schwerwiegender ist aber noch, dass Sie durch den unsachgemäßen Umgang mit dem System Ihre Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer gefährden. Das modifizierte Gefährt ist sicherheitstechnisch weder überprüft noch ausgelegt. Bei Unfällen, die auf das Tuning zurück zu führen sind, riskieren Sie eine persönliche Haftung und eventuell sogar eine strafrechtliche Verfolgung.

Bei einem Pedelec werden die Tretbewegungen des Fahrers mit einem eingebauten Elektromotor unterstützt. Eine sogenannte Anfahrhilfe oder Schiebehilfe bis sechs km/h ist dabei noch erlaubt. Ein Antrieb, der ohne Muskelkraft das Fahrzeug fortbewegt oder es über eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h beschleunigt gilt rechtlich nicht mehr als Fahrrad sondern als Kleinkraftrad und benötigen immer ein Versicherungskennzeichen sowie eine Betriebserlaubnis Tunen Sie also ihr Pedelec, sodass es schneller als 25 km/h fährt, sind Sie sie also illegal unterwegs.

Übrigens: Schnellere und/oder leistungsstärkere (Leistung über 250 Watt) Elektrofahrräder bezeichnet man als E-Bikes. Um sie im Straßenverkehr bewegen zu dürfen, muss der Fahrer mindesten 15 Jahre alt sein und mindestens einen Mofa-Führerschein besitzen (Fahrerlaubnisklasse AM). Wird der E-Motor beim Erreichen von 45 km/h nicht abgeregelt benötigt man sogar die Führerscheinklasse A1. Der fahrbare Untersatz braucht dann ein amtliches Kennzeichen.

Kann ein E-Bike ohne Muskelkraft durch den E-Motor auf über 20 km/h beschleunigt werden besteht außerdem Helmpflicht.

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