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E-Vesper: Elektro-Vespa selbstgebaut

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Piaggio kann noch keinen E-Roller liefern – also baut Händler Jochen Vesper aus Weinheim selbst einen.

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Die andere Schwinge und der fehlende Auspuff unterscheiden die elektrische Vespa vom Serienmodell.
Die andere Schwinge und der fehlende Auspuff unterscheiden die elektrische Vespa vom Serienmodell.
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Weinheimer Maschinenbauingenieur Dr. Michael Harmening ist ein begeisterter Vespafahrer. Weil der italienische Hersteller allerdings noch keinen Elektroroller anbietet – und Harmening den anderen Modellen auf dem Markt nicht viel abgewinnen kann – beschloss er, einen eigenen Elektroantrieb zu entwickeln.

Dafür tat er sich mit dem Piaggio-Händler Jochen Vesper zusammen. Ende September 2011 stellten sie den ersten Prototyp auf der Basis einer Vespa S der Öffentlichkeit vor, und sie erfuhren nach eigenen Angaben ein durchweg positives, gar begeistertes Feedback.

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Kein Wunder – so etwas wie die „E-Vesper“ hat es in dieser Kombination noch nicht gegeben: einen hochwertigen, in Europa hergestellten Retro-Roller mit echter Markengeschichte – eben eine Vespa – mit einem modernen und umweltfreundlichen Elektroantrieb. Beim Hersteller Piaggio selbst herrscht derzeit noch Schweigen – bis auf Hybridmodelle auf Basis des MP3 kann Europas größter Rollerfabrikant noch keine elektrischen Antriebe liefern. Auch ist nicht bekannt, wie weit Piaggio mit der Entwicklung von E-Rollern ist. Jochen Vesper beklagt zudem das scheinbare Desinteresse des Importeurs an seiner Arbeit. Gern würde er motorlose Vespa-Chassis beziehen, doch bisher gab es keine Rückmeldung von Piaggio.

Vom Original kaum zu unterscheiden

Doch zurück zur „E-Vesper“: Bis auf die besondere Schwingenkonstruktion und den fehlenden Auspuff ist sie nicht von den Benzinern zu unterscheiden und wiegt gerade einmal fünf Kilogramm mehr. Die auffällige, CNC-gefräste Schwinge ist übrigens nur ein Prototyp – Jochen Vesper ist bereits mit einer Gießerei in Kontakt, die ein leichteres und kompakteres Gussteil fertigen soll. Der E-Motor mit sechs Kilowatt Dauerleistung (kurzzeitig sind bis zu 11 kW/15 PS möglich) sitzt koaxial auf dem Schwingendrehpunkt, sodass die Spannung des Antriebszahnriemens immer konstant bleibt. Spannrollen, die die Reibungsverluste erhöhen und damit die Reichweite schmälern, sind überflüssig.

Ein besonderes Anliegen war es den beiden Konstrukteuren, dass sich das „E-Gas“ bei geringem Tempo gut dosieren lässt. Billigroller kennen oft nur die Stellungen „Aus“ und „Vollgas“ – die E-Vesper lässt sich hingegen auch im Schritt-tempo sauber fahren. Die Batterie soll bereits jetzt eine Reichweite von 100 Kilometern gewährleisten, sagt Jochen Vesper – und das, obwohl sich am Fahrzeug noch mehrere Reibungsquellen beseitigen lassen, etwa der mechanische Tachoantrieb. Das Konstrukteursteam arbeitet zudem an einem herausnehmbaren Batteriepack.

Jede Führerscheinklasse ist möglich

Der Antrieb lässt sich elektronisch in Sekundenschnelle auf die verschiedenen gesetzlich vorgegebenen Leistungswerte programmieren. Egal, ob 45 oder 80 km/h – die E-Vesper deckt alle Führerscheinvarianten ab. Der Prototyp mit offener Leistung erreicht die Höchstgeschwindigkeit eines herkömmlichen 125er-Rollers und hängt in der Beschleunigung eine Vespa LX 125 i.e. ab, berichtet Jochen Vesper.

Der Piaggio-Händler und sein Entwicklungspartner Michael Harmening haben verschiedene Fertigungs- und Vertriebskonzepte für die E-Vesper erarbeitet, von der Kleinserie bis zur Fließbandproduktion. Eine Möglichkeit wäre es, gebrauchte Roller mit dem Elektroantrieb nachzurüsten. Die beiden Weinheimer sehen Kooperationsanfragen mit Interesse entgegen. Kontaktdaten gibt es auf der Homepage von Jochen Vesper.

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