Easy Rider darf nicht sterben!

Verbot oder Vernunft – das ist hier die Frage beim Motorradlärm

| Autor: Stephan Maderner

(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann)

Für einen wachsenden Teil der Gesellschaft sind Geräusche, die Motorräder im Fahrbetrieb verursachen, schlichtweg Lärm, der krank macht. Für viele Biker ist es Musik in den Ohren. Ein unüberbrückbarer Gegensatz, der die Bevölkerung entzweit und die Freiheit auf zwei Rädern gefährdet?

Die Fronten sind verhärtet: In der Diskussion um elektronisch geregelte Auspuffklappen und Zubehör-Schalldämpfer und den damit verbundenen Schallemissionen scheint kein sachlicher Austausch von Argumenten möglich. Es dominieren die Stimmen derjenigen, die aus ihrem Lärmhass fast schon eine Ideologie machen und mit der Verbotskelle winken. Wer Lust auf satten und sonoren Bass-Sound hat und lautstark mit seinem Bike durch die Lande knattert – der verstößt gegen die Bevölkerungsmehrheit, legitimiert durch die allgemeine politische Korrektheit. Pfui Biker, Emotionen und Freiheit auf dem Motorrad ausleben – das geht gar nicht.

Bike-Kappellmeister können auch flüstern

Bike-Kappellmeister können auch flüstern

23.06.17 - Um die selektive Wahrnehmung von Motorradsound geht es im vorliegenden Zündfunken. Wie soll die Branche mit der zunehmenden Kritik, die inzwischen auch gesetzeskonforme Endschalldämpfer aus dem Zubehörmarkt erreicht hat, umgehen? lesen

Höchste Zeit, dass die Motorradszene die Gefahr dieses wachsenden gesellschaftlichen Gegendrucks wahrnimmt und gegensteuert; indem man beispielsweise freiwillig in geschlossenen Ortschaften weniger am Kabel zieht oder öfter Mal in den Flüstermodus schaltet. Events wie die Harley-Days in Hamburg mit fast einer halben Million Zuschauern zeigen, dass die Rockergemeinde nach wie vor viele Fans in der Bevölkerung hat und auf Nicht-Biker eine große Faszination ausübt. Easy Rider darf nicht sterben!

Das Fahrerhirn regelt die Lautstärke

Jens V.: „Lärm oder nicht Lärm ist das, was der Fahrer/Nutzer daraus macht. Ich finde, man kann auch ohne Klappensystem Endschalldämpfer bauen, die einen guten und satten Sound haben ohne laut zu sein bzw. auf Wunsch, da gerade eine Kontrolle ansteht, einfach den Legalmodus einschalten zu können. Ein Klappensystem verleitet einfach gerne, illegal zu fahren, da man ja per Knopfdruck wieder legal zu sein scheint. Das der gesetzliche Prüfbereich nutzlos ist, darüber sind wir uns sicher alle einig, denn die wenigsten halten sich dauerhaft bei halber Nenndrehzahl auf wenn sie unterwegs sind. Toll für uns – aber was bringt das, wenn meine GSX-R 600 bei 6.250 Umdrehingen die Geräuschgrenze einhält, ich aber mit 12.500 U/min und 125 db am Ortsschild oder dem Hotel vorbei brate!? Dann sind die Anwohner zurecht genervt, ob das nun ein Motorrad oder Sportwagen mit Klappensystem oder eine zu laute Endschalldämpferanlage ist.

Meine RG 500 Gamma hat eine Jolly Moto 4 in 4 verbaut, im Prüfbereich ist diese Sportanlage nur wenige Dezibel lauter als die Serienanlage (geprüft beim TÜV Süd). Lasse ich die aber Richtung 12.000 Umdrehungen, ist da der Deibel los. Ist geil, macht Gänsehaut und nervt tierisch die Anwohner. Aber: Ich kann mit der RG bei 2.500 U/min, Drehzahlmesser beginnt bei 3.000, durch den Ort rollern und 100 Meter nach dem Ortsschild oder Hotel runterschalten, um die Situation vor Ort zu entschärfen bzw. die Lautstärke zu reduzieren. In erster Linie steuert nicht das Klappensystem, sonder hoffentlich das Fahrerhirn.“

Schlafstörungen, Depressionen, Herzinfarkt

Frank S.: „Schlafstörungen, Depressionen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Folgen von mutwilligem, unnötigen Lärm! Wir haben nichts gegen Motorradfahren oder gegen Motorradfahrer. Jedoch haben wir etwas gegen offene Klappenauspuffanlagen und unnötig hohe Drehzahlen, absichtliche Fehlzündungen und was heute sonst noch so alles ,im Trend' liegt. Das bedeutet nämlich vollkommen unnötigen, ja mutwilligen Lärm. Das ist inzwischen Alltag für 13 Millionen Menschen, die längs der Haupt- oder Landstraßen wohnen. Verursacht von einem kleinen, aber immer größer werdenden Anteil von Lärmliebhabern, die sich selbst gegen ihren eigenen Krach noch mit Ohrstöpseln schützen. Wir haben es einfach satt, dass neuerdings alle zwei Minuten die Lampe über dem Esstisch wackelt!“

Brummbrumm geht auf die Nerven

S.: „Mich würde als von Euch geplagter Anwohner mal interessieren, was es euch gibt, wenn ihr mit Brummbrumm anderen Leuten auf die Nerven fallt, ihre Grundstücke und Häuser unbewohnbar macht, Ferienwohnungsvermieter in den Ruin treibt etc. Denkt Ihr an so was, wenn Ihr eine ,legale' Soundbox kauft?“

Bitte sachlich bleiben

AS: „Was soll in einer konstruktiven Diskussion eigentlich das verallgemeinernde „Euch“ als Ansprache? Meinen Sie, dass jeder, der hier liest, mit lautem Auspuff rumfährt? Ich bin kein Freund vom Lärm, möchte aber als Motorradfahrer nicht mit den lärmenden Motorradfahrern gleich gesetzt werden. Also bitte sachlich bleiben!

Auto-Tüt-Tüt-Brumm-Brumm

Frank S.: „Wir haben oft den Eindruck, dass es genau darum geht: Allen zeigen, was für ein toller Hecht man ist! Ziemlich infantil, oder? Auto-Tüt-Tüt-Brumm-Brumm!“

Es reicht

Frank S. „Vielleicht weil es die Leute überall leid sind, dass alle zwei Minuten die Lampe über dem Esstisch wackelt? Legal hin, legal her: Es reicht!“

Anteil der Krachmacher wächst

Erich: „Als Anwohner einer vielbefahrenen Straße muss ich sagen, dass der Anteil extrem lauter Fahrzeuge (vor allem Motorräder, gefolgt von Quads und seit neuestem amerikanische Fahrzeuge wie Dodge RAM) massiv angestiegen ist. Waren es vor ein paar Jahren noch wenige Krachmacher am Tag so sind es heute am schönen Wochenende alle paar Minuten einer. Man sitzt auf der Terrasse und muss sich wiederholen oder anschreien wenn die vorbeifahren. Das ist ein sehr fragwürdiger ,Spaß' auf Kosten hunderttausender Mitbürger. Ich darf am Sonntag oder nachts ja auch nicht Rasen mähen, aber nachts um 3 Uhr tausende Menschen aufwecken ist offenbar legal. Dass die Politik hier so lange wegschaut ist mit normalem Beamtentum fast nicht zu erklären. Es wird höchste Zeit, dass das verboten wird!!!!“

Da bluten mir die Ohren

Frank S.: „,Die Auspuffsysteme sind so konzipiert, dass sie in geschlossenem Zustand ein leises Dahingleiten bei voller Motorleistung ermöglichen. Im Performance-Modus entwickelt das System den von einem Bike gewünschten tiefen und sonoren Bass-Klang.' Wenn ich so was lese, bluten mir die Ohren!“

Wer laut ist, lebt gefährlich

Gabi: „Ein Video sagt mehr als tausende Worte: Wer laut ist, lebt gefährlich, siehe hier.

Lärm-Manipulationen die Regel

Su H.: „Von wegen ,Schwarze Schafe' – Lärm-Manipulationen an Motorrädern sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel, das wird hier mehr als deutlich. Und: man hört es leider ja auch täglich. Das wird ein Ende haben – die Anwohner haben Nase und Ohren voll von sinnlosem Motorradlärm!“

Hanebüchene Argumente

Parasaki: „Wenn ich solche Kommentare lese, weiß ich wieder, warum ich aus Deutschland ausgewandert bin. Da springt einem blanker Hass entgegen, ganz davon abgesehen dass die sogenannten „Argumente' vollkommen hanebüchen sind. Aber so sind die Leute nun mal. Sich im eigenen Land (ich pauschalisiere jetzt mal genauso) auf den Straßen totprügeln lassen und dazu nichts sagen....und dann eine Wut über Motorradfahrer ablassen, dass einem nur noch die Spucke wegbleiben kann. Aber so ist der vom Neid zerfressene Deutsche nun mal. Ich wette bei nicht wenigen spielt nämlich genau das die Hauptrolle. Weil man sich selbst nicht oder nicht mehr traut, sich kein Bike leisten kann usw. Ich erinnere mich noch gut an die 70er und 80er. Da war's laut.“

Keine Neid- sondern Gesundheitsdebatte

Frank: „Ja klar, der ,neidzerfressene Deutsche' – was hat es mit Neid zu tun, wenn Anwohner auf ihrer Terrasse neuerdings dank Klappenauspuffanlagen ständig bis zu 100 dB messen? Ab 85 dB ist in Industriebetrieben Gehörschutz Pflicht. Was hat es mit Neid zu tun, wenn man das satt hat? Was hat es mit Neid zu tun, wenn man nicht länger bereit ist, diese Einschnitte in sein Leben und seine Gesundheit zu ertragen Schlafstörungen, Depressionen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Folgen von mutwilligem, unnötigen Lärm!“

Lärmfetischisten an den Geldbeutel gehen

Stefan: „Ich denke auf Rücksicht mancher Motorradfahrer braucht man nicht hoffen. Die kaufen sich ja extra eine laute Kiste, um den tollen Hecht zu spielen. Die sind halt eben spät pupertierend. Da hilft auch kein gutes zureden mehr. Die denken wenn sie laut unterwegs sind, findet man sie toll. Dabei gehen sie der Allgemeinheit extrem auf den Sack. Da hilft nur Lärmgrenzwerte runter und Strafen hoch. Es muss dem Lärmfetischisten im Geldbeutel weh tun, spätestens dann wird sich das Problem schnell lösen.“

Der kleine Bike-Erziehungsberater

Jens V.: „Ich bin mit meiner Werkstatt seit 40 Jahren mitten im Wohngebiet, ohne dass ich jemals eine Anzeige wegen Ruhestörung bekommen hätte, kein Nachbarschaftsstress. Und ich bin oft bis um 23 Uhr 30 noch bei offenem Tor zugange! Direkt an der Durchgangsstraße sehen uns viele Biker, und die geben gerne mal noch einen Gasstoß, um sich Gehör zu verschaffen. Nervt mich, da es direkt auf mich zurückfällt.

Die Jungen am Ort, die auch bei mir Reparaturen machen lassen treffe, ich regelmäßig Sonntags beim Bäcker, coole Socken auf ihren Kisten mit zu lautem Auspuff und fahren gerne im 1. und 2. durch die 30er-Zone.

Ich nehme mir immer gerne Zeit, den Jungs und Mädels ab und an ins Gewissen zu reden. Wir reden dabei immer auf Augenhöhe, ich mime nie den Lehrmeister, versuche aber möglichst konkret und verständlich zu erklären, wie es auch anders geht und dass sie mit ihrem ,lärmenden' Verhalten alle Biker schädigen.

An einem Sonntag habe ich mir eines der Bikes ... ohne Helm geschnappt, natürlich habe ich gefragt, und den Jungs den Unterschied zwischen 1. und 4 Gang gezeigt. Sie waren verwundert, was das ausmacht und so habe ich nach und nach dazu gebracht, etwas vernünftiger und rücksichtsvoller in bewohnten Gegenden zu fahren.

Ab und an hört man den einen oder anderen nochmal. Dann reicht ein flüchtiger Gruß bzw. meine Anwesenheit und man stellt fest: He, die Jungs hören zu und schalten hoch. Ab und an ein Lob und schon geht das!“

Bitte mehr Verantwortungsbewusstsein

Frank: „Klasse! Finde ich gut! So verantwortungsbewusst sollten viel mehr Leute sein! Leider ist das Verhalten nur die eine Seite. Die andere Seite der Medaille ist die unverschämte, gewollte Steigerung der Lautstärke durch Industrieprodukte. Kesstech ist da nur ein Beispiel. Wenn ich auf deren Website lese: ,Genauer gesagt: Made in Obertheres, einem zugegeben etwas verschlafenen Ort in Unterfranken, der erst so richtig wach wird, wenn unsere Ingenieure mal wieder mit einer KessTech-Klappenauspuffanlage an einem Testbike die Ortsgrenzen umfahren.'

Wenn ich so etwas lese, bluten mir als betroffener Anwohner die Ohren. Niemand muss sich darüber wundern, wenn sich das Ansehen der Motorradfahrer weiter dramatisch verschlechtert. Denn eines ist gewiss: Diese verdammten Klappenanlagen werden immer mehr auf den Straßen. Und das in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland. Für mich ist das, was diese Firmen da machen, Geldschneiderei auf Kosten anderer. Wenn man so will: Absichtliche Körperverletzung! Hoffentlich findet sich mal jemand, der diese Leute dauernd mitten in der Nacht mit Ihren Produkten aus dem Schlaf holt – dann können die Herrschaften mal sehen, wie es 13 Millionen Straßenanwohnern in Deutschland geht!“

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