Ein Herz für Motorrad, Kunde und Händler

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Business Media)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 6/2018/I), Folge 569: Mein Ruf nach mehr ökonomischer Vernunft und Augenmaß in den Stabstellen der Hersteller und Importeure...

...ließ nicht lange auf das Echo warten, die Rufe kamen vor allem von Händler- und Werkstattseite. Sie erinnern sich: Ich ermahnte die Managementebene im Speedlog am vergangenen Freitag, sich doch künftig offensiver mit den existenzbedrohenden Themen auseinanderzusetzen: Denn ohne ausreichende Margen im Handel und der Werkstatt, ohne Nachfolger, ohne die notwendigen Arbeitskräfte (Stichwort: Jobkrise) und ohne ein Mehr an Partnerschaft und Fairness zwischen allen Marktbeteiligten gehe es der Motorradbranche auf lange Sicht an den Kragen – so meine Analyse. Wer's verpasst hat, kann hier nochmal Argumente spicken.

Einzelne Brände löschen oder das Waldsterben?

Einzelne Brände löschen oder das Waldsterben?

02.02.18 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 5/2018/II), Folge 568: Nicht erst seit der spektakulären Meldung, dass der Motorradhandelsgigant ZTK Erlebniswelt... lesen

Prompt kamen Reaktionen aus den Händlernetzen dreier Fabrikate. Beginnen wir mit den Grünen. Also sprach ein Kawasaki-Händler: „Mit Kawasaki sind wir grundsätzlich super zufrieden! Die Modellpalette stimmt, die Bonusbestimmungen sind (noch) mit einem angenehmen Aufwand zu erfüllen. Es werden alle Händler – ob groß oder klein – gleich behandelt. So weit ich weiß, bekommen alle die gleichen Preise usw. Auch die Motorräder können wir meistens zu dem Preis verkaufen, der auch auf dem Schild steht (Standuhren, die dann irgendwann zur Not auch ein Stück unter dem VK wegmüssen, gibt es, denke ich, überall). Grund hierfür ist neben der Modellpalette auch, dass Kawa dem Händler die Motorräder nicht aufzwingt, sondern schaut, dass die Mopeds eher immer knapp verfügbar sind. Kawa sieht auch nicht nur auf die verkaufte Stückzahl, sondern will laut eigener Aussage, dass sowohl Händler als auch Kawa selbst Geld verdient.

Weiter geht es mit Team Orange. Folgendes Feedback flog mir aus dem KTM-Partnernetz zu: „Bei KTM heißt es seit einiger Zeit: immer mehr, mehr, mehr. Pro verkauftem Fahrzeug (auch 125er) 1.500 Euro netto Händlereinkaufspreis Zubehör, Ersatzteile und Bekleidung, ansonsten wird der Bonus gestrichen. 200 m² Ausstellungsfläche rein KTM bis 2019, ansonsten droht die Kündigung. Jedes Jahr höhere Vororderwerte, mehr Bekleidung, mehr Zubehör, mehr Vorführer usw. Dass man ein Fahrzeug auch nur annähernd zum Listenpreis verkaufen kann, ist bei sehr vielen Modellen absolut nicht möglich. Es geht um Stückzahl, Stückzahl, Stückzahl. Was der Händler zum Schluss verdient, scheint egal. Man braucht nur mal auf Onlinemarktplätzen wie Mobile.de schauen, wie die KTM-Händler ihre qualitativ hochwertige Ware verschleudern (müssen). Beispiele? 1290 Super Duke GT, 1290 Super Adventure R, 390 Duke, 690 Duke, RC 125, RC 390. Also im Endeffekt fast die komplette Modellpalette. Sicher wird es immer „Schleuderer“ geben, die nur über den Preis verkaufen können, aber bei KTM – so mein Eindruck – scheint das Ganze vom Hersteller unterstützt zu werden. Es gibt des öfteren Paketaktionen, bei der man größere Stückzahlen von einem Modell mit einem Extrarabatt (teilweise 10 Prozent) bekommt. Für kleinere Händler ist das natürlich schwierig, Pakete von zehn bis fünfzig Fahrzeugen zu kaufen, deswegen wird denen das oft auch gar nicht mitgeteilt. Beispiel 1050 Adventure: die gab es zeitweise bei manchen Händlern zum Neupreis von 9.000 Euro. Wir haben 2016 eine 1290 Super Duke GT für 17.995 Euro verkauft. Momentan wird das Fahrzeug mit Zuschuss von KTM von vielen Händlern neu für 13.995 Euro angeboten, was bei dem Preiskampf allerorten momentan auch kein Wunder ist. Die „normalen“ KTM-Händler sind ziemlich verärgert. Gleichwohl darf man an der aktuellen Situation bei KTM auch nicht alles schlecht machen, wir haben immerhin eine Modellpalette, die sich gut verkauft (wenn auch nicht immer zu dem Preis der schön wäre), die Qualität der Produkte und des Zubehörs stimmt größtenteils. Auch die Werkstatt ist gut ausgelastet.“ Originalton Händler Ende.

Von allgemeiner Aussagekraft ist der Kommentar eines Werkstattprofis, der sich die guten alten Zeiten herbeisehnt. In personam Bert Poensgen von Suzuki: „Die Zeiten eines Herrn Poensgen sind leider vorbei! Einen Mann wie diesen war schon damals schwer zu finden. Heute, so glaube ich, ist das unmöglich. Ein Mann, gewachsen aus den eigenen Reihen, ein Herz für Motorrad, Kunde und Händler. Einer der sich auch mal gegen das Management der Werke stellt, weil er von der Basis, der Pike auf gelernt hat und weiß wie es in den Werkstätten zu geht. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern wie Herr Poensgen sich bei den Debatten der Händlertagungen vor die Händlerschaft gestellt hat und uns als schützenswerte Basis bezeichnete. Heute beherrscht Schulmanagement die Büroetagen. Dort wiederholen sich die Fehler, die in den 80er und 90er Jahren gemacht wurden aber beseitigt waren. Wer in der Vergangenheit nach Weisheit sucht, wird diese auch finden. Denn vor uns haben andere diese Fehler schon einmal gemacht, man muss nur aufmerksam und lernfähig sein. Wir müssen alle mit der Zeit gehen, altbewährtes mit neuem verknüpfen, denn nicht alles war früher besser, aber auch nicht schlechter.“

Mit diesem nachdenklich-reflektierenden, ja geradezu epischen Schlusswort, möchte ich für heute meinen Speedlog beschließen. Nicht jedoch ohne vorher meinem innigen Wunsch nach Einsicht und Weisheit Ausdruck zu verleihen, die vielen Beteiligten der gesamten Motorradbranche gut zu Gesicht stehen würde. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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