Ein-Mann-Betriebe in Bürocontainern mit Dumpingpreisen

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. Da dieser in Urlaubt weilt, tut dies diesmal sein Kollege Jan Rosenow für ihn.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. Da dieser in Urlaubt weilt, tut dies diesmal sein Kollege Jan Rosenow für ihn. (Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 20/2015/I), diesmal verfasst von dessen Stellvertreter Jan Rosenow. Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Würzburg, den 12. Mai 2015 – Es brodelt weiter im elektronischen Leserbriefkasten von »bike und business«. Besonders interessant ist es immer, wenn sich Zweiradprofis aus dem Ausland bei uns melden, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Denn auch wenn uns als bahnstreikgeplagten und großbaustellengepeinigten Deutschen unsere beiden südlichen, gebirgigen Nachbarländer als Hort der Stabilität und des gemütlichen Leben-und-Leben-Lassens erscheinen, ist dort auch nicht alles in Butter. So schildert uns etwa ein Zweiradhändler aus Österreich seine Sicht auf den dortigen Markt:

„Immer mehr Personen besitzen zwar ein motorisiertes Zweirad, benutzen es aber kaum (noch). Jährliche Kilometer-Leistungen von unter 1.000 sind die Regel. Hinzu kommt die Geldknappheit, so dass immer mehr Kunden selbst das Werkzeug in die Hand nehmen oder wegen 24 Euro für einen Bremsflüssigkeitswechsel eine halbe Stunde lang diskutieren. Weniger Service und Reparaturen bedeuten viel weniger Umsatz und dieser wird noch geteilt mit immer mehr privat agierenden Mechanikern und neuen Ein-Mann-Werkstätten. Selbst ehemalige Mechaniker aus meinem Betrieb haben sich in Bürocontainern selbständig gemacht. Mit Dumpingpreisen. Auch Bekleidungs- und Zubehörmarkt sind großteils gesättigt, bzw. werden online erledigt. Ein Zweimann-Betrieb kann noch gut (über)leben, aber die (Lohn-)Nebenkosten mit 16 Mann in zwei Filialen sind so nicht mal mehr im Ansatz zu bewältigen, der Breakeven in weite Ferne gerückt.“

Uff. Da bleibt ja nicht viel Raum für Hoffnung. Ist wirklich alles so schlecht im Schnitzelland, in dem man sich als motorradfahrender Gast doch oft fühlt wie im Bikerhimmel? Mich würden hier die Meinungen anderer österreichischer Leser interessieren. Aber auch die Konkurrenz durch Hinterhofschrauber, von der der Zweiradunternehmer sprach, ist sicherlich nicht nur in der Alpenrepublik ein Thema. Nun will ich auf keinen Fall die Existenzgründer, die sich mit einer Freien Werkstatt ein Berufsleben in der Zweiradbranche aufbauen, unter Generalverdacht stellen. Aber sollte man als Unternehmer seine Werkstatt und das Spezialwerkzeug den eigenen Mitarbeitern zur Verfügung stellen, damit die sich nach Dienstschluss etwas dazuverdienen können? Manch fleißiger Schrauber hat dann plötzlich gaaaaanz viele Freunde.

Mir ist auch klar, dass ein heutiger Markenhändler bei der Vielzahl teurer Standards, die er erfüllen muss, auf einen hohen Stundenverrechnungssatz im Service angewiesen ist. Manch junger Biker mit schmaler Börse kann sich den aber nicht mehr leisten. Die große Herausforderung ist es, diesem Kundensegment passende Angebote machen zu können. Das Segment einfach in den Sektor „Freundschaftsdienst“ auszulagern, ist nur die zweitbeste Lösung. Nicht zuletzt, weil solche Leistungen ab einem gewissen Umfang auch arbeits- und steuerrechtliche Fragen aufwerfen (Stichwort Schwarzarbeit).

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