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Eine Million Motorräder fahren mit einem Antiblockiersystem von Bosch

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Seit 1994 fertigt Bosch in Japan Antiblockiersysteme für Motorräder und zieht nun anlässlich des einmillionsten Sicherheitssystems Bilanz: Das ABS kann ein Viertel aller Motorradunfälle verhindern, wobei der modulare Systemansatz Lösung für alle Motorradklassen bietet.

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Mit einem Antiblockiersystem lässt sich ein Motorrad wesentlich sicherer bremsen.
Mit einem Antiblockiersystem lässt sich ein Motorrad wesentlich sicherer bremsen.
(Bild: Bosch)

Für viele ist Motorradfahren die schönste Freizeitbeschäftigung der Welt. In den aufstrebenden Märkten dagegen ist es für noch mehr Menschen oft die einzige Form der motorisierten Mobilität. Mit dem Antiblockiersystem ABS stellt Bosch ein effektives Mittel zur Verfügung, die Sicherheit auf zwei Rädern wesentlich zu steigern.

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ABS verhindert Blockieren der Räder

„ABS verhindert beim starken Bremsen und auf rutschigem Untergrund das Blockieren der Räder und damit einen unvermeidlichen Sturz“, fasst Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control, den Nutzen zusammen. Im japanischen Tochigi lief nun kürzlich das einmillionste Sicherheitssystem von Bosch vom Band. Basierend auf der aktuellen Generation 9 bietet Bosch für alle Motorräder das jeweils passende System an: vom Front-ABS für den Massenmarkt in Ländern wie Indien, China und den Asean-Staaten hin zur derzeit anlaufenden Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC, die bei Hochleistungsmotorrädern auch bei starker Schräglage in Kurven eine Vollbremsung ermöglicht.

Motorrad-ABS-Entwicklung begann Anfang der 80er Jahre

Ende der 1980er Jahre startete Bosch, ausgehend von den Bremsregelsystemen der Pkw, die Entwicklung des Motorrad-ABS. 1994 schließlich liefen die ersten Systeme für eine Suzuki-Polizeimaschine in Japan vom Band. In den Jahren darauf wuchsen die Stückzahlen nur langsam. Dies änderte sich 2009. Einerseits stieg das Interesse an der Sicherheitstechnik, andererseits hatte Bosch mit der neuen Generation 9 ein Paradepferd am Start. Diese Technik wurde weltweit erstmals nicht von der Pkw-Technik abgeleitet, sondern spezifisch für den Motorrad-Einsatz entwickelt. Das Ergebnis im Vergleich zur Vorgängergeneration: hohe Leistung bei halbierter Größe und Gewicht.

Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen. So stieg die Produktion von 2009 bis 2013 jährlich im Schnitt um gut 50%. Allein 2013 wurden über 350 000 Systeme gefertigt. Mittlerweile hat bereits jedes vierte in Europa produzierte Motorrad ein ABS an Bord. „Ein Ende des dynamischen Wachstums ist derzeit nicht in Sicht“, ist Steiger stolz auf den Erfolg seines Teams, das seit 2007 im Kompetenzzentrum für Zweiradsicherheit in Japan die Systeme immer weiter perfektioniert.

Unfallanalysen belegen das Plus an Sicherheit

Den Sicherheitsgewinn durch ABS bestätigt ein Blick auf die Unfalldaten. So zeigen Auswertungen der deutschen Unfalldatenbank GIDAS, dass sich ein Viertel aller Motorradunfälle mit serienmäßigem ABS verhindern ließe. Bei einem weiteren Drittel dieser Unfälle ließe sich mit dem Blockierschutz zumindest die Schwere mindern. „Nahezu jeder zweite Motorradunfall mit Todesfolge ereignet sich in Kurven“, sagt Steiger. Dies zeigt das zusätzliche Potenzial der Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC, die als weltweite Innovation Ende 2013 erstmals bei KTM in den Modellen 1190 Adventure und 1190 Adventure R in Serie geht. Dieses neue System berücksichtigt bei der Regelung des Bremsdrucks auch die Schräglage des Motorrads.

Lösungen für alle Motorradklassen

Bosch hat die ABS-Generation 9 modular aufgebaut, so dass sich Varianten für unterschiedliche Funktionsumfänge realisieren lassen. Das Front-ABS ABS 9 light ist eine kostengünstige Lösung insbesondere für Länder wie Indien, wo robuste und einfache Systeme für kostengünstige Zweiräder gefragt sind. Da in vielen Ländern Asiens selbst bei Motorrädern mit Hubräumen über 250 ccm die Hinterräder oftmals noch über mechanische Seilzüge gebremst werden, regelt das Front-ABS von Bosch ausschließlich das Vorderrad.

Die Variante ABS 9 base bietet bereits den vollen Blockierschutz an beiden Rädern. Auch sprunghaft veränderte Straßenverhältnisse, wie sie etwa durch Rollsplitt oder Ölflecken hervorgerufen werden, verlieren ihren Schrecken. ABS 9 plus ist besonders für leistungsstarke Maschinen geeignet. Mithilfe eines zusätzlichen Drucksensors greift das System bereits beim Druckaufbau ein. Dadurch wird die Regelung und die integrierte Hinterradabhebe-Erkennung gegenüber dem ABS 9 base noch einmal deutlich verbessert.

Die leistungsfähigste Ausbaustufe ABS 9 enhanced bietet zusätzlich die sogenannte eCBS-Funktion. Dieses Kürzel steht für „electronic Combined Brake System“, zu Deutsch elektronisches Verbund-Bremssystem. Damit beschreibt Bosch eine neuartige Kombination aus Vorder- und Hinterradbremse: Es genügt bei dieser integrierten Version, wenn der Fahrer nur eine der beiden Bremsen – wahlweise vorne oder hinten – betätigt: ABS 9 enhanced schaltet die zweite Bremse automatisch zu, ohne dass die Bedienkraft für den Fahrer ansteigt oder die Dosierung sich verändert.

MSC bietet größtmögliche Sicherheit

Die Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC schließlich bietet die bislang größtmögliche Sicherheit. Es baut auf dem ABS 9 enhanced auf und nutzt darüber hinaus den Schräglagesensor SU-MM5.10. Dieser liefert umfassende Daten zum aktuellen Fahrzustand, so unter anderem Drehraten und den Nick- und Schräglagewinkel. Darauf basierend kann MSC beim Beschleunigen und beim Bremsen die Motor- und Bremsleistung so anpassen, dass das Motorrad immer stabil bleibt. Insbesondere starkes Bremsen in Kurven verliert dadurch seinen Schrecken.

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