Einzelne Brände löschen oder das Waldsterben?

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Business Media)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 5/2018/II), Folge 568: Nicht erst seit der spektakulären Meldung, dass der Motorradhandelsgigant ZTK Erlebniswelt...

...Insolvenz anmelden musste, ist das Thema (Un-)Wirtschaftlichkeit des Motorradhandels wieder stark in den Fokus gerückt und treibt viele Inhaber und Geschäftsführer von Zweiradbetreiben um. Viele greifen zum Telefonhörer oder schreiben sich ihren Kummer von der Seele. So erreichte mich jüngst auf elektronischem Wege die Botschaft eines Mehrmarkendealers: „Hallo Stephan, wir hatten gerade Besuch von einem Unternehmensberater. Es ging wie immer auch um die aktuelle Renditelage im Handel. Wenn man sich die aktuelle Situation des Handels anschaut (siehe auch die gerade vieldiskutierte ZTK-Pleite), müssen die Hersteller den Handel mehr Geld verdienen lassen. Damit hätten die Hersteller auch nicht das massive Problem der nicht vorhandenen Nachfolger ihrer Händlerbetriebe, die altersbedingt demnächst ausscheiden. Ein Problem, von dem alle Fabrikate gleichermaßen betroffen sind. Bei BMW geht in den nächsten fünf Jahren fast jeder zehnte Betriebsinhaber in Rente und hat (noch) keinen Nachfolger gefunden. Dafür brauchen wir keinen Händlerbetriebsvergleich, um den Ernst der Lage zu erkennen.

Zudem drückt der Schuh bei den Renditen. Es werden, vor allem im Aftersalesbereich, still und heimlich die Margen gekürzt – querbeet über alle Marken. Hier mal ein bis zwei, dort mal zwei bis drei Prozentpunkte. Für mich stellt sich die folgende Frage: Wollen die Hersteller, gleich welcher Couleur, die nächsten Jahre immer wieder kleine und größere Brände löschen (siehe ZTK) oder lieber mal das große Waldsterben (der Händler) verhindern – und u.a. mit ordentlichen Margen die Spezies Händler schützen? Da ist BMW mit Sicherheit noch einer der guten und einsichtigen Hersteller und bemüht sich, zusammen mit seinen Partnern Lösungen zu finden. Aber auch BMW bekommt den Spiegel vorgehalten, siehe nicht vorhandene Nachfolgeregelung. Oder wie soll ein mittelständisches Motorradgeschäft selbst mit Renommiermarken Geld verdienen, wenn alle fünf Jahre viel Geld in eine neue CI investiert werden muss, um die vollen Bonis zu kassieren?“

Gut gebrüllt Händler-Löwe! Wir brauchen in den Stabsstellen der Hersteller und Importeure, aber auch vermehrt in der Händlerschaft, eine offensivere Beschäftigung mit diesen existenzbedrohenden Themen: Ohne ausreichende Margen im Handel und der Werkstatt, ohne Nachfolger, ohne die notwendigen Arbeitskräfte (Stichwort: Jobkrise) und ohne ein Mehr an Partnerschaft und Fairness zwischen allen Marktbeteiligten geht es der Motorradbranche auf lange Sicht an den Kragen. Hier würde ich tatsächlich auch einmal zur Diskussion stellen, ob nicht auch explizit die Öffentlichkeit, sprich die Kunden, eingeweiht gehörten! Denn auch deren Verhalten (die vielzitierte „Geiz-ist-geil-Mentalität“) trägt ein gut Teil zum Händlersterben bei. Am Ende droht der Exitus einer ganzen Branche!? Schieße ich da mit meiner Meinung übers Ziel hinaus oder sehen Sie das ähnlich? (Feedback an stephan.maderner@vogel.de oder argumentieren Sie sachlich-konstruktiv in unseren Online-Kommentarspalten).

Diesen wichtigen Themen und anderen mehr widmet sich der Workshop des »bike und business«-Benchmark-Clubs, der am 8. und 9. März 2018 in Köln zusammentritt. Wie – Sie kennen unseren Benchmark-Club nicht?

Auch mit Betriebswirtschaft haben sie was am Helm

Auch mit Betriebswirtschaft haben sie was am Helm

05.12.17 - Die Hochsaison ist zum Verkaufen da, in der Nebensaison kümmert man sich um die Zahlen. Dabei haben es Motorradhändler schwer. Der Markt glänzt hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Aspekte nicht gerade mit Transparenz. Abhilfe schafft der »bike und business«-Benchmark-Club. lesen

Dann wird es aber mal höchste Zeit, sich anzumelden. Rund 100 Motorradhändler sind bereits Mitglied bei uns. Das kostet dank Förderer und Partner wie der Santander Consumer Bank, Motul, CSB Warenwirtschaft oder BBE Automotive nichts. Sie müssen nur am fabrikatsübergreifenden Betriebsvergleich teilnehmen und uns einmal im Jahr vertraulich Ihre Daten schicken. Der Erfahrungsaustausch unter Händlern – noch nie war er so wertvoll wie heute. Fragen Sie doch einfach mal die Mitglieder unseres Clubs - und melden sich am besten jetzt gleich bei mir an (Mail an stephan.maderner@vogel.de).

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