Ellr: Einer für alle – alle für einen

GPS-Tracking mit Social-Media-Komponente

| Autor / Redakteur: Mareike Hoffmann / Stephan Maderner

Torsten Wohlrab von Ellr erklärt Bike-Weltenbummler Gerry Mayr die Vorzüge seines Systems.
Torsten Wohlrab von Ellr erklärt Bike-Weltenbummler Gerry Mayr die Vorzüge seines Systems. (Bild: Johannes Untch/Vogel Communications Group)

Wie kann man im Falle eines Motorradunfalls schnell auf sich aufmerksam machen und welche Rolle spielt dabei die Biker-Community? Eine neue App vereint die Vorteile eines GPS-Notruf-Trackers mit der Hilfsbereitschaft in den sozialen Netzwerken.

Olaf Müller ist seit mehr als dreißig Jahren leidenschaftlicher Biker. Ein selbstbewusster Kerl, Mitte fünfzig, mit blau-grün kariertem Hemd und grauem Schnauzer. Jedes Jahr ist er mit Freunden auf langen Touren unterwegs. Seine beste, sagt er, das war 2007, als sie durch die Alpen von Levron nach Saxon gefahren sind. Eine kurvenreiche Strecke bis nach oben und eine durchweg atemberaubende Landschaft. Sie sind oft in der Gruppe unterwegs – insgesamt zu fünft.

Nicht aber an diesem einen Sonntagnachmittag im April, als die Sonne bereits tief steht. Das erste Grün ist schon an den Bäumen zu sehen. Da ist nur Olaf und seine Suzuki SV 650. „Das ist einfach die pure Freiheit, wenn man den ganzen Winter nicht auf dem Bike saß.“ In einer Kurve auf einer abgelegenen Landstraße, mitten in einem schattigen Waldstück, passiert es dann – er nimmt die Kurve zu scharf und verliert die Kontrolle. Seine schwere Maschine rutscht unter ihm weg und innerhalb von Sekunden verliert er das Bewusstsein. So oder ähnlich könnte sich die Szene abgespielt haben.

Jede Sekunde zählt

„In einem solchen Fall zählt jede Sekunde und es muss schnell Hilfe her“, erklärt Christian Schütte, einer der Geschäftsführer von Ellr, während seines Vortrags auf der Fachtagung „bike und business“. Zusammen mit Torsten Wohlrab und Raz Tsafrir hat er Ellr 2018 auf den Markt gebracht. Ellr – das ist ein GPS-Tracker, der einen möglichen Unfall über Algorithmen analysieren kann und so mithilfe der Daten automatisiert Hilfe aus der Nähe alarmiert. „Das Besondere ist, dass wir die Biker-Community mit einbeziehen“, so Schütte. Nach einem Unfall würden neben einer zuvor ausgewählten Person auch Biker in der Nähe benachrichtigt, die die App auf ihrem Smartphone haben. Auch der Unfallstandort wird dann automatisch gesendet. „So kann man den starken Zusammenhalt in der Biker-Szene auch für Notfall-Situationen nutzen“, ergänzt Wohlrab.

E-Call Systeme sind seit 2018 in der EU bereits für neue Pkw-Modelle und leichte Nutzfahrzeuge verpflichtend. Ein solches System kann auch im Motorrad verbaut werden. Mithilfe von GPS übermitteln die Geräte den Standort des Fahrers.

Intelligentes Notruf-Tracking mit Social Komponente

Notrufsysteme wie Dguard oder die App „Biker-SOS“ sind bereits auf dem Markt und sollen bei Unfällen für schnelle Hilfe sorgen. Hier wird über das Mobilfunknetz automatisch Verbindung zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle aufgenommen.

„Wir haben einen anderen Ansatz“, erklärt Torsten Wohlrab. „Tracker und App zusammen vereinen globale Notfallhilfe, Pannenerkennung, sowie Diebstahlsicherung über Bits statt über SMS. Auch wenn das Smartphone oder Motorrad bei einem Unfall beschädigt wird, wird der Alarm ausgelöst. Außerdem bietet die App die Möglichkeit, sich mit anderen Bikern zu vernetzten und gefahrene Strecken mit Anderen zu teilen. „Ellr verbindet also intelligentes GPS-Tracking mit einer Social-Komponente“ fasst Christian Schütte zusammen.

42.000 Mal hat's gekracht

Zurzeit werden E-Call Systeme allerdings noch wenig von Motorradfahrern genutzt. Dabei sind die Zahlen alarmierend. Laut statistischem Bundesamt gab es allein 2017 in Deutschland rund 42.000 Unfälle mit Beteiligung von Motorrädern. Als häufigste Ursache wird hier die fehlende Anpassung der Geschwindigkeit genannt, aber auch mangelnder Abstand führt oft zu Unfällen.

Auch Olaf Müller weiß, dass er damals zu schnell gefahren ist. Nachdenklich schaut er auf seine halbleere Kaffeetasse: „Die Kurve war zu scharf und der Boden wohl etwas rutschig. Mit der langen Erfahrung weiß man das eigentlich. Da sollte man abbremsen.“ Aber damals hat er nicht abgebremst. Warum, das kann er sich bis heute nicht erklären.

Was Motorradfahrer sagen

Stefan Makowski sitzt im Publikum und hört sich den Vortrag von Christian Schütte interessiert an. Der erfahrene Biker fährt über 10.000 Kilometer im Jahr – meist aber in der Gruppe. Deshalb kommt ein Kauf des GPS-Trackers für ihn erst einmal nicht in Frage. Trotzdem kann er dem Ansatz der Gründer viel Positives abgewinnen: „Mir gefällt die Idee, Sicherheit und den Community-Gedanken miteinander zu vereinen. Ich denke, die Biker-Gemeinschaft kann frischen Wind gut vertragen, denn meiner Meinung nach war der Zusammenhalt früher größer.“

Auf die Community ist Verlass

Raz Tsafrir, Mitgründer von Ellr, ist da anderer Meinung. Mit seiner KTM 1190 Adventure ist er oft in den Wüsten rund um seine Heimat Tel Aviv unterwegs. In seinen bislang 36 Jahren im Sattel eines Bikes hat er zahlreiche Länder gesehen und dabei auch selbst schon einige Unfälle erlebt. Dabei konnte er sich stets auf die Community verlassen: „Das Gemeinschaftsgefühl unter Bikern ist überall noch immer sehr stark. Jeder hält an, wenn ein anderer Biker Hilfe braucht. Mit dem Tracker und der App wird das nochmal vereinfacht.“

Olaf hatte damals kein Notrufsystem. Er hatte aber das Glück, dass nach einiger Zeit ein Autofahrer anhielt und den Notarzt rief. Bis dieser dann eintraf, dauerte es dann wohl nochmal eine ganze Weile. Seine schweren Verletzungen sind nach längerem Krankenhausaufenthalt zum Glück vollständig verheilt. Er weiß aber auch, dass es vielen seiner Biker-Kollegen anders ergangen ist. Deshalb schaut er sich aktuell nach einer passenden Lösung um, damit im Notfall Hilfe rechtzeitig vor Ort ist. Schon jetzt freut er sich darauf, im Frühjahr zurück auf sein Bike zu steigen und den Fahrtwind zu spüren, während die Schatten der Bäume in der Abendsonne an ihm vorbeiziehen.

Das Produkt Ellr – Tracker, App und globale Datenkarten – kostet 389 Euro und kann direkt auf der Homepage bestellt werden.

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