EU-Führerscheinreform: Offener Brief an Ramsauer

Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Der Motorradhändler und ZDK-Fachmann fürs Bike Hans-Jürgen Weinrich argumentiert für einen leichteren Zugang zum Motorradführerschein. Und wendet sich mit deutlichen Worten an den Verkehrsminister.

Hans-Jürgen Weinrich ist Vorsitzender im Fachausschuss Motorräder im (ZDK). Auf die ablehnende Haltung des Verkehrsministeriums, den Zugang zum Motorrad zu erleichtern, reagiert er mit einem offenen Brief.
Hans-Jürgen Weinrich ist Vorsitzender im Fachausschuss Motorräder im (ZDK). Auf die ablehnende Haltung des Verkehrsministeriums, den Zugang zum Motorrad zu erleichtern, reagiert er mit einem offenen Brief.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das große Zittern in der deutschen Zweiradbranche geht weiter. Nachdem der Markt im Januar und Februar 2010 regelrecht eingefroren war, zeigte der März mit einem Plus von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, dass es auch anders gehen kann. Gleichwohl befindet sich das Zweiradbusiness langfristig auf Talfahrt.

Auf Sicht schrumpfen die Verkäufe von Motorrädern und Leichtkrafträdern weiter. In den vergangenen zehn Jahren halbierte sich die Neuzulassungsbilanz bei den Motorrädern. Zudem verweigern sich die Jugendlichen hartnäckig, die kostspieligen und immer komplizierteren Zweirad-Führerscheinprüfungen abzulegen.

Die Hoffnung, wonach die von Brüssel bis 2013 geforderte Liberalisierung des Führerscheinrechts neue Geschäftsimpulse nach sich ziehen und die Märkte nachhaltig beleben könnte, stirbt zuletzt. Denn bislang stimmen die Signale des deutschen Gesetzgebers zu diesem Thema mehr als bedenklich. Die deutschen Motorradhändler fordern im Gleichklang mit der Industrie einen leichteren Zugang zur Zweiradmobilität. Das meinen auch über 4.200 deutsche Verbraucher, die sich im Rahmen des von „bike und business“ initiierten Online-Votums innerhalb der ersten fünf Wochen mit ihrer digitalen Unterschrift für eine Reform stark machten (siehe www.bikeundbusiness.de/online-votum).

Ende April wird es ernst

Am 28. April wird Bundesinnungsmeister Ernst Brehm dem Referatsleiter im Bonner Bundesverkehrsminister, Rüdiger May, das erste beeindruckende Zwischenergebnis dieser in der Branche beispiellosen Petition überreichen. Wird‘s was bringen?

Fest steht: Die mündigen Bürger negieren eine Betonrepublik Deutschland, die den Zugang zum Zweiradführerschein aus übertriebenen Sicherheitsinteresse möglich restriktiv auslegen möchte. Selbst gute und vernünftige Argumente der Branche scheinen die Behörden einfach in den Wind zu schießen. Es steht zu befürchten, dass in den Köpfen der verantwortlichen Politiker die Entscheidung längst gefallen ist und die Anhörung in Bonn lediglich zur Gewissensberuhigung dient, um hinterher sagen zu können, dass man doch alle Interessensvertreter pflichtschuldigst nach ihrer Meinung befragt habe.

Das darf nicht sein. Deshalb verschärfen wir nun den Kampf. Wir fordern keine finanziellen Hilfen, wie sie die Autobranche 2009 in Form der „Abwrackprämie“ erhalten hat. Der liberalere EU-Zweiradführerschein kostet keinen Cent. Der Wille zu mehr Freiheit muss her. Der Effekt wäre immens. Und würde tausende von Existenzen einer mittelständischen geprägten Branche retten.

Weinrichs Brief an den Verkehrsminister

Im folgenden veröffentlichen wir einen Brief von Hans-Jürgen Weinrich an den Bundesverkehrsminister. Er ist Gründer und Vorsitzender der Fabrikatsgruppe Motorrad im ZDK und seit jeher authentischer und engagierter Verfechter einer Branche, die mittleweile um ihr Überleben fightet.

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