Europacup der Zweiradberufe 2017: Schweizer Schrauber-Seligkeit

Eidgenossen räumen vier Medaillen ab, Silber geht an Deutschland und die Niederlande

| Autor: Stephan Maderner

21 Teilnehmer aus sechs Nationen schraubten um den Europameistertitel der Fahrrad- und Motorradmechaniker. Das Jubelfoto mit den Siegern.
21 Teilnehmer aus sechs Nationen schraubten um den Europameistertitel der Fahrrad- und Motorradmechaniker. Das Jubelfoto mit den Siegern. (Bild: Stephan Maderner)

Der 9. Europacup der Zweiradberufe fand am vergangenen Wochenende anlässlich der Swissmoto in Zürich statt. Insgesamt traten 21 junge Berufsleute aus sechs Ländern (Deutschland, Niederlande, Österreich, Polen, Tschechien und Schweiz) in diesem Berufswettbewerb in den Fachrichtungen Motorradtechnik und Fahrradtechnik gegeneinander an.

Wie mit eingebauter Sprungfeder hüpft der junge Mann mit den schulterlangen braun-gelockten Haaren auf's Siegerpodest, reißt jubelnd die Arme in die Höhe und nimmt den Pokal und die blecherne Ehrenbezeugung des Sponsors Motorex entgegen. Mit feuchten Augen genießt er das Abspielen der Schweizer Nationalhymne. Drei Gridgirls stehen Spalier und halten die Flaggen hoch – was für eine Inszenierung! Unter tosendem Applaus des heimischen Publikums lässt sich Claudio Rossi aus Sissach bei Basel feiern: Er ist eben zum Europameister der Motorradmechaniker 2017 gekürt worden.

Rossi siegt beim Europacup der Zweiradberufe, ausgetragen im Rahmen der Swissmoto in Zürich. Der Zweitplatzierte, der Niederländer Dirk Harpe, kurz zuvor von zweien seiner Ausbilder auf Schultern Richtung Siegerpodest getragen, verdrückt ebenfalls die eine oder andere Träne. Auch für Cedric Zbinden aus Schwarzenburg, der für die Eidgenossen die Bronzemedaille holt, heißt es: „One moment in time“ oder besser „simply the best“! Denn ohne Zweifel gehört diesem Schraubernachwuchs die Zukunft, die Weichen zu Beginn ihrer beruflichen Karriere im Zweiradhandwerk sind gestellt. Wer hier am Ende des Champion-League-Finales auf dem Siegertreppchen steht, darf sich glücklich schätzen und taugt zum Branchenvorbild.

So viel Konkurrenz war nie

Die Konkurrenz war riesengroß: 21 Kandidaten aus sechs Nationen schraubten in den Kategorien Motorrad- und Fahrradtechnik um die Wette. Am Start waren Teams aus Deutschland , der Schweiz, Österreich und Tschechiens sowie erstmals aus Polen und den Niederlanden. Den europaweiten Vergleich gibt es bereits seit 2009 und wird getragen von der Initiative Bike Experts Europe, bei der »bike und business« als Medienpartner und Matthies als Förderer des europäischen Zweiradhandwerks fungiert. Der Hamburger Motorradgroßhändler stellte den Kandidaten großzügig modernes Werkstattequipment – von der Hebebühne bis zum Spezialwerkzeug – zur Verfügung.

Schweizer Schrauber nutzen Heimvorteil

Die zwei Kandidatinnen und 19 Kandidaten mussten an zwei Wettkampftagen je zehn anspruchsvolle technische Aufgaben lösen. Am Schluss holte das schweizerische Team vier von sechs Medaillen. Je ein Mal Silber ging an die Niederlande und Deutschland. In der Fahrradtechnik gewann Jonas Roth aus Menzingen (Schweiz) vor dem Deutschen Maximilian Schulz von Rad-Schulz aus Ettenheim und Christian Gut aus Meisterschwanden (Schweiz).

Das Abschneiden der Deutschen

Die deutsche Delegation wurde wieder angeführt von Ernst Brehm (Landesinnung Hessen und BIV-Vorstand) und Claudia Dillenburger (Leiterin Bundesfachschule und BIV-Vorstand). Sogar Bundesinnungsmeister Frank Döring ließ es sich nicht nehmen, das deutsche Team anzufeuern. Nadja Tillmanns von Motorrad LuSt Köln, Landessiegerin NRW 2016, sprang kurzfristig für den verletzten Bundessieger Sebastian Braun ein. Sie stand in dem hochklassig besetzten Wettbewerberfeld ihre Frau. Gernot Schober von City Roller Stuttgart verpasste wie seine Mitstreiterin nur knapp den Sprung auf's Podest. Bei der Fahrradtechnik holte sich Maximilian Gut von Rad Schulz aus Ettenheim die Silbermedaille. Kasimir Kohlhage landete mit einer ebenfalls guten Leistung in der Top Ten.

Was für eine Wettbewerbsorganisation!

Der Veranstalter, 2rad Schweiz, hat mit der Organisation und der Durchführung des europäischen Zweiradvergleichs das Tor in eine neue Dimension aufgestoßen. Dem Nachwuchs wurde eine großartige Showbühne bereitet und im Rahmen der Motorradausstellung Swissmoto in Zürich in Halle 7 eine fantastische Öffentlichkeit erzeugt. Der große Besucherandrang zeigte das Interesse an den Zweiradberufen. Die Besucher erlebten live, welche Arbeiten in einer Zweiradwerkstatt ausgeführt werden und mit welcher Kompetenz und Hingabe die jungen Zweiradprofis ans Werk gehen.

Europas Zweiradhandwerk lebt

2rad Schweiz-Präsident Peter Sommer zog eine äußerst positive Bilanz. Einerseits verfüge die Schweiz über hochqualifizierte Berufsleute in der Zweiradbranche, anderseits sei die Organisation und Präsentation des Wettbewerbs sehr publikumswirksam gewesen. Sommer lobte auch das Engagement der befreundeten Europacup-Nationen, die ihre besten Kräfte in den Wettbewerb schickten. Alle Teilnehmer hätten gezeigt, was in ihnen steckt und welchen Stellenwert eine niveauvolle Ausbildung in den partizipierenden Nationen eingeräumt werde.

Ein besonderer Dank geht auch an den „Master Mind“ des Europacups, Roland Fischer. Der Vizepräsident von 2Rad Schweiz und Berufsbildungsobmann war Garant für eine perfekte Vorbereitung und Abwicklung dieses multidimensionalen Events. Dabei unterstützte ihn kongenial Generalsekretär Daniel Schärer, der operativ die Fäden zog. Der 9. Europacup in Zürich hat die Benchmark-Messlatte dieses Nachwuchswettbewerbs ziemlich hoch gelegt.

Die Champions-League feiert 2018 Jubiläum

Tschüss, servus, baba, sbohem, bye, doei, uf widerluege und auf Wiedersehen zum 10. Europacup. Der nächste Wettkampf um die Krone im europäischen Zweiradhandwerk findet Mitte/Ende Januar 2018 in Frankfurt am Main statt. Austragungsort der Jubiläums-Europameisterschaft wird die Bundesfachschule für Zweiradtechnik der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Frankfurt sein.

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