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Europas Herstellerverband Motorrad funkt SOS

Die europäische Motorradindustrie, die von einem beispiellosen Rückgang der Fahrzeugzulassungen aufgrund des Covid-19-Ausbruchs betroffen ist, fordert Unterstützung von der EU.

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Corona, das könnte ins Auge gehen: Die Folgen der Pandemie aus Sicht der professionellen Motorradbranche. Derzeit sind überall nur ernüchternde Zahlen zu sehen.
Corona, das könnte ins Auge gehen: Die Folgen der Pandemie aus Sicht der professionellen Motorradbranche. Derzeit sind überall nur ernüchternde Zahlen zu sehen.
(Bild: Omni Matryx auf Pixabay)

Der europäische Motorradherstellerverband Acem schlägt Alarm: Die gestern aus den Brüsseler Headquarters versandte Meldung zeigt das dramatische Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen, welche das Coronavirus auf dem Kontinent in den vergangenen zwei Monaten ausgelöst hat.

Acem-Kommunikationschef Manuel Ordonez de Barraicua teilte mit: „Die Motorrad-Zulassungen in ganz Europa gingen im März und April im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2019 infolge der Auswirkungen des Covid-19-Ausbruchs stark zurück.“ Durch den wirtschaftlichen Lockdown und die damit verbundene zwangsverordnete Schließung der Läden der Motorradhändler sei die kommerzielle Aktivität praktisch zum Erliegen gekommen. Die Gesamtzulassungen in den fünf größten Motorradmärkten, also Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien, fielen im März 2020 um 39,6 Prozent im Vergleich zum selben Monat des Jahres 2019. Die Situation verschlechterte sich im April 2020 noch weiter – in den fünf größten Märkten gingen die Neuzulassungen um durchschnittlich 74,9 Prozent zurück. Einige Länder habe es noch härter getroffen: Hier melden die Statistiker einen wirklich dramatischen Schrumpf in Höhe von minus 84 bis 96 Prozent.

Das Moped-Segment war gleichermaßen betroffen. Die größten europäischen Mopedmärkte sind hier Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen und Spanien. Dort wurden im März 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat 37,9 Prozent weniger Zweiräder zugelassen. Im April 2020 gingen die Mopedregistrierungen in denselben Märkten sogar um 55,1 Prozent zurück.

Aufgrund des saisonalen Charakters des Marktes mit einer Konzentration der Verkäufe auf das Frühjahr, habe der Corona-Ausbruch im März und April die europäischen Händler unter erheblichen finanziellen Druck gesetzt. Darüber hinaus kämpften die Händler mit einem großen Überbestand an Euro-4-Fahrzeugen, die zum Abverkauf für die Frühjahrssaison vorbereitet worden seien. Diese Fahrzeuge könnten aufgrund von Änderungen der gesetzlichen Bestimmungen, die ab 1. Januar 2021 in Kraft treten, quasi unverkäuflich werden.

Die europäische Motorradindustrie begrüßt die verschiedenen unterstützenden Wirtschaftsmaßnahmen, die die Mitgliedstaaten und die EU-Kommission auf den Weg gebracht haben. Die einzige zusätzliche Forderung der motorisierten Zweiradbranche besteht darin, dass die Kommission den Zeitraum, in dem Euro-4-Fahrzeuge verkauft werden können, verlängert wird. Dadurch würde es vermieden, dass die Händler auf Hunderttausenden unverkäuflicher Produkte sitzen blieben.

Antonio Perlot, Acem-Generalsekretär, kommentierte die aktuelle Situation: „Mit der schrittweisen Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten nachd em Lockdown werden uns die Daten für die nächsten drei Monate einen klareren Überblick über die endgültigen Auswirkungen des Covid-19-Virus geben. Dennoch ist bereits jetzt klar, dass 2020 ein sehr schwieriges Motorradjahr werden wird, mit außergewöhnlichen Unterbrechungen der Aktivitäten von Herstellern, Händlern und Zulieferern.“ Acem und seine Mitglieder arbeiteten mit den EU- und nationalen Verwaltungen zusammen, um eine Lösung für das Problem des Überbestands von Hunderttausenden von Euro-4-Fahrzeugen zu finden. Dies erfordere eine Überprüfung der aktuellen Gesetzgebung. Nur so könne sichergestellt werden, dass sich die Motorradhändler in ganz Europa so schnell wie möglich von den Auswirkungen der Pandemie erholen könnten".

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