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Fachtagung 2015 – KSR Group: Motorradhändlers Profitchancen mit Pedelec, Segway & Co.

Stephan Schmatz von der KSR Group hielt auf der Fachtagung »bike und business« einen spannenden Vortrag über die Zukunft der Elektromobilität auf zwei Rädern.

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Stephan Schmatz von der KSR Group lotete die Chancen der Elektromobilität auf zwei Rädern aus.
Stephan Schmatz von der KSR Group lotete die Chancen der Elektromobilität auf zwei Rädern aus.
(Foto: Johannes Untch)

Elektromobilität: Motorradhändlers Profitchancen mit Pedelec, Segway & Co. – so lautete der Titel des Vortrags von Stephan Schmatz, Leiter PR und Marketing der KSR Group. Er definierte zunächst die neue Interpretation des Begriffes „Öko“. Das alte Öko sei geprägt von Attributen wie rückwärtsgewandt („zurück auf die Bäume“), verhindernd, wirtschaftsfeindlich, asketisch, zurück zu lokalem Denken und Handeln. Das neue Öko hingegen sei zukunftsorientiert, ermöglichend, High-Tech, stehe für einen boomenden Wirtschaftszweig, mache Spaß, denkt und agiert global. Die Galionsfigur des alten Öko-Begriffs sei WaLuLiSo, ein Wiener Stadtoriginal sowie Umwelt- und Friedensaktivist. Dagegen verkörpere Elon Musk, Erfinder und Investor des Stromautoproduzenten Tesla, die neue Öko-Philiosophie.

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Dunkle Wolken sieht Schmatz für den Motorradhandel insbesondere im „jugendorientierten“ 50/125 cm³-Bereich aufziehen, der geprägt sei von Geburtenrückgängen, weniger Jugendlichen, für die zudem Handy, PC, Tablet, Spielekonsolen wichtiger sind als Roller & Co. und die individuelle Mobilität durch Großeltern und Eltern mit Führerschein und Auto auf dem Silbertablett präsentiert bekommen. Viel zu komplex sei zudem der Zugang zu den Fahrerlaubnissen. So sind in Österreich gleich vier Führerscheine in vier bis fünf Jahren fällig, wenn man von Anfang an motorisierte Zweiräder fahren und am Ende auf ein großes Motorrad steigen möchte (Mofa/AM/A1/B/A2). Die Marken größerer Motorräder, denen es gegenwärtig noch ganz gut gehe, würden diesen Mangel an Nachwuchs zeitversetzt zu spüren bekommen.

Schmatz wagt eine Prognose für den Zweiradmarkt in Deutschland in den Jahren 2016 bis 2025. Sie beruht auf verschiedenen Studien. Demnach erwartet er, dass in diesem Zeitraum ca. 1 bis 2 Millionen Benzinzweiräder zwischen 50-125 cm³ in Deutschland verkauft werden, aber rund 10 bis 20 Millionen E-Bikes die einen Käufer finden sowie auch unterschiedliche Leichtelektrofahrzeuge, die sich außerhalb der klassischen Kategorien bewegen und von Marktstudien bislang kaum erfasst werden. Dazu gehören zum Beispiel „Smart Product“-Konzepte, wie sie etwa die KSR Group im Portfolio hat: Segway oder Ninebot.

Um den Markt kämpfen Fahrrad-, Sportfach- und Elektrofachhandel, Versandhäuser, Discounter, Onlinehändler und last but not least: der Motorradfachhandel. Selbst wenn sich letztere nur zehn Prozent des E-Bike-Volumens sichern könnte, wäre das ein enormes Potenzial. Warum sollte sich der Motorradfachhandel nicht ein großes Stück des Kuchens sichern? Für ihn spreche:

- Nähe zum Kunden und Service wichtiger als Marke und Preis,

- Nur 30 Prozent können sich Internetkauf vorstellen,

- Infrastruktur und Know-how für Service & Reparaturen vorhanden,

- preisbewusste und kaufkräftige Kunden,

- ältere Kundschaft,

– höher gebildete Kunden (Büromenschen wollen nicht verschwitzt ins Büro),

– viele Billig-E-Bike-Käufer der ersten Stunde wollen „aufsteigen“.

Interessante und aufsehenerregende Produkte aus der Elektromobilität brächten auch Ex-Motorradfahrer wieder in den Laden, so Schmatz. Der Motorradhandel sei gewohnt, Fahrspaß zu vermitteln. Es gäbe weniger Berührungsängste als bei Benzinfahrzeugen, vor allem bei E-Rollern, die leise und emissionslos fahren und damit gleichzeitig als weniger gefährlich wahrgenommen werden.

Was spricht noch für den klassischen Motorradhändler als E-Bike-Vermarkter? Viele „Businesskunden“ brauchen für ihre Firmenfahrzeuge, Verleih etc.professionellen Service, den die Motorradwerkstatt bieten kann. Zudem seien die Margen im Fahrradbereich höher als im Motorradsektor. Wegen zahlreicher öffentlicher Förderungen und Kampagnen gebe es zudem viele Vermarktungsmöglichkeiten.

Was tun? „Vorleben! Selbst E-Fahrzeuge sichtbar fahren, Aktionen für Mitarbeiter starten“, sagt Schmatz. Sein Fazit: Leichte Elektrofahrzeuge sind eine große Chance in einer schwierigen Zeit mit langfristigen für den Motorradhandel negativen sozio-demographischen Entwicklungen. Es kämpfen viele Mitbewerber um ein Stück vom Kuchen. Motorradhändler mit Engagement haben – auch dank diverser kostengünstiger Werbemöglichkeiten – große Chance, eines abzukriegen.

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