Fachwelt entrüstet über Pedelec-Panikmache

Die Lobby schlägt zurück

14.04.2011 | Redakteur: Stephan Maderner

Ein unseriöser Bericht der Versicherungswirtschaft rückt Pedelecs in ein falsches Licht.
Ein unseriöser Bericht der Versicherungswirtschaft rückt Pedelecs in ein falsches Licht.

Ein „tendeziöser“ Bericht des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft sorgt in der Branche für Aufklärungsbedarf.

Unter dem Titel „Crashtests zeigen hohe Unfallrisiken durch Elektrofahrräder“ veröffentlichte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am 7. April 2011 eine Pressemeldung, die sich mit der E-Bike-Gattung „Pedelecs“ beschäftigt. Sowohl Pedelec-Fachleute wie auch Anbieter derartiger Fahrzeuge halten die Meldung für einseitig und fachlich fehlerhaft, berichtet der „pressedienst-fahrrad“.

Schon die Grundaussage des Tests, 45 km/h schnelle Pedelecs bergen ein erhöhtes Unfallrisiko, ist nach Ansicht von Tobias Spindler vom Anbieter Riese und Müller irreführend einseitig, meldet die Agentur. „In beiden gezeigten Testanordnungen erschließt sich uns kein Unterschied zu einem Fahrad ohne elektrischen Antrieb. Beide Unfallsituationen hätten ebenso mit rein per Muskelkraft angetriebenen Fahrrädern passieren können,“ erklärt Spindler und fragt sich, welche Intention Tests und Meldungen haben.

Das Branchenportal Velobiz.de sieht in der GDV-Argumentation eine undifferenzierte Panikmache: „Das Ärgerliche an dieser Pressemitteilung und den daraus entstanden Medienberichten ist aus Sicht der Fahrradbranche nicht die Tatsache, dass auf mögliche Gefahren von schnellen Pedelecs hingewiesen wird, sondern dass alle Pedelecs über einen Kamm geschert werden: Während sich die meisten Kritik- und Gefahrenpunkte insbesondere auf die Klasse der schnellen Pedelecs beziehen, wird mit keinem Wort erwähnt, dass bis zu 95 Prozent der verkauften Elektroräder nicht dieser Klasse angehören und nur bis 25 km/h unterstützen.“ „Von hohen Unfallrisiken durch schnelle Pedelecs, wie in einer aktuellen Studie des GDV beschrieben, kann also keine Rede sein“, erklärt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV).

Wer überholt wen?

Der GDV schreibt in seiner Mitteilung, dass schnelle Pedelecs zu häufigeren Überholmanövern führten und diese sich wiederum nahezu zwangsläufig in erhöhten Unfallzahlen widerspiegeln müssten. „Fürs Überholen gibt es klare und hinreichend in der Praxis bewährte Vorschriften. Ob ein Auto, ein Motorrad oder ein Pedelec überholt wird, spielt dabei keine Rolle“, meint Gunnar Fehlau, Leiter des pressedienst-fahrrad und zusammen mit Peter Barzel Autor des Buches „Das E-Bike“. An dieser Stelle zeige sich Fehlaus Meinung nach auch die Unschärfe der Pressemitteilung, denn sie lasse offen, von welchen Überholvorgängen überhaupt die Rede ist: „Mit dem schnellen E-Bikes darf man innerorts gar nicht auf dem Radweg fahren, dort führen sie zu keiner erhöhten Frequentierung und auf dem deutschen Straßennetz werden die kaum 10.000 schnellen Pedelecs, die 2011 verkauft werden, keine nennenswerte Ballung mit sich bringen“, ist Fehlau überzeugt.

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