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Fahrbericht: Mash Adventure 400 R

Autor / Redakteur: SP-X/Ulf Böhringer / Lena Hofbauer

Die französische Marke Mash lässt ihr erstes Reisemotorrad der Preise wegen in China fertigen. Das merkt man.

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Die Adventure 400 R legt die Nostalgie-Linienführung ab und präsentiert sich in einem etwas moderneren Design.
Die Adventure 400 R legt die Nostalgie-Linienführung ab und präsentiert sich in einem etwas moderneren Design.
(Foto: SP-X/fbn)

Spotpress-Autor Ulf Böhringer testete das erste Reisemotorrad von Mash: „Ein knappes Jahr sind die kleinvolumigen Einzylinder-Motorräder der Marke Mash mittlerweile auf dem deutschen Markt. Schon mit dem ersten Modell „Five Hundred“, das in Wahrheit eine 400er ist, hat die französische Firma keine übertriebene Zurückhaltung an den Tag gelegt. Das perfekt in den aktuellen Retro-Hype passende Motorrad, das von einem Nachbau des Motors der Honda XBR 500 angetrieben und in China gebaut wird, findet auch in Deutschland mehr Liebhaber als erwartet. Jetzt bringt der deutsche Importeur das erste Reisemotorrad der Marke auf den Markt: Die Adventure 400 R legt die Nostalgie-Linienführung ab und präsentiert sich in einem etwas moderneren Design. Für den Preis von 5.595 Euro muss man mit Technik von Gestern vorliebnehmen, wie kurze Fahrtests offenbaren.

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Auch im Reich der Mitte ist klar: Ohne Schnabel, einst von der Suzuki DR Big erstmals präsentiert, kommt kein Adventurebike vom Fleck. Deshalb trägt auch die Mash Adventure 400 R ein solches Teil unterm Halogen-Doppelscheinwerfer. Zum Programm gehören, untermauern die großen Räder, die mit viel Negativprofil ausgestatteten Reifen, der Adventure-Schriftzug auf dem 19 Liter großen Stahltank und vor allem die Aluminium-Gepäckboxen. An ihnen demonstriert der chinesische Zulieferer eindrücklich, dass er die deutschen Touratech-Boxen des Nachbaus für würdig hält. Schwergängige Schlösser und teils nicht entgratete Kanten offenbaren schnell, dass man auch in China nicht zaubern kann. Billig geht auch dort nur unter Inkaufnahme reduzierter Qualitätsansprüche.

Besteigt man die mit 88 Zentimeter Sitzhöhe, wähnt man sich auf einem recht erwachsenen Motorrad. Das Starterknöpfchen erweckt einen sonor aus dem Doppel-Auspuff bollernden luftgekühlten Einzylindermotor zum Leben, dessen Lebensäußerungen spontan als gelungen empfunden werden: Kräftig, aber nicht lästig. 27 PS leistet der exakt 397 Kubikzentimeter Hubraum messende Vierventil-Einzylinder bei 7.000 Umdrehungen/min., das maximale Drehmoment von 32 Nm fällt bei 5.500 Touren an. Das mit rund 300 zurückgelegten Kilometern noch nicht eingefahrene Triebwerk des Testfahrzeugs wirkte zäh und scheute vor Drehzahlen jenseits der 6.000er-Marke noch zurück; eine „Five Hundred“ mit 3.000 Kilometern auf dem Tacho, die vom gleichen Motor angetrieben wird, demonstrierte, dass die Triebwerke nach einiger Zeit deutlich leichter laufen. Beim noch fast jungfräulichen Testbike war also wegen des noch eingebremsten Temperaments bei der Landstraßenfahrt beschauliches Tempo angesagt. Das Fünfgang-Getriebe ließ sich aber bereits im Neuzustand einwandfrei betätigen.

Natürlich ist bei einem Low-Budget-Bike nur ein einfacher Stahlrahmen vorstellbar; die hintere Zweiarmschwinge ist dagegen aus Aluminium gefertigt. Zur Radführung werden voll einstellbare chinesische Federelemente der Marke Fast Ace verbaut, die ihrer Aufgabe hinreichend nachkommen. Die Federwege sind mit 210 Millimetern vorne und 200 Millimeter hinten recht großzügig bemessen; auf Landstraßen zweiter Ordnung verrichten sie ihren Dienst zufriedenstellend, schlechtere Wege waren auf der kurzen Testfahrt nicht erreichbar. Die Bremsanlage konnte nicht wirklich überzeugen; insbesondere die vordere 280 mm-Einzelscheibe ist recht stumpf ausgelegt. Die hintere 220 mm-Scheibe arbeitet nach Kräften zu. Ein ABS ist nicht vorhanden. Wer das Potenzial des Triebwerks zu nutzen versteht, kann mit der Adventure angenehm cruisen, wobei der Benzinverbrauch dann auch bescheiden ist. Der Hersteller gibt den Durchschnitt mit 3,5 Litern/100 Kilometer an, was angesichts des sehr großen 19 Liter-Tanks eine Reichweite von über 500 Kilometer ergeben würde.

Dass die Verarbeitung des beim größten chinesischen Motorradhersteller Shineray Motorcycle gefertigten Mash nicht die Güte europäischer Premiummarken erreicht, ist wenig überraschend. Rustikal ausgeführte Schweißnähte beispielsweise muss man in Kauf nehmen. Dass der Stahlbügel im Cockpit krumm und schief war, wird vermutlich nur von sehr toleranten Kunden akzeptiert. Auch das Spaltmaß zwischen Windschild und Cockpit differierte zwischen der linken und rechten Seite um mehrere Millimeter. Nur geringfügig Kritik üben konnte man an der Instrumentierung: Außer dem analogen Drehzahlmesser, dem eine Anzeige für den Beginn des roten Bereichs fehlt, gibt es ein großes Display, in dem unter anderem Tempo und die aktuelle Uhrzeit angezeigt werden; letztere sekundengenau, eine Novität bei Motorrädern.

Die fahrfertig rund 170 Kilogramm wiegende Adventure 400 R erscheint als Zeitmaschine; sowohl ihre Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h wie auch ihr Fahrverhalten entsprechen dieser Auslegung. An längst vergangene Zeiten erinnern auch die kurzen Wartungsintervalle von 3.000 Kilometern. Angesichts der hölzern wirkenden China-Pneus erscheint die verhaltene Dynamik des noch nicht eingefahrenen Motors gar nicht unpassend. Insofern passt das kleine Motorrad ausgezeichnet zur Werbeaussage der Vertriebsfirma: „Mash das Nostalgie-Motorrad, das Emotionen der 70er Jahre weckt“.“

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