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Fastbike – das letzte Rennen

Ralf Steinert, geschäftsführender Gesellschafter der Düsseldorfer Steinert GmbH musste am 18. Januar 2018 Insolvenz anmelden. Das bedeutete das Aus des in der Supersportszene vielbeachteten Magazins „Fastbike“ – über die Rolle des Branchenwandels und die ökonomischen und gesellschaftlichen Hintergründe.

Spuren im Asphalt: Mit diesen Titel beglückte Fastbike in den vergangenen knapp neun Jahren seine Leser.
Spuren im Asphalt: Mit diesen Titel beglückte Fastbike in den vergangenen knapp neun Jahren seine Leser.
(Bild: Fastbike)

Traurig, aber wahr – nach exakt acht Jahren und sieben Monaten inspirierender Lektüre hat das in der Motorradszene bekannte „Fastbike“-Magazin im Januar 2018 sein Erscheinen eingestellt. Das aufwendig gestaltete Hochglanzmagazin für (super)sportliche Motorradfahrer und technikbegeisterte Rennsportler ist Geschichte. Bekannt war das Blatt für seine vielen Geschichten abseits des gängigen Mainstreams.

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Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2017 und den unsicheren Prognosen für 2018 sah sich die Geschäftsleitung Anfang Januar gezwungen, die Produktion des Heftes einzustellen. Am 18. Januar 2018 stellte die Steinert GmbH einen Eigenantrag beim Amtsgericht Düsseldorf, das Insolvenzverfahren wurde am 1. Februar eröffnet. Alle Abonnenten wurden vom Insolvenzverwalter Friedrich Knoop über das weitere Vorgehen schriftlich informiert.

Als Printmagazin im deutschen Sportmotorradmarkt wuchs das Magazin seit seiner Gründung im August 2009 allerdings in ein immer schwieriger werdendes Umfeld hinein. Dies zeigt ein Blick in die Neuzulassungsstatistiken seit 2002. Damals wurden 27.190 Motorräder der Kategorie Supersport zugeordnet, das waren 18,65 Prozent Marktanteil. Seither ging es mit wenigen Unterbrechungen stets bergab, wie ein Blick in die IVM-Bilanzen ans Tageslicht befördert.

2002: 27.190 Einheiten/18,65 Prozent Marktanteil

2004: 23.346/18,29 Prozent

2006: 18.836/16,19 Prozent

2008: 14.966/14,41 Prozent

2010: 9.298/11,59 Prozent

2011: 7.797/9,37 Prozent

2012: 6.945/8,15 Prozent

2013: 5.968/6,83 Prozent

2014: 4.747/4,90 Prozent

2015: 5.1054/5,78 Prozent

2016: 6.468/5,50 Prozent

2017: 4.091/4,06 Prozent.

Innerhalb der vergangenen 15 Jahre sank die Zahl der jedes Jahr neu zugelassenen Supersportler um 84,96 Prozent auf nur noch knapp über 4.000 Einheiten (2017). Der Marktanteil war Anfang der 2000er vier Mal so hoch wie heute, wo gerade mal 4,06 Prozent erzielt wurden.

Kein Wunder, dass ein solcher Schwund dann auch Spuren in der Bilanz von Medien hinterlässt, die sich ohnehin in einem gnadenlosen Transformationsprozess mit noch offenem Ausgang befinden. Dazu Ralf Steinert, geschäftsführender Gesellschafter: „Unsere Kräfte reichten leider nicht aus, die jüngsten Entwicklungen im deutschen Motorradsport zu überleben. Wenn in der Gesellschaft der sportliche Wettbewerbsgedanke und die Liebe zur Performance gegenüber einem für jedermann käuflich zu erwerbenden Lifestyle und Pseudo-Sport zurücktreten müssen, kann auch ein Rennsport-Fachmagazin wie die Fastbike mit seinen hohen Produktionskosten wirtschaftlich nicht mehr bestehen.“

Trotz allem dürfen „Edelfeder“ Ralf Steinert und „Marketingkönigin“ Uta Wallstab an seiner Seite stolz auf die vielen Impulse und Denkanstöße sein, die sie der Motorradmagazin-Landschaft in den vergangenen Jahren gegeben haben. Sie brachten das Roadracing wieder zurück in die deutschsprachigen Medien, sie zeigten viel journalistisches Herz und gaben den Protagonisten der Rennsportszene ein sympathisches Gesicht. Nun heißt es für die beiden Kopf hoch: So ein Aus bedeutet ja immer auch das Aufscheinen neuer Horizonte.

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