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Fliegeralarm an der Côte d’Azur!

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 10/I), Folge 759: Vier deutsche Journalisten, darunter ich, waren eingeladen zur Internationalen Produktvorstellung der neuen Zero SR/S an der Französischen Riviera. Der neue elektrische Sporttourer des US-Elektromotorradherstellers aus Kalifornien...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...basiert auf dem im vergangenen Jahr vorgestellten Naked Bike SR/F. Untergebracht waren wir Testpiloten im Mouratoglou Hotel & Resort, rund 20 Kilometer südwestlich von Nizza gelegen. Unweit befindet sich die international renommierte Tennis Academy Mouratoglou. Dort schwangen schon Steffi Graf, die Williams-Schwestern, Maria Hingis oder Angelique Kerber ihre Schläger. Nachdem ich in den vergangenen vier Monaten den milden Würzburger Straßenwinter im Sattel eines 50er E-Rollers verbrachte (Saxxx E-Bee), kam der Trip in die Sonne der Côte d’Azur und die Probefahrten auf einem ausgewachsenen Elektromotorrad natürlich wie gelegen.

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Wie immer war das Top-Management von Zero Motorcycles angetreten, um ausgewählten europäischen Journalisten die Philosophie ihres neuen High-End-Stromers näher zu bringen, darunter u.a. Emea-Chef Umberto Uccelli, Matt Bentley (Director Industrial Design), Abe Askenazi (Chief Technolgy Officer) und Artruro Carrero (Marketing Manager Emea). Ein Video-Grußwort vom Zero-CEO Sam Peschel rundete die Medienperformance ab.

Zum Bike: Mit der eleganten Vollverkleidung erinnert die Maschine tatsächlich eher einem Flugzeug, einem Learjet oder einem Gulfstream. „Die Designanleihen aus der Luft- und Raumfahrt sind ganz bewusst gewählt“, so Matt Bentley. Sehr empathisch brachte auch Technik-Chef Abe Askenazi die technischen Einzelheiten rüber. Askenazi ist seit gut zehn Jahren bei Zero und war zuvor die rechte Hand von Erik Buell. So erklärt sich tatsächlich auch die unbestrittene Tatsache, dass die Frontpartie des Zero SR/S einer Buell 1125 Lightning ähnelt.

Zu den technischen Daten des neuen Sporttourers mit dem Slogan „Fast Forward“: Der selbst entwickelte Motor ZF 75-10 und die 14,4 kWh Lithium-Ionen-Batterie der SR/S sorgen für 190 Nm Drehmoment und 110 PS. Der kompakte Antriebsstrang verfügt über eine innovative Luftkühlung. Sie wirkt sich laut Hersteller auf die Akku-Lebensdauer aus (fünf Jahre Garantie gibt es ohnehin) und reduziert den Stromverbrauch im Vergleich zur SR/F um 13 Prozent! Die 229 Kilogramm schwere E-Rakete beschleunigt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Die Motorrad-Stabilitätskontrolle von Bosch ist State of the Art. Die SR/S bietet neben Street, Sport, Eco und Regen bis zu zehn benutzerdefinierte Fahrmodi. Und dank des Cypher III-Betriebssystems von Zero ist sie eines der ersten smarten Motorräder auf dem Markt. Die Konnektivität der App gibt dem Fahrer die Möglichkeit, das Motorrad in vier Bereichen zu überwachen: Motorradstandort und -warnungen, Ladeaktivitäten, Fahrdaten sowie Systemstatus und -aktualisierungen.

Heißes Diskussionsthema war – wie immer beim Thema Elektromotorrad – die Reichweite. Während der Testfahrten rund um Nizza und Cannes schaffte ich mit meinem Standardmodell (ohne zusätzlichen Power Tank) 110 Kilometer Testkilometer. Der Akku zeigte beim Abstellen des Bikes vor der Ladesäule am Hotel noch 32 Prozent Ladung an. Das hätte noch locker für eine Testreichweite von 60 Kilometern gereicht. Wem das nicht ausreicht, der sollte sich den zusätzlichen Power Tank anschaffen. Diese Investition erhöht die Reichweite laut Hersteller dann theoretisch auf über 300 Kilometer. Umberto Uccelli wies darauf hin, dass der europäische Durchschnittsbiker in seiner Freizeit laut ZMC Etappen von durchschnittlich 168 Kilometer zurücklege. Und der Berufspendler gar nur 65 Kilometer im Schnitt. „Reicht dicke für die Range der SR/S“, so der Emea-Chef.

Zum Thema Combined Charging System: Die Zero SR/S lädt AC über Typ-2-Stecker. Die „Standard“-Version lädt mit 3 kW, Premium mit 6 kW. Wer mehr will, holt sich zusätzlich noch den „Charge Tank“ in den Stauraum der Tankattrappe (wer diese Version wählt, kann aber dann keinen extra Power Tank mehr einbauen). Dann saugt das Bike maximal 12 kW an AC-Ladesäulen. Es ist richtig, dass der Zero da die DC-Ladung über CCS, wie es der Wettbewerber Energica anbietet, fehlt. Andererseits sind die 12 kW, die der Stromer mit bis zu 12,6 kWh auf Tagestouren sinnvoll nachladen kann – durchaus okay. Außerdem gebe es derzeit laut Zero rund 90 Prozent AC-Ladesäulen und nur zehn Prozent DC-Stationen. Wegen dieser vorherrschenden Infrastruktur sei für Zero deshalb CCS kein Thema.

Der Preis für das Premium-Modell der SR/S mit 6 kW-Schnellladegerät, beheizten Handgriffen und Aluminium-Lenkerenden beginnt bei 23.740 Euro (Deutschland). Das Standard-Modell mit 3 kW-Schnellladegerät startet bei 21.540 Euro. Sowohl Premium- als auch Standardmodelle sind in den Farben Skyline Silver und Cerulian Blue erhältlich.

Mein Fa(hr)zit: Die neue Zero SR/S erfüllt tatsächlich die Kriterien eines agilen Sporttourers und besticht durch easy handling. Das Fahrwerk ist topp, das Bike liegt sicher und satt auf der Straße, die Bremsen packen kräftig zu, die Fahrleistungen sind äußerst performant, die Sitzposition aerodynamisch wie ergonomisch super. Für mich ist die Zero SR/S ein echter Asphalt-Jet auf zwei Rädern. Kraftentfaltung, Kontrolle und Konnektivität sorgen für einen Aha-Effekt beim Fahren. Einfach mal ausprobieren und sich elektrisieren lassen: die ersten Vorführer kommen bereits im März in den Handel. Europapremiere feiert die Zero SR/S auf der Dortmunder Motorradmesse vom 5. bis 8. März 2020. Zero stellt die SR/S und weitere Modelle in Halle 3, Stand 329 aus. Wenn nicht doch noch das Coronavirus zuschlägt...Wunderlich und Suzuki haben ihre Teilnahme in Dortmund leider schon abgesagt.

(ID:46388598)

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