Fluglotsen in Sachen Motorradbusiness

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 51/2014/I). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin und gibt redaktionelle Hintergrundinfos preis.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin und gibt redaktionelle Hintergrundinfos preis.
(Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Würzburg, den 16. Dezember 2014 – Zugegeben, da bin ich schon ein wenig stolz drauf, dass Sie, lieber Leser (als bekennender Gentrifizierungsgegner verzichte ich an dieser Stelle wie immer auf das obligatorische männlich/weiblich), an der Erfolgsgeschichte dieses Newsletters mitschreiben. Nicht nur, dass Sie aufmerksam und interessiert unsere Branchennews gleich zweimal die Woche inhalieren. Nein, Sie schicken uns immer öfter Ihre eigene Meinung zu Themen, die wir zur Diskussion stellen. Für uns ist diese Interaktion mit Ihnen die Kür unseres journalistischen Handwerks. Bekommen wir doch so Informationen aus erster Hand, wissen, wo der Schuh im Handel drückt und bekommen die brisanten Themen auf unserem Radarschirm angezeigt. Das macht uns zu so etwas wie Fluglotsen in Sachen Motorradbusiness!

Es knirscht im Gebälk

So erreicht mich jüngst die Stimme eines bekannten und langjährigen Motorradhändlers aus NRW (Name* der Redaktion bekannt), der sich vor kurzem (leider!) dazu entschieden hat, seine Existenz als Motorradhändler an den Nagel zu hängen. Er antwortet auf meine Anmerkungen zum derzeit kritischen Verhältnis zwischen Hersteller und Händler: „Jahrelang habe ich Ihre Kommentare gelesen und mich immer gefragt, wo hat er nur diese ganzen Informationen her. Diese Lobeshymnen, Händlerwürdigungen etc... Nun muss ich lesen, dass Sie wohl offensichtlich mal mit einem richtigen, ganz normalen Motorradhändler gesprochen haben!! Die sogenannte Industrie hat nämlich bis heute nicht begriffen, oder will es nicht begreifen, dass der über Jahrzehnte gepflegte Vertriebskanal ihrer Produkte gar nicht mehr funktioniert. Ich selbst war über dreißig Jahre treuer Händler einer japanischen Marke und habe es selbst viel zu spät begriffen, dass es längst Aus ist mit der Marke in Deutschland. Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und brauchen nicht weiter kommentiert zu werden.

2008 auf der Intermot wurde ich dann auf eine neue Marke aufmerksam und habe mich sofort als Händler beworben. Ich war damals auch einer der Ersten in Deutschland und habe bis 2012 beachtliche Erfolge erzielt. Nur habe ich einen Fehler gemacht: Ich habe es versäumt, die Qualität der Mitarbeiter des Importeurs zu hinterfragen. Was da gerade passiert, ist unvorstellbar. Da wird systematisch ein gutes Produkt kaputt gemacht. Dort wird nichts getan für eine konsequente Händlerentwicklung. Da werden ehemalige Krankenhausangestellte zu Exklusivhändlern, da wird im VW-Autohaus ein Stück vom Schaufenster freigeräumt und XYZ*-Händler dran geschrieben. Mittlerweile gibt es ein paar Dutzend Händler davon, mit wenigen Ausnahmen, die zusammen einige wenige hundert Einheiten im Jahr verkaufen. Ich glaube, das braucht man nicht weiter zu kommentieren. Es wird nichts für die Produktentwicklung getan. Der Markt wird nicht geschützt im Sinne des Händler. Im Gegenzug wird von uns Händlern verlangt, für rund 200.000 Euro Motorräder vorzuhalten und für 10.000 Euro Zubehör anzuschaffen. Das soll man dann mit zehn verkauften Einheiten im Jahr finanzieren.

»bike und business« hat es in der Hand, eine Lobby zu bilden

Nun habe ich mich von diesem Unsinn befreit und bin zufriedener Privatier, der nicht sein ganzes Eigenkapital für irgendeine Marke verbrennt und kann mir das Treiben mit großem Abstand ansehen. Erschwerend kommt noch hinzu - mal abgesehen von der BMW GS - dass nach Motorrädern, die heute IN sind, im nächsten Jahr schon kein Hahn mehr kräht. Was meiner Meinung nach auch der verfehlten Planung der Importeure zuzuschreiben ist. In diesem Sinne, viele weitere gute Gespräche mit richtigen Motorradhändlern, und bitte Herr Maderner, lassen Sie sich doch mal von einem Motorradhändler vorrechnen, wie viele Motorräder er im Jahr verkaufen muss, nur um das Gehalt eines einzigen Mitarbeiter bezahlen zu können. Sie Herr Maderner sind es, der es in der Hand hat, eine Lobby zu bilden."

Anwalt für Händler und Werkstätten

Schade, dass sich dieser Unternehmer aus dem Kreis der aktiven Motorradhändler verabschiedet hat. Wir versprechen dem ehemaligen Dealer, dass »bike und business« auch in Zukunft als Anwalt für die Händler und Werkstätten fungiert. Mit der ehrenhaften Aufgabe, ein schlagkräftiges Publikationsorgan in der B2B-Motorradszene zu sein, dessen gewichtige Stimme Gehör in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft findet.

(ID:43129841)