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Frank Raspe: „Der Vorturner muss auch turnen können“

| Autor / Redakteur: Alicia Weigel / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

In der Schweißtechnik-Szene ist er wohl bekannt: Frank Raspe. Er ist Vertriebsleiter im Bereich Automotive bei der GYS GmbH in Aachen. Sein Weg dorthin und seine Liebe zum Motorrad sind seine eigentliche Leidenschaft.

Frank Raspe, ein sympathischer Zeitgenosse, mit dem Biker-Herz am rechten Fleck.
Frank Raspe, ein sympathischer Zeitgenosse, mit dem Biker-Herz am rechten Fleck.
(Bild: Privat)

Absolute Stille. Schnee, Eiskristalle und zugefrorene Bergseen soweit das Auge reicht. Man könnte meinen, die Zeit, hier im ewigen Eis, ist stehen geblieben. Doch aus der Ferne hört man etwas: ein leises Summen. Drei Motorradfahrer sind hier im ewigen norwegischen Eis unterwegs. Eine silberne Yamaha XT 1200 Super Ténéré fährt voran. Auf ihr sitzt ein mittelgroßer Mann in schwarzer Motorradkluft. Unter dem Helm blitzen einzelne graue Haare hervor. Langsam gibt er mit seiner rechten Hand Gas. Der Geruch von Benzin, den er so liebt, liegt in der Luft. Den Helm hat er wenig geöffnet. Nichts als er, sein Motorrad und das ewige Eis. „Für mich ist das Motorradfahren ein gewisser Ausgleich, um einfach mal abzuschalten vom Alltag“, erklärt Frank Raspe mit tiefer Stimme und lächelt.

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Der 55-Jährige schwelgt in Erinnerungen von seinem letzten Norwegenurlaub. „Man fährt einfach durch Landschaften, die so atemberaubend schön sind“, erzählt er mit funkelnden, blauen Augen. Schon klingelt wieder sein Telefon und weg ist das Lächeln. Da ist er, der seriöse, sachliche Vertriebsleiter. Eigentlich sitzt er in seinem Büro der GYS GmbH in Aachen. Dort arbeitet er nun bereits seit 13 Jahren. Zuerst war er im Außendienst als Fachberater für Karosseriesysteme bei GYS zuständig. Seit 2009 ist er dort Vertriebsleiter im Bereich Automotiv, wo er vor allem Lichtbogenschweißgeräte, Batterie-Service-Technik und Karosserie-Reparatur-Systeme verkauft.

Dass er heute bei einem Schweißgeräte-Hersteller arbeitet, hätte er wohl früher nicht gedacht. Angefangen hat er Mitte der 80er Jahre als Büro- und Informationselektroniker. „Das erschien mir damals einfach am zukunftsträchtigsten.“ Erst über einen Zufall kam er dann zur Schweißtechnik. „Der Vermieter meiner ersten eigenen Bude war Inhaber eines Schweißfachhandels. Er bot mir an, für Ihn zu arbeiten und nach seiner Pensionierung den Betrieb zu übernehmen. Das klang damals nicht uninteressant“, erklärt er sachlich und fast bescheiden. Dort habe er die Schweißtechnik mit all seinen Facetten von der Pike auf gelernt. Letztlich wurde dieses Unternehmen aber verkauft, weshalb Raspe sich hier beruflich umentschied. Auf einer Messe lernte er seinen späteren Chef, Lothar Dähn, kennen. Gemeinsam mit diesem zog Raspe sehr erfolgreich das Migatronic Rheinland Center auf, wo sie gemeinsam ab 2001 Schweißgeräte aller Art verkauften.

Man merkt, auch heute noch ist Frank Raspe sehr stolz auf diese Zeit. Allerdings musste das Center einige Jahre später auf Anweisung des Mutterkonzerns schließen. Raspe stand nun vor der Wahl, entweder das Center zu übernehmen oder zu einem anderen Unternehmen zu wechseln. „Ich mache das seit rund 15 Jahren, warum also den Laden nicht einfach übernehmen?“, dachte er sich. Da er zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet war und zwei kleine Kinder hatte, entschied er sich verantwortungsbewusst für eine Festanstellung in einem anderen Unternehmen. Seine Kinder sind ihm sehr wichtig. Allerdings stellte sich im neuen Job bald eine gewisse Unzufriedenheit ein, die er mit seiner direkten Art schnell zur Sprache brachte.

Zu Lothar Dähn hatte Raspe zu diesem Zeitpunkt bereits eine enge Beziehung aufgebaut. „Schweißtechnik ist eine kleine Familie. Man trifft sich immer irgendwo wieder“, sagt er stolz. So wurde Raspe 2007 von Dähn, der bereits bei GYS tätig war, angesprochen: „Frank, es ist so weit. Komm zu mir nach Aachen. Und so bin ich dann zu GYS gekommen“, erzählt der 55-Jährige. Da er bei lukrativen Gelegenheiten nicht lange zögert, nahm er dieses Angebot schnell an. Auch heute noch ist sich Dähn sicher: „Frank hat einen großen Anteil an der positiven Entwicklung von GYS in Deutschland. Er ist einfach ein sehr guter Fachmann, der das Metier und die Branche sehr gut kennt.“

Dabei kann Raspe nicht nur verkaufen, sondern auch all seine Geräte bedienen und vorführen. „Ich versuche immer in der Praxis zu bleiben. Sonst nehmen mich die Jungs nicht mehr ernst: Der Vorturner muss schließlich auch ein bisschen turnen können.“ Er genießt das große Spektrum, das ihm sein Job gibt. So wurde er 2016 auch gebeten die italienische Niederlassung von GYS im Aufbau zu unterstützen. Der ehrgeizige Raspe hat nicht lange gezögert und direkt einen kleinen Kraftwagen in Aachen mit Geräten vollgepackt. Und los ging sie: die Fahrt nach Italien. Dort angekommen war er wieder in seinem alten Element. Tagein, tagaus hat er und sein italienischer Kollege alle Händler von Norditalien bis Rom abgeklappert. Überall wurden alle Geräte fix ausgeladen und sauber vorgeführt. „Das war eine sehr anstrengende, aber auch sehr intensive Zeit“, erinnert sich Raspe gern zurück. Manchmal schien der Tag kein Ende zu nehmen.

Man merkt, mit welcher Leidenschaft Frank Raspe auch heute noch dabei ist. Wobei sein eigentlicher Traum eher weniger mit Schweißtechnik zu tun hat. „Anderen Leuten mit dem Motorrad als Reiseguide fremde Länder zu zeigen, das wäre mein absoluter Traum“. Er liebt es andere Länder zu erkunden und dies natürlich mit einem seiner drei heißgeliebten Motorräder. Sobald er Zeit hat und Lust verspürt, schwingt er sich auf eines seiner Motorräder und fährt los. 70 bis 80 km auf einer Feierabendrunde sind da oft keine Seltenheit. „Das macht mir einfach so viel Spaß. Obwohl ich kein Racer bin, fahre ich aber auch gerne mal etwas zügiger“, sagt er und lacht. Auf der "bike und business"-Motorradtour ist er seit vielen Jahren Stammgast, und wird selbstredend auch dieses Jahr auf der 15-Jahre-Jubiläumstour 2020 in Franken wieder mit von der Partie sein.

Auch heute nach Feierabend will er wieder auf sein aktuelles Lieblingsmotorrad steigen, seine silberne Yamaha Super Ténéré. Er schwingt sein rechtes Bein über die Maschine und setzt seinen schwarzen Helm auf, sodass sein halbes Gesicht verschwindet. Was man aber sieht, sind seine leuchtend blauen Augen. Er weiß: auch heute wird er wieder dieses gewisse Gefühl verspüren. Das Gefühl von Freiheit und der eigenen Glückseligkeit.

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