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Führerscheinrepublik Deutschland

| Autor / Redakteur: Stefan Zipperer / Valeria Schulte-Niermann

Alles wird gut – oder doch nicht? Sommerloch, Sommerloch… Die Zeitungen überschlagen sich mit Meldungen über Google Streetview und entlassene Gewaltverbrecher, um den Pöbel bei Laune und in Angst zu halten. Gibt es denn nichts anderes, womit wir die Zeilen füllen könnten?

(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann )

Ganz im Hintergrund schwelt ein Thema , was aber eher was für Hinterbänkler zu sein scheint, weil es anscheinend keinen schert. Oder doch nicht? In den heurigen Zeiten des Überschwungs wird glatt vergessen, neben dem bundesweiten Aufschwung der Wirtschaft (wer’s glaubt, wird selig… ) doch mal wieder das Thema Führerscheinrecht anzukratzen …

Ach, komm schon, das hatten wir doch schon bis zum Erbrechen. Richtig: WIR haben das schon über und über diskutiert, Petitionen und Unterschriftensammlungen gestartet, die entsprechenden MdB’s angeschrieben, sogar der ansonsten mit sich selber beschäftigte IVM kam aus seinem Dornröschenschlaf und versuchte, unserem Herrn Verkehrminister auf die Füße zu treten (was gehörig in die Hose ging, wir berichteten schon…), aber gebracht hat’s nichts, denn die Damen und Herren da oben haben viiiiel wichtigere Probleme, die ihnen den Tagesplan schon allzu sehr füllen. So ist es schon beachtlich, dass man überlegt, doch wahrhaftig den 15-Jährigen das Fahren von Fahrzeugen mit 45 km/h zu erlauben, ohne direkt auf dem Rollenprüfstand zu enden.

So wird die neue einzuführende Klasse AM15 als DAS Innovationsprojekt gepriesen, auch die Interessenverbände der Zweiradwirtschaft freuen sich über und über. Jubel , Jubel , Freu’ Freu’!!!

Dabei bleibt ganz geflissentlich unser eigentliches Begehr, den 125er-Lappen in die Autopappe zu integrieren, auf der Strecke.

Ganz egal, ob Europa sich da einig ist (mit Ausnahmen der Megawirtschaftsmächte Slowakei und Tschechien), Deutschland wehrt sich vehement und sagt: NEIN! Ist ja viel zu gefährlich, wir stecken unser Interesse eher in die vorgeschobene Mobilität der Jugend, die nun endlich sicher und sauber zum Ausbildungsplatz kommen kann.

Da wird jetzt die Möglichkeit in Betracht gezogen, für läppische 500 bis 800 Euro die Klasse AM15 zu machen, in unserer heutigen Gesellschaft schon fast ein Schnäppchen , wenn man die Preise für den A1/A2 für locker 1.500 Euro dagegenhält. Nun ja: 30 Euro in der Schule oder knappe 100 Euro in der Fahrschule für die Mofabescheinigung waren dagegen schon a bisserl volksnaher, oder? Aber anstelle der Jugend dieses Begehr für diesen Preis anzubieten, wird die Kostenspirale nach oben munter weiter fortgesetzt. Wir haben’s ja…

So wird die Bevölkerung geschröpft. Und wenn nicht genug dabei raus kommt, weil die Leute nicht so dolle für Pakistan spenden wollen, dann geht ein Aufschrei durch die Massenmedien und man fragt sich: Warum nur, spenden die Deutschen auf einmal so wenig? Dass man auch mal egoistisch sein muss, und der EIGENEN Bevölkerung mal eine Lebenserleichterung gibt. Nein, so was fällt keinem ein. Grundsteuer für jeden Häuslebesitzer raus, kein Problem. So werden die Mieten auch nicht günstiger. Die Landschaft mit Windrädern zu pflastern und von jeder Kilowattstunde über 8% als Zwangsabgabe direkt in die Subvention dieser Geräte rüberpumpen, das geht problemlos. Aber Millionen von Deutschen das zu geben, was im Rest von Europa bereits der Normalfall ist, das kriegen unsere gewählten (!) Vertreter einfach nicht hin.

So sehe ich der Zukunft gelassen entgegen. Die Jugend wird bestimmt unisono Klasse AM15 machen (wie weiland die populäre 50er-Quad-Klasse S), unsere Läden werden sich wieder füllen, die Leute durch 45km/h wieder Lust auf mehr bekommen und dann auch reihenweise brav ihren A1/A2 machen, man hat’s ja. Wie schon geschrieben, die Wirtschaft boomt, das kann ja nicht an uns vorbeigehen!!!

Und wir können endlich wieder mal unsere Porsches betanken. Das Leben ist schön, und alles wird gut…

PS. Anmerkung von »bike und business«: Inzwischen hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer im Gesetzentwurf das Eintrittsalter für den Führerschein AM von 15 wieder auf 16 Jahre angehoben und zumindest über eine 125er-Einschlussregelung für Pkw-Führerscheinbesitzer nachgedacht. Nach 15 Jahren Fahrpraxis sollen auch Autofahrer die Möglichkeit eingeräumt bekommen, ein 125-cm³-Motorrad lenken zu dürfen. Aus der Reform wird immer mehr ein Reförmchen.

Der Beitrag stammt von Stefan Zipperer, ZIP Motorräder&Roller

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